
Steuerreform als „Scherz“: Klingbeil kassiert Kritik von allen Seiten

Berlin, 10. August 2026: Der Referentenentwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) für die große Einkommensteuerreform liegt auf dem Tisch – und löst harsche Kritik aus. Der Bund der Steuerzahler spricht von einer „Giftliste“. Selbst der Koalitionspartner CDU/CSU geht den Vizekanzler frontal an.
„Nur als Scherz oder Provokation“
Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, ließ der Augsburger Allgemeinen zufolge kaum ein gutes Wort übrig. Weil den Bürgern jahrelang Entlastungen versprochen worden seien, könne der Entwurf „eigentlich nur als Scherz oder Provokation angesehen werden“.
Seine zentrale Kritik: „Statt Entlastungen sind in der Mehrzahl Belastungen enthalten“, monierte Holznagel. Und der Ausgleich der kalten Progression? Fehlt schlicht.
Was die kalte Progression so teuer macht
Ein kurzer Blick auf die Mechanik dahinter: Wer eine Lohnerhöhung bekommt, die lediglich die Inflation ausgleicht, rutscht im deutschen Steuertarif in höhere Zonen. Real bleibt weniger, nominal zahlt man mehr. Ein automatischer Ausgleich – von der Ampel-Regierung eingeführt – verhinderte diesen stillen Griff in die Taschen.
Fällt er weg, bedeutet das laut Kritikern nichts anderes als eine Steuererhöhung durch die Hintertür – für alle. Ohne Parlamentsdebatte, ohne Schlagzeile, ohne Verantwortung.
Zehn Milliarden versprochen – fünf übrig
Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Klingbeil hatten kleinen und mittleren Einkommen zehn Milliarden Euro Entlastung zugesagt. Nach dem Entwurf bleibe für 2027 und 2028 unter dem Strich eine Netto-Entlastung von nicht einmal fünf Milliarden Euro.
Daniel Peters, CDU-Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern, warf Klingbeil gegenüber Bild vor, sein Wort zu brechen – von den ohnehin dürftigen zehn Milliarden bleibe „nicht mal ein Drittel übrig“. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann nannte den Wegfall von Steuervergünstigungen für Vereine Sparen an der falschen Stelle: „Der Finanzminister muss hier nacharbeiten.“
Bemerkenswert: NGOs, die sich um Klima und Umwelt kümmern, sollen von der neuen Regel ausgenommen bleiben. Der Sportverein zahlt, die Klima-Kampagne bleibt verschont – für viele Bürger dürfte das schwer nachvollziehbar sein.
Das Kleingedruckte: Wer künftig mehr zahlt
Im Zentrum der „Entlastung“ steht keine Steuersenkung mehr, sondern ein Kindergeldplus von acht Euro: von 259 auf 267 Euro im Jahr 2027, 2028 dann 272 Euro. Weiter geplant:
- Grundfreibetrag bis 2028 auf 12.900 Euro
- Arbeitnehmer-Pauschbetrag 2027 von 1.230 auf 1.430 Euro
- Spitzensteuersatz von 42 Prozent erst ab 70.601 Euro
Gegenfinanziert wird das an anderer Stelle: Handwerkerleistungen sollen schlechter absetzbar sein, die Pauschsteuer für Mini-Jobs steigt auf fünf Prozent, der Rabattfreibetrag für Mitarbeiter fällt weg. Der „Reichensteuersatz“ klettert von 45 auf 47 Prozent – künftig ab 280.000 Euro, während der 45-Prozent-Satz bereits ab 250.000 Euro greifen soll. Erwartete Mehreinnahmen 2028: rund 2,8 Milliarden Euro.
Der Mittelstand als Verlierer
Besonders scharf kritisierte Holznagel die geplante Streichung des Freibetrags bei Betriebsaufgabe im Alter. Gerade kleine und mittlere Unternehmer hätten davon profitiert – bei Ruhestand oder Krankheit. Warum ausgerechnet diese Gruppe stärker belastet werden solle, sei „nicht erklärbar“.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Entwurf ein Muster: Wer arbeitet, gründet, vorsorgt, trägt die Last. Wer in Deutschland Vermögen bewahren will, sollte diese Entwicklung nüchtern zur Kenntnis nehmen – physische Edelmetalle gelten vielen Anlegern seit Generationen als Bewährtes zur Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung und keine Anlageberatung dar. Er spiegelt die Einordnung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Leser ist für seine steuerlichen und finanziellen Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren beziehungsweise fachkundigen Rat einholen.

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