
Strom-Stopp in Hamburg: Kein Anschluss für Industrie bis Herbst 2027!

Deutschlands zweitgrößte Stadt hat ein Problem mit dem Strom. Seit Montag, dem 2. November 2026, vergeben die städtischen Hamburger Energienetze für reguläre Großanschlüsse keine zusätzliche Leistung mehr. In allen drei Teilnetzen der Hansestadt stehen null Megavoltampere zur Verfügung. Das gilt bis Ende September 2027, und der Netzbetreiber erwartet, dass die Knappheit bis in die 2030er-Jahre anhält.
3.000 Megawatt Nachfrage, 1.800 Megawatt Netz
Nach Angaben des Unternehmens liegen Anfragen für rund 3.000 Megawatt zusätzliche Anschlussleistung vor. Die bisherige Spitzenlast des gesamten Hamburger Netzes liegt bei etwa 1.800 Megawatt.
Die neuen Anfragen sind also deutlich größer als der heutige Spitzenverbrauch der ganzen Stadt. Den Ansturm treiben vor allem Rechenzentren und Großbatteriespeicher. Medienberichten zufolge geht es um Anschlüsse ab 1,5 Megavoltampere, also etwa um Metallhütten, Grundstoffindustrie und Datenzentren. Privathaushalte und kleinere Gewerbekunden sollen nichts merken. Bereits zugesagte Anschlüsse würden wie vereinbart gebaut.
„Fair Grid“: Mangel bekommt einen freundlichen Namen
Mit dem neuen Verfahren „Fair Grid“ gibt der Netzbetreiber das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ auf. Freie Kapazitäten werden künftig einmal im Jahr verteilt. Entscheidend ist dabei unter anderem, wie weit ein Projekt geplant ist und welche Genehmigungen schon vorliegen. Bevorzugt werden laut Berichten Einrichtungen der Daseinsvorsorge wie Krankenhäuser.
Anträge für den laufenden Zeitraum sind noch bis zum 22. Januar 2027 möglich. Nur gibt es gerade nichts zu verteilen. Ob im nächsten Zyklus ab dem 1. Oktober 2027 wieder Leistung frei wird, ist offen. Wie fair kann eine Zuteilung sein, wenn nichts übrig ist?
Der Engpass liegt bei 50Hertz
Der Engpass sitzt an den Übergabestellen vom Höchstspannungsnetz ins städtische Netz, den sogenannten Netzverknüpfungspunkten. Zuständig dafür ist der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Wie berichtet wird, bekomme der Hamburger Netzbetreiber derzeit weder Liefertermine für neue Transformatoren noch verbindliche Zusagen für den Ausbau dieser Punkte.
Die Geschäftsführung bemängelte laut Medienberichten außerdem Fehlanreize im System. Wer einen Offshore-Windpark zu spät anschließe, müsse hohe Vertragsstrafen fürchten. Wer den Ausbau städtischer Netzverknüpfungspunkte verzögere, dagegen nicht. Diese Ungleichbehandlung müsse der Bund beheben.
Die Wirtschaft schlägt Alarm
Die Handelskammer Hamburg warnt Berichten zufolge, ohne Großanschlüsse könnten sich keine nennenswerten Rechenzentren, Speicher oder Industriebetriebe mehr ansiedeln. Viele Betriebe könnten ihre Produktion dann nicht auf Strom umstellen. Der Unternehmensverband UVNord sprach von Versäumnissen beim Netzausbau, die zulasten der Firmen gingen. Planungssicherheit gebe es auf Jahre nicht. Das per Volksentscheid vorgezogene Hamburger Klimaziel werde dadurch technisch ad absurdum geführt.
Zuständig für das Stromnetz ist die Umweltbehörde unter Senatorin Katharina Fegebank (Grüne). Die Stadt wirbt für Wärmepumpen und E-Autos, doch die Leitungen für die großen Verbraucher fehlen. Kritiker sehen darin ein Lehrstück dafür, was passiert, wenn man politische Ziele schneller beschließt, als man die nötige Technik baut.
Dreifacher Bedarf – mit welchem Netz?
Der Netzbetreiber rechnet selbst damit, dass sich der Leistungsbedarf in den nächsten 20 Jahren verdreifacht. Gründe sind Rechenzentren, Speicher, Elektroheizungen, Elektroverkehr und elektrifizierte Industrie. In den kommenden fünf Jahren sollen rund drei Milliarden Euro ins Netz fließen. Solche Investitionen werden in Deutschland über die Netzentgelte finanziert, also letztlich von den Stromkunden.
Hamburg ist kein Einzelfall, auch in Berlin werden Anschlüsse bereits zugeteilt. Genau das ist das eigentliche Alarmsignal: Ein Industrieland, das seine Zukunft auf Strom setzt, kann ihn nicht dorthin liefern, wo er gebraucht wird. Investoren dürften sich genau überlegen, ob sie jahrelang auf einen Anschluss warten oder gleich anderswo bauen.
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