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15.10.2026
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Sprit-Alarm in Frankfurt: Lufthansa-Jets tanken jetzt auf Vorrat!

Sprit-Alarm in Frankfurt: Lufthansa-Jets tanken jetzt auf Vorrat!
Symbolbild: KI-generiert

Am größten Flughafen Deutschlands wird das Kerosin knapp. Die Lufthansa reagiert nach eigenen Angaben mit vorsorglichen Maßnahmen: Auf ausgewählten Verbindungen nehmen Maschinen schon vor dem Abflug Richtung Frankfurt zusätzlichen Treibstoff an Bord. Flugstreichungen seien derzeit nicht zu erwarten, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.

Beruhigend klingt das nur auf den ersten Blick. Ein Drehkreuz von Weltrang, das sein Kerosin teilweise aus dem Ausland einfliegen lassen muss, wirft unbequeme Fragen auf.

Pipeline gedrosselt, Rhein ausgetrocknet

Als Grund für die angespannte Lage nennt die Lufthansa unter anderem eine reduzierte Kapazität der Pipeline-Anbindung. Der Flughafenbetreiber Fraport spricht von einer turnusgemäßen Wartung jener Leitung, die auch den Flughafen versorge. Medienberichten zufolge hängen große Drehkreuze wie Frankfurt und München am Central Europe Pipeline System (CEPS) der NATO.

Laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung kommt ein zweites Problem hinzu: der Rhein. Tankschiffe könnten den Fluss wegen des niedrigen Pegels nur mit eingeschränkter Ladung befahren. Wie dramatisch die Lage ist, zeigen die Zahlen der vergangenen Wochen. Am Nadelöhr Kaub meldeten Medien im August einen historischen Tiefstand, Ende September soll der Pegel dort sogar zeitweise unter null gefallen sein.

Ein Detail, das Kritiker seit Jahren anprangern: Die Vertiefung der Fahrrinne am Mittelrhein ist Berichten zufolge seit 1992 geplant – und bis heute nicht umgesetzt. Mehr als drei Jahrzehnte Planung für ein paar Zentimeter Wassertiefe sagen viel über Deutschlands Infrastrukturpolitik aus. Auch das 500-Milliarden-Sondervermögen hat daran bislang nichts geändert.

Fraport winkt ab

Der Flughafenbetreiber gibt sich betont gelassen. Wegen alternativer Versorgungswege und großer Tankspeicher sei durch die Routine-Wartung kein Engpass zu erwarten.

„Die Betriebsfähigkeit des Flughafens ist somit davon nicht beeinträchtigt“

Zwischen dieser Aussage und den Maßnahmen der Lufthansa klafft allerdings eine auffällige Lücke. Wenn alles im grünen Bereich wäre: Warum dann die Sonderanweisung an die Cockpits?

Acht Tonnen extra im Tank

Nach Informationen der „Bild“ hat die Airline ihre Piloten angewiesen, auf bestimmten Flügen mehr Kerosin zu tanken, als die jeweilige Strecke erfordert. In der Branche heißt das „Tankering“. Damit soll in Frankfurt weniger nachgefüllt werden müssen.

Betroffen seien vor allem Kurz- und Mittelstrecken, zunehmend aber auch Langstreckenflüge. Für Jets der Airbus-A320-Familie sehen die Vorgaben dem Bericht zufolge eine Obergrenze von acht Tonnen zusätzlichem Treibstoff vor. Bei der Planung solle darauf geachtet werden, dass das Mehrgewicht weder Passagiere noch Fracht verdrängt.

Teure Notlösung

Die Sache hat einen Haken. Wer zusätzliches Gewicht durch die Luft trägt, verbraucht mehr Kerosin. Tankering kostet also Geld – und steht ausgerechnet bei der EU-Kommission auf der Abschussliste, die die Praxis aus Klimagründen eindämmen will. Wenn Airlines dennoch dazu greifen, spricht das Bände über den Druck im System.

Europas Treibstoff-Achillesferse

Der Frankfurter Engpass ist kein Einzelfall. Schon im Frühjahr hatte Österreichs Energieminister wegen der Blockade der Straße von Hormus gewarnt, im Mai könnten europaweit rund 15 Prozent des benötigten Kerosins fehlen. Laut Berichten stellten allein 2025 vier europäische Raffinerien die Rohölverarbeitung ein. Schätzungen von S&P zufolge könnten die Kapazitäten bis 2050 fast um die Hälfte schrumpfen.

Europa produziert immer weniger und importiert immer mehr – und schon ein Wartungstermin plus ein trockener Sommer reicht, damit Deutschlands wichtigstes Luftfahrt-Drehkreuz improvisieren muss. Für eine Industrienation, die sich gern als Logistikweltmeister sieht, ist das ein Warnsignal. Noch fliegen die Jets. Doch die Puffer werden dünner.

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