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31.08.2026
21:13 Uhr
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Stade-Akten: Fluchtfahrerin wollte SPD-Mann ins Spiel bringen

Stade-Akten: Fluchtfahrerin wollte SPD-Mann ins Spiel bringen
Symbolbild: KI-generiert

Sieben Wochen vor dem Sechsfachmord von Stade soll die spĂ€tere Fluchtwagenfahrerin versucht haben, ihren Schwiegersohn in den Streit um ein Baby einzuschalten. Der Schwiegersohn ist Deniz Kurku (SPD), Landesbeauftragter fĂŒr Migration und Teilhabe in Niedersachsen. Das geht aus Ermittlungsakten hervor, ĂŒber die Medien am Montag berichteten.

Ein Name im Chatverlauf – am 5. Mai

Laut den Unterlagen schlug Sylvia S. in einem Chat mit dem spĂ€teren TodesschĂŒtzen vor, einen „Dennis“ oder „Deniz“ aus Hannover zur Mutter des Kindes ins Krankenhaus zu schicken – er solle dort seine Visitenkarte hinterlassen. Die Ermittler notierten dem Bericht zufolge unter dem Chatprotokoll den Vermerk, es dĂŒrfte sich um Kurku handeln.

Ob der Politiker davon jemals erfuhr, ergibt sich aus den bislang bekannten Akten nicht. Kurku weist jede Beteiligung zurĂŒck. Sein Anwalt erklĂ€rte, sein Mandant habe den TĂ€ter nicht gekannt und kenne auch die Kindsmutter nicht; Kontakt habe es nicht gegeben und gebe es nicht. Bereits im Juli hatte Kurku erklĂ€rt, er sei in den Sorgerechtsstreit nicht involviert gewesen und habe von der Tat nichts gewusst. MinisterprĂ€sident Olaf Lies und die SPD-Fraktion stellten sich damals öffentlich hinter ihn.

Sechs Tote in einer Einrichtung, die schĂŒtzen sollte

Am 29. Juni erschoss der 45-jĂ€hrige TĂŒrke Fatih Khan G. in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade sechs Menschen – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe und des Jugendamts. Anlass war ein HilfeplangesprĂ€ch ĂŒber seine wenige Monate alte Tochter. Bei dem SĂ€ugling war zuvor der Verdacht auf ein SchĂŒtteltrauma diagnostiziert worden.

Die Vorgeschichte liest sich wie eine Kette aus Warnsignalen. Wochen vor der Tat schrieb der Mann laut den Akten von „krassen PlĂ€nen“. Am 11. Mai soll er in einer Sprachnachricht angekĂŒndigt haben, alle zu treffen, die mit der Sache zu tun hĂ€tten.

„Ihr nehmt mein Kind in Obhut und macht Frankenstein daraus. Dann nehme ich euch in meine Obhut.“

Vom „Mitwisser“ zur MittĂ€terin?

Neu ist auch die Bewertung der beiden Frauen. Gegen Sylvia S. und die Kindsmutter Enise Ö. wird seit der Tat wegen Mordverdachts ermittelt; einen Haftbefehl beantragte die Staatsanwaltschaft Anfang Juli mangels dringenden Tatverdachts nicht. Der vorlĂ€ufige Abschlussbericht der Polizei stufe beide nun als Eingeweihte, Mitwisserinnen und MittĂ€terinnen ein, heißt es im Bericht. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Sylvia S. hatte den SchĂŒtzen am Tatmorgen nach Stade gefahren und steuerte anschließend den Fluchtwagen. In einem Abschiedsbrief behauptete der TĂ€ter, er habe sie als Geisel genommen. Ein Video, das dem berichtenden Medium vorliegen soll, zeige diese Bedrohung nicht.

Ausreisepflichtig – und trotzdem hier

Besonders bitter: Der Mann war zum Tatzeitpunkt ausreisepflichtig. Deutsche Behörden hatten bereits 2017 einen Hinweis auf seine Flucht aus einem tĂŒrkischen GefĂ€ngnis erhalten. Am 21. Juli wurde er tot in seiner Zelle in der JVA Bremervörde gefunden; das Justizministerium geht von Suizid aus. Die KameraĂŒberwachung war Medienberichten zufolge einen Tag zuvor eingestellt worden.

Aus Sicht unserer Redaktion ist das der eigentliche Skandal: Sechs Menschen, die helfen wollten, sind tot – ein Prozess, der Antworten hĂ€tte liefern können, wird es nie geben. Wer Vertrauen in den Rechtsstaat zurĂŒckgewinnen will, muss diesen Fall lĂŒckenlos aufklĂ€ren. FĂŒr viele BĂŒrger steht dahinter lĂ€ngst die grĂ¶ĂŸere Frage: Warum konnte ein ausreisepflichtiger, den Behörden seit Jahren bekannter Mann jahrelang unbehelligt bleiben?

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar. FĂŒr alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

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