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09.10.2026
18:39 Uhr
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Temu am Zoll-Pranger: Endet jetzt die Party der China-Billigpakete?

Temu am Zoll-Pranger: Endet jetzt die Party der China-Billigpakete?
Symbolbild: KI-generiert

Die fetten Jahre für Temu in Europa könnten vorbei sein. Der chinesische Billig-Marktplatz hat in Österreich binnen weniger Jahre ein Milliardengeschäft aufgebaut. Jetzt bekommt er gleichzeitig eine EU-Strafe von 200 Millionen Euro, den neuen 3-Euro-Zoll und schwächere Konzernzahlen zu spüren. Das Geschäftsmodell muss sich ändern, ob Temu will oder nicht.

Von null auf Platz zwei in Rekordzeit

Laut dem österreichischen Handelsverband liefen 2025 rund 646 Millionen Euro Bruttowarenvolumen über Temu. Ein Jahr zuvor waren es noch 341 Millionen Euro. Damit ist die Plattform in der Alpenrepublik der zweitgrößte Marktplatz. Etwa 60 Prozent der Österreicher sollen dort schon bestellt haben.

Das alles ging erstaunlich schnell. Mutterkonzern PDD Holdings startete Temu im September 2022 in den USA, im April 2023 kam Europa dran. Filialen brauchte es dafür nicht. Es reichten aggressives Online-Marketing und eine Lieferkette, die Millionen Pakete direkt aus chinesischen Fabriken zu europäischen Kunden schickt.

Wer hier Steuern zahlt, zahlt drauf

Genau da liegt der Ärger. Ein heimischer Händler bezahlt Personal, Ladenmiete, Lager, Produktprüfung und Verwaltung. Er führt Waren in großen Mengen ein und muss dabei alle Zollformalitäten erfüllen. Billige Direktbestellungen aus Fernost blieben dagegen jahrelang unter der Zollfreigrenze von 150 Euro. Für viele Mittelständler war das ein Wettbewerb mit gezinkten Karten.

Die Zahlen sind gewaltig. Laut EU-Kommission kamen 2025 rund 5,9 Milliarden günstige E-Commerce-Artikel direkt aus Drittstaaten in die EU, mehr als 90 Prozent davon aus China. Kontrolliert wurde kaum etwas: Trotz 387.588 Zollkontrollen wurden nur 65 von einer Million eingeführten Artikeln geprüft. Brüssel hat seine eigenen Händler mit Vorschriften überzogen, bei Billigimporten aber lange weggeschaut. Diesen Vorwurf muss sich die EU gefallen lassen.

Der 3-Euro-Zoll und die Millionenstrafe

Seit dem 1. Juli 2026 gilt für Sendungen bis 150 Euro ein vorläufiger Pauschalzoll von drei Euro je Warenkategorie. Spätestens ab November soll zusätzlich eine EU-weite Bearbeitungsgebühr dazukommen. Das trifft auch deutsche Kunden. Ein T-Shirt für wenige Euro ist plötzlich längst nicht mehr so billig.

Dazu kommt der Digital Services Act. Am 28. Mai 2026 verhängte die EU-Kommission die Geldbuße von 200 Millionen Euro. Nach ihrer Feststellung hat Temu nicht ausreichend geprüft, wie groß das Risiko illegaler Produkte auf der eigenen Plattform ist. Testkäufe sollen bei Babyspielzeug und kleinen Elektrogeräten erhebliche Mängel gezeigt haben. Verbraucherschützer werfen Temu außerdem mutmaßlich irreführende Rabatte und künstlichen Zeitdruck beim Kauf vor.

Die Bilanz bekommt Risse

Auch in den Zahlen des Konzerns zeigt sich das. PDD Holdings steigerte den Umsatz im zweiten Quartal 2026 zwar um acht Prozent auf 112,4 Milliarden Yuan. Der Nettogewinn sank aber um zwölf Prozent auf 27,2 Milliarden Yuan, während die Marketingausgaben weiter stiegen. An der Nasdaq notierte die PDD-Aktie am 6. Oktober bei rund 78,40 US-Dollar und lag damit seit Jahresbeginn knapp 31 Prozent im Minus.

Was bleibt für Händler und Kunden?

Der Zoll nimmt Temu den Kostenvorteil nicht ganz. Für die Plattform lohnt es sich aber mehr, Waren gesammelt nach Europa zu bringen und hier zu lagern. Einfach weiter so wie bisher zu verschicken, wird schwieriger.

Den Preisdruck werden heimische Händler trotzdem nicht mehr los. Gegen China gewinnen sie mit Beratung, Service, schneller Lieferung, Reparatur und sicheren Produkten, aber kaum über den Preis. Billige Wegwerfware ist eben nicht so günstig, wie sie aussieht.

Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Wer Geld anlegt, sollte sich selbst gründlich informieren und entscheidet auf eigene Verantwortung.

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