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Kettner Edelmetalle
19.05.2026
06:21 Uhr

Trümmer in Görlitz: Drei Menschen weiter vermisst – Gasleck unter den Ruinen

Trümmer in Görlitz: Drei Menschen weiter vermisst – Gasleck unter den Ruinen

Es sind Bilder, die einen sprachlos zurücklassen: Wo am Montagnachmittag noch ein stolzes Gründerzeithaus in der James-von-Moltke-Straße unweit des Görlitzer Bahnhofs stand, türmt sich nun ein Berg aus Schutt, Staub und zersplittertem Holz. Drei Menschen werden noch immer unter den Trümmern vermutet. Die Rettungskräfte arbeiten unermüdlich – doch die Bedingungen sind alles andere als günstig.

Wettlauf gegen die Zeit – und gegen das Gas

Was die Lage besonders heikel macht: Aus den Trümmern strömt weiterhin Gas. Das Leck liege unterhalb der Schuttmassen und sei mit den derzeit verfügbaren technischen Mitteln nicht zu schließen, wie eine Polizeisprecherin bestätigte. Messgeräte überwachen permanent die Gaskonzentration in der Luft. Eine erneute Explosion sei zwar nicht zu befürchten, doch die Suche müsse mit größter Vorsicht erfolgen, um mögliche Hohlräume in den Trümmern – also lebensrettende Schutzräume für eventuell Verschüttete – nicht zu zerstören.

Gegen zwei Uhr nachts begannen die Einsatzkräfte, den Schutt vorsichtig abzutragen. Teils mit dem Bagger, teils mit bloßen Händen. Spürhunde waren zuvor zum Einsatz gekommen. Rund 120 Helfer von Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz waren bis in die späten Abendstunden vor Ort. Zwei der ursprünglich fünf Vermissten konnten kurz nach Mitternacht Entwarnung geben – ihnen gehe es gut. Doch drei Erwachsene bleiben verschollen.

Eine Gasexplosion als wahrscheinlichste Ursache

Die Polizei vermutet eine Gasexplosion als Auslöser des Unglücks. Eine abschließende Klärung steht jedoch noch aus. Klar ist: In dem Mehrfamilienhaus, das zur städtischen Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen gehörte, befanden sich sowohl reguläre Mietwohnungen als auch Ferienwohnungen. Touristen wie Einheimische waren also gleichermaßen potenziell betroffen.

Tragische Schicksale hinter den Schlagzeilen

Besonders erschütternd ist die Geschichte eines Mannes, der gemeinsam mit seiner Ehefrau und seiner Cousine erst am Nachmittag des Unglückstages angereist war, um Urlaub in einer der Ferienwohnungen zu machen. Während er kurz in einem nahe gelegenen Supermarkt einkaufte, hörte er die Detonation. Als er zurückkam, war das Haus verschwunden. An seiner Stelle: ein Trümmerhaufen. Seine Frau und seine Cousine – verschollen. Es sind Schicksale wie dieses, die zeigen, wie schnell sich ein gewöhnlicher Urlaubstag in eine Katastrophe verwandeln kann.

Görlitz – die Perle an der Neiße

Görlitz, mit rund 57.000 Einwohnern die östlichste Stadt Deutschlands, ist weit über die Region hinaus bekannt. Die historische, im Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört gebliebene Altstadt zieht nicht nur Touristen aus aller Welt an, sondern dient auch immer wieder als Kulisse für internationale Filmproduktionen – nicht umsonst trägt die Stadt den Beinamen „Görliwood“. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit dem polnischen Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt.

Die Frage nach der Infrastruktur

Der Vorfall wirft unweigerlich Fragen auf, die über das individuelle Unglück hinausreichen. Wie steht es eigentlich um den Zustand der Gasleitungen in Deutschlands historischen Gebäuden? Viele dieser Häuser stammen aus der Gründerzeit, also aus dem späten 19. Jahrhundert. Die Versorgungsinfrastruktur darunter ist oft Jahrzehnte alt. Während Milliardenbeträge in fragwürdige Prestigeprojekte fließen und das angekündigte 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur vor allem politisch verkauft wird, bleibt offen, ob die tatsächliche Substanzpflege in den Kommunen mithalten kann. Görlitz zeigt – unabhängig davon, ob sich die Gasexplosion am Ende bestätigt – wie verletzlich gewachsene Strukturen sind, wenn an der Erhaltung gespart wird.

Hoffnung in den frühen Morgenstunden

Die Einsatzkräfte vor Ort gäben „alles“, wie es aus Polizeikreisen heißt. Jeder Moment zählt. Bei jeder vorsichtig weggeräumten Schicht Schutt hoffen die Helfer, doch noch Lebenszeichen zu finden. Angehörige bangen, eine ganze Stadt steht unter Schock. Görlitz, sonst Schaustück deutscher Baukunst und Sehnsuchtsort für Filmemacher, ist an diesem Tag ein Ort der Trauer und der Ungewissheit.

Unsere Gedanken sind bei den Vermissten, ihren Familien und allen Einsatzkräften, die in diesen Stunden Übermenschliches leisten.

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