
Trikot-Eklat in La Liga: Mbappé und Vini Jr. verweigern Ceuta-Geste

Ein weißes T-Shirt, drei Sekunden Kameralicht – und ein Skandal, der ganz Spanien beschäftigt. Vor dem Ligaspiel zwischen dem FC Elche und Real Madrid liefen beide Mannschaften mit Solidaritäts-Shirts für die spanische Exklave Ceuta auf. Doch die Starspieler Kylian Mbappé und Vinicius Junior verdeckten die Botschaft – Ibrahima Konaté zog das Shirt gar nicht erst an.
„Wir alle sind Caballas“ – nur drei eben nicht
Auf den Trikots stand „Todos somos caballas“ – „Wir alle sind Caballas“, so nennen sich die Einwohner Ceutas selbst. Das Wort stammt vom Fisch Makrele: Medienberichten zufolge geht der Spitzname auf das späte 19. Jahrhundert zurück, als in der Bucht der Stadt riesige Makrelenschwärme gefangen wurden. 2010 nahm die Königliche Akademie der Sprache den Begriff offiziell ins Wörterbuch auf.
Mbappé und Vinicius trugen das Shirt nur lose über den Schultern, hochgekrempelt, sodass die Aufschrift kaum zu lesen war. Direkt nach dem Einlaufen zogen sie es wieder aus. Konaté hielt es lediglich in der Hand.
Real Madrid stellte anschlieĂźend klar, niemandem sei untersagt worden, UnterstĂĽtzung fĂĽr Ceuta zu zeigen. Warum die drei Profis die Botschaft mieden, ist bislang nicht bekannt. Spekulationen ĂĽber Motive bleiben genau das: Spekulationen.
Worum es in Ceuta wirklich geht
Der Hintergrund ist bitterernst. Nach Medienberichten erreichten Ende Juli innerhalb weniger Tage zehntausende Menschen von Marokko aus die 84.000-Einwohner-Exklave – die Angaben reichen von rund 60.000 bis über 70.000. Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach damals von einem „Angriff“.
Man muss sich das Verhältnis vor Augen halten: Eine Kleinstadt von der Größe Passaus sah sich mit einer Zahl von Ankommenden konfrontiert, die ihre Einwohnerschaft nahezu erreichte. Berichten zufolge stellte Madrid daraufhin ein Hilfspaket von 309 Millionen Euro bereit, die EU-Kommission steuerte weitere 114,7 Millionen Euro aus Nothilfemitteln zu. Eine spanische Richterin lässt inzwischen prüfen, welche Warnungen den Behörden vor dem Massenandrang vorlagen.
Wenn der Ball politisch wird
Zehntausende Spanier demonstrierten landesweit gegen den Umgang der Regierung mit der Krise. Mehrere Klubs solidarisierten sich, Real-Fans legten im BernabĂ©u ein Mosaik aus Ceuta-Flaggen. Die Verbindung ist auch historisch: Ehrenpräsident und einstiger Kapitän JosĂ© MartĂnez „Pirri“ wurde in Ceuta geboren.
Bemerkenswert ist der Kontrast zu einem anderen Profi. Berichten zufolge trug der marokkanische Betis-Spieler Abde das Shirt – und hielt trotz heftiger Kritik aus seiner Heimat daran fest, mit der Begründung, es sei Unterstützung für eine Stadt und kein Angriff auf Marokko.
Aus Sicht unserer Redaktion liegt darin die eigentliche Pointe. Jahrelang wurden Fußballer als Haltungs-Botschafter gefeiert, wenn sie Regenbogenbinden trugen oder knieten. Jetzt, da es um die Nöte einer spanischen Grenzstadt geht, bleibt die große Geste plötzlich aus.
Eine Lektion, die ĂĽber den Sport hinausreicht
Für viele Bürger ist Ceuta längst mehr als eine Fußnote spanischer Innenpolitik. Es ist ein Testfall dafür, wie belastbar Europas Außengrenze wirklich ist – und wie abhängig Brüssel und Madrid vom Wohlverhalten Rabats sind.
Die Solidaritäts-Trikots werden Ceuta nicht retten. Das können nur handlungsfähige Staaten mit kontrollierten Grenzen. Doch die Bilder vom Rasen zeigen, wie schnell die vielbeschworene „Haltung“ verschwindet, wenn sie unbequem wird.
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