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22.05.2026
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Teherans Propagandamaschine läuft heiß: Nationale Einheit als Fassade eines bröckelnden Regimes

Teherans Propagandamaschine läuft heiß: Nationale Einheit als Fassade eines bröckelnden Regimes

Während die Mullahs in Teheran das eigene Volk noch vor wenigen Monaten mit eiserner Faust niederknüppeln ließen, sollen nun Hochglanzplakate, Massenhochzeiten in Militärfahrzeugen und Waffentrainings in Moscheen das Bild einer geeinten Nation zeichnen. Die iranische Führung wirft die Propagandamaschinerie auf Hochtouren an – und entlarvt damit unfreiwillig, wie wenig Substanz hinter der inszenierten Stärke steckt.

Vom religiösen Eifer zum patriotischen Pathos

Bemerkenswert ist der ideologische Kurswechsel: Wo früher schiitische Märtyrer-Ikonografie und revolutionäre Parolen dominierten, treten heute persische Nationalhelden und historische Symbole in den Vordergrund – jene Motive also, die das Mullah-Regime jahrzehntelang als monarchistisches Relikt verteufelte. Ein Plakat in Teheran zeigt den Guerillaführer Rais Ali Delvari, der vor rund hundert Jahren gegen die britische Besatzung kämpfte, Schulter an Schulter mit einem Kommandeur der Revolutionsgarden.

Ali Vaez vom International Crisis Group bringt es auf den Punkt: Die alte Ideologie der Islamischen Republik habe in der Gesellschaft kaum noch Zugkraft, weshalb das Regime nun auf andere Elemente iranischer Identität zurückgreife, um die Massen zu mobilisieren. Mit anderen Worten: Wenn die Theologie nicht mehr zieht, muss der Nationalismus herhalten.

Straße von Hormus als Propaganda-Trumpf

International konnte Teheran mit der Sperrung der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Öltransportrouten der Welt – durchaus Wirkung erzielen. US-Präsident Donald Trump wurde damit zurück an den Verhandlungstisch gezwungen. Propagandaplakate zeigen Revolutionsgardisten, die mit Fischernetzen US-Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge einfangen, oder Trump mit einem Stoffstreifen quer übers Gesicht, der die Form der Meerenge nachbildet.

Solche Bilder kennt der Iran-Beobachter aus jahrzehntelanger Praxis – man denke an das berüchtigte Wandgemälde mit der Freiheitsstatue als Totenkopf. Doch die Botschaft hat sich verschoben: Es geht nicht mehr um die islamische Revolution, sondern um Iran als Nation.

Brüchige Fassade: Wirtschaft am Abgrund

Hinter den blumengeschmückten Militärfahrzeugen bei den propagandistisch aufgeladenen Massenhochzeiten – Brautpaare paradieren neben pinkfarbenen Modellen ballistischer Raketen – verbirgt sich eine bitterarme Realität. Die iranische Wirtschaft, schon vor dem Krieg in desolatem Zustand, droht zu zerfallen. Die wachsende Repressionswelle zeige, so Analysten, wie sehr die Machthaber neue Unruhen fürchten.

"Es ist alles ein Spiel, eine Vorstellung, die der Welt zeigen soll, dass die Menschen hinter dem System stehen. Statt dieser Aufführungen sollten sie die Wirtschaft in Ordnung bringen", sagte ein 23-jähriger Romanistikabsolvent aus Yazd. Eine pensionierte Staatsangestellte aus Schiras formulierte es noch deutlicher: Die Banner mit Nationalhelden seien Kriegsrhetorik – danach werde sich das Ganze gegen das Volk richten, und die Repression werde wiederkehren.

Vom Gottesstaat zum Militärregime

Iranische Insider berichten, die Macht habe sich während des Krieges spürbar von den Klerikern hin zu den Kommandeuren der Revolutionsgarden verlagert. Vaez spricht von einer Transformation des Regimes – weg von einem theokratischen, hin zu einem militärischen System. Bilder des neuen Obersten Führers Mojtaba Khamenei mit übergroßer Nationalflagge und der salutierenden Nationalmannschaft fügen sich nahtlos in diese Inszenierung.

Interessant: Das Staatsfernsehen zeigt mittlerweile Frauen ohne Kopftuch bei regimetreuen Kundgebungen – ein Tabubruch, der lange undenkbar gewesen wäre. Hardliner wie der 26-jährige Student Mohammed aus Tabriz reagieren empört: Dafür sei die Revolution nicht gemacht worden, klagte er über unverschleierte Frauen, die sich mit fremden Männern mischten.

Ein Regime im Selbsttäuschungsmodus

Ali Ansari, Professor für moderne Geschichte an der Universität St Andrews, bringt die Sache auf den Punkt: Das Regime sei keineswegs so sicher, wie es vorgebe. Die martialische Inszenierung mit Waffentrainings in Moscheen, bei denen Männer und Frauen lernen, Sturmgewehre zu zerlegen, habe eine doppelte Botschaft – sie erinnere Dissidenten daran, dass die Machthaber auf schwer bewaffnete Unterstützer zählen können.

Bei den unentschlossenen Iranern in der Mitte mag die Propaganda eine gewisse Wirkung entfalten. Doch die Mehrheit der Bevölkerung, da sind sich die Analysten einig, glaubt das inszenierte Märchen von der nationalen Einheit nicht wirklich. Wer wenige Monate zuvor Demonstranten erschießen ließ, wird sich kaum als väterlicher Beschützer der Nation neu erfinden können.

Was bedeutet das für die globale Lage?

Die Eskalation im Nahen Osten – ausgelöst durch den israelischen Schlag gegen iranische Atomanlagen und Trumps Drohung einer "zivilisatorischen Auslöschung" – hat den Mullahs paradoxerweise propagandistisch in die Hände gespielt. Wer sich angegriffen fühlt, schließt sich erstmal zusammen, selbst hinter einer ungeliebten Führung. Doch die ökonomischen Realitäten lassen sich nicht ewig wegplakatieren.

Für aufmerksame Beobachter der Weltlage ist klar: Geopolitische Spannungen dieser Größenordnung – ein wankendes Regime in einer der wichtigsten Ölförderregionen der Welt, gepaart mit einer blockierten Hormus-Straße – haben das Potenzial, die globalen Märkte massiv zu erschüttern. In solchen Zeiten zeigt sich einmal mehr, warum physische Edelmetalle als Versicherung gegen geopolitische Verwerfungen seit Jahrtausenden ihren festen Platz in einem soliden Vermögensportfolio haben. Wer auf Sachwerte setzt, schläft ruhiger, wenn die Welt brennt.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die geäußerten Einschätzungen geben die Meinung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung zu treffen. Für etwaige Verluste übernehmen wir keinerlei Haftung.

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