
Thukydides-Falle: Die Großmächte rüsten – und Deutschland fehlt!

Während Xi Jinping in Washington vor einem Krieg der Supermächte warnt, beraten nahe Moskau Politikwissenschaftler aus aller Welt über die neue Weltordnung. Beim 23. Jahrestreffen des Waldai-Clubs, das vom 28. September bis 1. Oktober 2026 stattfindet, bleibt ein Platz Medienberichten zufolge leer: der deutscher Denkfabriken.
Ein antiker Begriff wird zum Weltthema
Die Thukydides-Falle klingt nach Hörsaal, doch die Sache ist ernst. Der Begriff geht auf den athenischen Feldherrn und Geschichtsschreiber Thukydides zurück. Er beschrieb, wie der rasante Aufstieg Athens das etablierte Sparta so sehr beunruhigte, dass der Peloponnesische Krieg am Ende unausweichlich schien.
Bekannt gemacht hat das Konzept der Harvard-Professor Graham Allison Anfang der 2010er-Jahre. Er untersuchte 16 historische Rivalitäten zwischen einer aufsteigenden und einer herrschenden Macht. Zwölf davon endeten im Krieg. Eine Bilanz, die niemanden ruhig schlafen lassen sollte.
Xis Botschaft im Weißen Haus
Chinas Staatschef hat den Begriff zuletzt bei seinem Staatsbesuch in Washington in der vergangenen Woche aufgegriffen. Nach der offiziellen chinesischen Darstellung sagte er bei seiner Ankunft im Weißen Haus:
„Die Thukydides-Falle kann überwunden werden.“
Das klingt versöhnlich und ist doch eine Warnung. Beim Gipfel in Peking im Mai hatte Xi noch als offene Frage formuliert, ob beide Länder der Falle entgehen könnten. Der Subtext ist geblieben: Peking sieht sich als aufstrebende Macht auf Augenhöhe und erwartet, dass Washington das anerkennt.
Viel Pomp, wenig Substanz
Trump empfing seinen Gast mit Militärparade, Kampfjets und Staatsbankett. Das Ergebnis fiel dagegen eher mager aus. Laut US-Finanzminister Scott Bessent wurde der Handelsfrieden, der eigentlich im November ausgelaufen wäre, nur um zwei Monate verlängert. China erfülle zwar seine Zusage, 25 Millionen Tonnen Sojabohnen abzunehmen. Bei weiteren Agrarkäufen im Wert von 17 Milliarden Dollar hinke Peking aber hinterher. Auch die Lieferungen Seltener Erden blieben US-Angaben zufolge hinter den Erwartungen zurück.
Das Dreieck Washington, Peking, Moskau
Dazu kommt Russland. Spätestens seit dem Treffen von Trump und Wladimir Putin in Alaska im Jahr 2025 ist klar: Die großen Fragen dieser Welt werden zwischen drei Hauptstädten verhandelt. Beim Waldai-Forum traten in diesem Jahr unter anderem Russlands Außenminister Sergej Lawrow auf. Eine eigene Sitzung trug den bezeichnenden Titel „Europa von morgen: ohne Krieg oder nach dem Krieg?“
Man muss die Kreml-nahe Plattform nicht mögen. Man muss ihre Positionen schon gar nicht teilen. Aber wer die Denkweise der Gegenseite nicht kennt, verliert jede Verhandlung, bevor sie beginnt.
Berlin schaut zu
Genau das macht die Abwesenheit deutscher Denkfabriken so bitter. Kritiker sehen darin eine verpasste Chance. Europas größte Volkswirtschaft, deren Exportmodell wie kaum ein anderes von stabilen Handelswegen abhängt, verzichtet freiwillig darauf, zuzuhören.
Die Bundesregierung unter Friedrich Merz setzt stattdessen auf Milliardenschulden und Aufrüstung. Eine eigenständige strategische Stimme zwischen den Machtblöcken ist bisher kaum zu erkennen. Wer nicht mit am Tisch sitzt, steht bekanntlich auf der Speisekarte.
Was bedeutet das für Sparer?
Handelsfrieden auf Zeit, Streit um Rohstoffe, drei Großmächte, die einander belauern: Für Anleger ist das ein Umfeld mit großer Unsicherheit. Zolltabellen können sich über Nacht ändern, Lieferketten reißen, und Aktienmärkte reagieren oft nervös auf jede Schlagzeile. In solchen Phasen haben physisches Gold und Silber historisch ihre Rolle als krisenfester Wertspeicher gespielt. Denn sie sind unabhängig von Regierungsversprechen und Notenbankentscheidungen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können Edelmetalle helfen, sich gegen geopolitische Schocks abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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