
Trumps Crypto-Poker: "Lasst China nicht gewinnen" – Das Rennen um die CLARITY Act geht in die letzte Runde
Wenn der US-Senat am 13. Juli nach Washington zurückkehrt, tickt die Uhr unerbittlich. Vier Wochen bleiben den Senatoren, um über das umstrittenste Krypto-Gesetz seit Jahren zu debattieren und es vor der Sommerpause durchzupeitschen. Und wer meldet sich lautstark zu Wort? Natürlich Donald Trump persönlich, der auf seiner Plattform Truth Social keinen Zweifel daran ließ, worum es aus seiner Sicht geht: die geopolitische Vorherrschaft über die Zukunft des Geldes.
Ein Präsident, der aufs Tempo drückt
Trump warnte in seinem gewohnt markigen Ton, China und andere Nationen wollten "die vollständige und totale Kontrolle" über dieses große finanzielle Ereignis – und gleich noch über die künstliche Intelligenz obendrein – an sich reißen. Man mag von der Rhetorik des 47. Präsidenten halten, was man will, doch ein Körnchen Wahrheit steckt zweifellos darin: Wer die Regeln für digitale Vermögenswerte schreibt, sichert sich einen strategischen Vorteil im globalen Finanzsystem.
Der Krypto-Berater des Weißen Hauses, Patrick Witt, blies ins selbe Horn. Man könne sich, so seine Mahnung, keine weitere Verzögerung mehr leisten. Für viele Beobachter ist dies tatsächlich die letzte realistische Chance, in diesem Kongress eine umfassende Regulierung der Marktstruktur für digitale Vermögenswerte zu verabschieden.
Worum geht es bei der CLARITY Act überhaupt?
Das Gesetz soll eine klare Trennlinie zwischen den beiden großen US-Aufsichtsbehörden ziehen. Die Börsenaufsicht SEC und die Rohstoffaufsicht CFTC sollen künftig genau wissen, wer wofür zuständig ist. Konkret erhielte die CFTC die alleinige Zuständigkeit für die Spot-Märkte sogenannter "digitaler Rohstoffe", während die SEC weiterhin über Anlageverträge wachen würde.
Das Repräsentantenhaus hatte das Gesetz im Juli 2025 mit einer parteiübergreifenden Mehrheit von 294 zu 134 Stimmen durchgewinkt – ein deutliches Signal, dass hier über die Lagergrenzen hinweg Handlungsbedarf gesehen wird.
Im Bankenausschuss des Senats passierte die Vorlage im Mai mit 15 zu 9 Stimmen, wobei sich zwei Demokraten den Republikanern anschlossen. Doch die Ausschussvotanten warnten unverhohlen: Eine Mehrheit im Plenum sei damit noch lange nicht in trockenen Tüchern.
Die Stolpersteine türmen sich
Die magische Grenze von 60 Stimmen zu erreichen, könnte sich als deutlich schwieriger erweisen, als überhaupt bis hierher zu kommen. Denn die republikanische Fraktion schrumpft – und damit wächst die Bedeutung demokratischer Zustimmung. Besonders heikel ist der Blockchain Regulatory Certainty Act, der als Abschnitt 604 in die CLARITY Act eingeflochten wurde. Er würde nicht-verwahrende Softwareentwickler davor schützen, wie Geldtransmitter behandelt zu werden. Strafverfolgungsbehörden laufen dagegen Sturm und behaupten, die Formulierung würde Ermittlungen gegen Kriminalität auf der Blockchain erschweren.
Der eigentliche Zündstoff: Ein Präsident als Krypto-Millionär
Doch der explosivste Streitpunkt ist ein anderer. Es geht um Ethik – und um handfeste Interessenkonflikte. Denn Enthüllungen zufolge soll Trump im vergangenen Jahr über eine Milliarde Dollar aus krypto-bezogenen Geschäften eingestrichen haben. Nun ringen die Verhandler mit dem Weißen Haus um Leitplanken gegen mögliche Interessenkonflikte, die sich aus den Krypto-Aktivitäten des Präsidenten ergeben könnten. Ein pikanter Nebenschauplatz, der zeigt, wie eng Politik und persönliche Bereicherung in Washington mitunter verwoben sind.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Tod von Senator Lindsey Graham und die anhaltende Abwesenheit von Mitch McConnell den Republikanern kaum noch Spielraum lassen, die notwendigen 60 Stimmen zusammenzubekommen. Trump widmete seinen Appell denn auch demonstrativ dem verstorbenen Graham, den er als großen Unterstützer würdigte.
Geteilte Erwartungen an der Wall Street
Die Stimmung ist zwiegespalten. Während manche Branchenvertreter Rückenwind wittern und eine Abstimmung noch vor der Sommerpause für machbar halten, senkte Galaxy Digital die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung auf ein Fifty-fifty. Verfahrenshürden, ungelöste Ethikfragen und eine überladene Agenda könnten die Sache bis September verschleppen. Noch zu Jahresbeginn hatten die Chancen bei stolzen 70 Prozent gelegen.
Was Anleger daraus lernen sollten
Was lehrt uns dieses Schauspiel? Vor allem eines: Digitale Vermögenswerte hängen am Tropf politischer Entscheidungen, hinter verschlossenen Türen ausgehandelter Kompromisse und schwankender Mehrheiten. Der Wert eines Krypto-Assets kann sich über Nacht ändern, wenn ein Regulierer die Spielregeln neu diktiert oder ein Gesetz platzt. Diese Abhängigkeit von staatlichem Wohlwollen ist ein fundamentaler Schwachpunkt, den man nicht ignorieren sollte.
Ganz anders verhält es sich mit physischem Gold und Silber. Edelmetalle brauchen keinen Kongressbeschluss, um ihren Wert zu behalten. Sie sind seit Jahrtausenden bewährte Wertspeicher, die keiner Behörde, keinem Präsidenten und keinem Lobbyisten Rechenschaft schulden. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen möchte, tut gut daran, physische Edelmetalle als solides Fundament in ein breit gestreutes Portfolio zu integrieren – als Anker in einer Welt, in der Papierversprechen und digitale Zahlenkolonnen von politischen Winden hin- und hergeweht werden.
Haftungsausschluss: Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen stellen keine Anlageberatung dar und geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Investitionen in Kryptowährungen, Wertpapiere und andere Kapitalanlagen sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Wir übernehmen keinerlei Haftung für etwaige Verluste oder Schäden, die aus Entscheidungen auf Grundlage dieses Artikels resultieren.

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