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Stille statt Schuss: Warum die Jagd mehr ist als bloßes Erlegen

Stille statt Schuss: Warum die Jagd mehr ist als bloßes Erlegen
Symbolbild: KI-generiert

Ein passionierter Jäger aus der Schweiz geht mit einem hartnäckigen Klischee ins Gericht. In einem aktuellen Gastbeitrag für ein Schweizer Wochenmagazin beschreibt er die herbstliche Pirsch im Morgengrauen als eine Art Meditation, bei der die Beute zur Nebensache wird. Sein Text trifft einen Nerv, denn in Deutschland boomt die Jagd wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Wenn der Wald erwacht

Die Szene, die der Autor zeichnet, kennt kaum noch jemand. Nebel liegt über dem Tal, die Dunkelheit weicht nur langsam, und kein Motor, kein Handy und keine Stimme stört. Für den Jäger sind genau das die kostbarsten Stunden des Herbstes, eine Stille, wie man sie in unserer lärmenden Welt sonst kaum noch findet.

Kälte kriecht unter die Jacke, aber er bemerkt sie kaum. Wichtig sind jetzt das Knacken eines Zweiges und der Ruf eines Vogels. Der Kopf werde dabei frei, schreibt er, die Gedanken ordneten sich wie von selbst. Auf die Uhr schaue man nicht mehr. Man sei einfach da.

«Im Wald und auf der Heide, da such ich meine Freude, ich bin ein Jägersmann!»

So hätten sie es als Kinder gesungen, erinnert sich der Autor. Ein altes Volkslied, das heute fast nostalgisch klingt.

Trophäen? Völlig nebensächlich!

Dann kommt der Kern seiner Botschaft. Viele Menschen meinten, bei der Jagd gehe es nur ums Töten. Er nennt das einen Irrtum. An erster Stelle stehe das Naturerlebnis, also das Wild, das vorsichtig aus dem Dickicht tritt, und das Spiel von Licht und Schatten am frühen Morgen.

Ob am Ende ein Schuss fällt, sei völlig gleichgültig. Ein guter Jagdtag zeige sich nicht an der Trophäe an der Wand, sondern an der inneren Ruhe, die man mit nach Hause nehme. Auf dem Rückweg empfinde er vor allem Dankbarkeit. Die Natur erde den Menschen und zeige ihm, worauf es im Leben ankomme.

In den Kommentaren gehen die Meinungen auseinander. Ein Leser rät spöttisch, der Autor solle sich doch eine Kamera mit Teleobjektiv kaufen. Ein anderer hält dagegen und fragt, wer den Wildbestand denn sonst regulieren solle. Diese Frage bringt die Debatte auf den Punkt.

Deutschland im Jagdfieber

Der Text erscheint zu einer Zeit, in der immer mehr Menschen zur Jagd finden. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) besaßen im November 2025 bundesweit 467.682 Menschen einen Jagdschein. Das ist ein Rekord und 42 Prozent mehr als vor 30 Jahren. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit knapp 100.000 Jägern, bei der Jägerdichte liegt Mecklenburg-Vorpommern vorn.

Die Motive gleichen denen des Schweizer Autors. Laut einer Befragung der Verbände nennen 77 Prozent der Neumitglieder als Grund, dass sie gern in der freien Natur sind. Für 64 Prozent ist die Jagd angewandter Naturschutz. Fast ein Viertel der Jagdschüler stammt inzwischen aus der Stadt.

Ehrenamt, das niemand bezahlt

Was in der öffentlichen Debatte oft untergeht: Laut DJV verbringen Jäger im Schnitt rund 40 Stunden im Monat im Revier. Sie retten Rehkitze mit Drohnen vor dem Mähwerk, helfen bei der Eindämmung von Tierseuchen und kümmern sich nach Wildunfällen um verletzte Tiere. Insgesamt sollen sie jährlich eine halbe Milliarde Euro aus eigener Tasche für Biotoppflege und Artenschutz ausgeben.

Dazu kommt der Wald. Forstbehörden warnen, dass zu viel Rehwild junge Bäume verbeißt und den Umbau zu klimastabilen Mischwäldern gefährdet. Ohne Jagd geht es also nicht.

Ein Plädoyer für das Echte

Im Kern ist der Text mehr als eine Liebeserklärung an den Wald. Er erinnert an Werte, die im Alltag zwischen Bildschirm, Termindruck und Dauererreichbarkeit verloren gehen: Geduld, Demut, Verantwortung und Verbundenheit mit der Heimat.

Viele Jäger dürften sich darin wiederfinden. Sie erleben, dass ihr Hobby immer wieder unter Generalverdacht gerät, obwohl ihre Arbeit im Revier sehr viel mehr umfasst als den Schuss vom Hochsitz.

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