
Sturm-Crash in Bremerhaven: „Mein Schiff 3“ rammt zwei Frachter!

Bremerhaven, Sonntag, gegen 17 Uhr: Beim Auslaufen im Sturm ist das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 3“ von TUI Cruises mit Containerschiffen zusammengestoßen. Laut ersten Erkenntnissen der Polizei waren zwei Frachter betroffen. Verletzt wurde nach bisherigem Stand niemand. Der Schaden dürfte aber erheblich sein, und die Kanaren-Reise von mehr als 3.000 Menschen ist fraglich.
Schlepper gegen Sturmböen: ein ungleiches Duell
Ein verifiziertes Augenzeugenvideo zeigt den Ablauf. Schlepper bugsieren den weißen Riesen bei kräftigem Wellengang von der Columbuskaje. Dann wird der Abstand zu einem Containerschiff an der Hafenmauer immer kleiner, bis es kracht.
Medienberichten zufolge handelt es sich bei einem der getroffenen Schiffe um die „MSC Victorine“. Deren Bordwand soll auf rund zehn Metern Länge aufgerissen sein. Auch die „Mein Schiff 3“ hat es erwischt. Nach Berichten sollen mindestens zwei Rettungsboote schwer beschädigt worden sein, dazu Teile der Aufbauten. Auf den Bildern sind Trümmer zu sehen.
Der Deutsche Wetterdienst hatte für die Nordseeküste vor schweren Sturmböen gewarnt. Wetterkarten zeigten auf der offenen Nordsee stellenweise Wellen von mehr als sechs Metern. Warum ist das so gefährlich? Ein schwimmendes Hochhaus dieser Größe bietet dem Wind eine riesige Angriffsfläche. Auf engem Raum kann es aus eigener Kraft kaum manövrieren. Es ist auf Schlepper, saubere Leinenarbeit und genaue Absprachen zwischen Brücke und Schleppern angewiesen.
Ein Schiff oder zwei? Widersprüche in den ersten Stunden
Auffällig: TUI Cruises bestätigte zwar den Unfall, sprach aber nur von einer Kollision mit einem Containerschiff. Auch einige Medien berichten bisher nur von einem Frachter. Die Polizei geht dagegen von zwei beteiligten Schiffen aus.
Die Wasserschutzpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Sie wird den Ablauf, die Wetterlage, die Kommunikation mit den Schleppern und mögliche technische oder organisatorische Fehler untersuchen. Am Montag will sie weitere Informationen geben. Eine zentrale Frage dürfte lauten, ob man bei dieser Wetterlage überhaupt hätte ablegen sollen. Diese Frage stellen sich Beobachter nach einem solchen Vorfall zwangsläufig.
Gestrandet vor dem Start: Was wird aus der Kanaren-Reise?
An Bord waren laut Reederei 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder. Das Schiff fasst nach eigenen Angaben 2.506 Passagiere und verfügt über neun Restaurants und Bistros, 15 Bars und Lounges sowie ein Bordhospital mit deutschsprachigen Ärzten. Geplant war die 20-tägige Reise „Zeitlose Kanaren“ mit Stopps in Portugal, auf Madeira und den Kanarischen Inseln. Zurück in Bremerhaven sollte das Schiff am 14. November sein.
Stattdessen kehrte die „Mein Schiff 3“ an den Pier zurück, wo Fachleute den Schaden begutachten. Die Gäste dürfen vorerst an Bord bleiben. Eine Weiterfahrt bedeutet das aber nicht. Ohne voll einsatzfähige Rettungsboote darf kein Kreuzfahrtschiff in See stechen. Rumpf, Rettungsmittel und alle sicherheitsrelevanten Systeme müssen geprüft und freigegeben werden. Einzelne Medien berichten bereits, die Kreuzfahrt müsse abgebrochen werden. Eine offizielle Bestätigung der Reederei lag zunächst nicht vor.
Nicht der erste Sturm-Schreck in diesem Herbst
Erst am 8. September 2026 hatten heftige Böen im französischen Le Havre die „AIDAperla“ von ihren Festmacherleinen gerissen. Die „Mein Schiff 3“ lag damals im selben Hafen und konnte sich mit Leinen und eigenen Maschinen an der Pier halten. Diesmal half selbst die Unterstützung der Schlepper nicht.
Bremerhaven gehört zu den wichtigsten deutschen Häfen für Kreuzfahrt- und Containerverkehr. Hier begegnen sich Passagierriesen und Frachtgiganten auf engstem Raum. Der Unfall zeigt, wie schmal der Spielraum dort ist. Wenn ein Manöver bei Sturm misslingt, können schnell Millionen auf dem Spiel stehen. Für die betroffenen Urlauber zählt jetzt vor allem, was die Prüfer sagen und was TUI Cruises als Nächstes mitteilt.
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