
Trumps Energie-Schachzug: Holt er Putin ins Boot, um China kaltzustellen?

Am 9. Oktober telefonierten Donald Trump und Wladimir Putin miteinander. Nur wenige Stunden später gab das US-Finanzministerium russischen Diesel für sechs Monate wieder für den Weltmarkt frei. Offiziell soll das die Spritpreise vor den Midterms am 3. November drücken. Ein Analyst der Energiebranche sieht darin aber deutlich mehr: den Auftakt zu einem geopolitischen Großmanöver gegen Peking.
Die Freigabe hat bereits Folgen. Medienberichten zufolge hat ein Tanker mit rund 40.000 Tonnen Diesel den russischen Hafen Primorsk verlassen und zeitweise New York als Ziel angegeben. Es wäre die erste Lieferung dieser Art seit Jahren.
Venezuela, Iran, Russland: Ein Muster wird sichtbar
Der Analyst hält den Diesel-Deal nicht für einen Einzelfall. Er sieht darin einen Baustein einer Strategie: Washington wolle möglichst große Teile der weltweiten Energieversorgung kontrollieren und China davon abschneiden.
Angefangen habe das in Venezuela. Seit US-Truppen im Januar Präsident Maduro festsetzten, kontrolliere Washington faktisch die Ölexporte des Landes. Die Lieferungen nach China, früher der größte Abnehmer, seien eingebrochen. Danach folgte der Iran. Die Straße von Hormus ist geschlossen und schneidet China von Öl aus dem Nahen Osten ab. Für den Rest der Welt heißt das: explodierende Energiepreise. Trump beansprucht inzwischen die „totale Kontrolle“ über die Meerenge.
Moskau als nächster Spielstein
Seit das Golf-Öl fehlt, ist Russland Chinas wichtigster Energielieferant geworden. Die Diesel-Ausnahme könnte deshalb der erste Schritt sein, um die Sanktionen zu lockern und die russischen Energieströme wieder nach Westen umzulenken. Kurz darauf setzte Trump per Dekret sogar neue Russland-Sanktionen außer Kraft, die der Kongress beschlossen hatte. Eine überparteiliche Gruppe von Senatoren nannte den Deal laut Berichten einen „Verrat“ an der Ukraine.
Nord Stream unter amerikanischer Flagge?
Für Deutschland besonders brisant: Nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters haben Washington und Moskau darüber gesprochen, einen US-Investor an den Nord-Stream-Pipelines zu beteiligen. Dabei soll auch Trumps Sondergesandter Jared Kushner beteiligt gewesen sein. Die Röhren wurden im September 2022 gesprengt und liegen seitdem beschädigt auf dem Grund der Ostsee.
Eine US-Beteiligung wäre nach Einschätzung des Analysten ein politisches Feigenblatt. Europa könnte dann wieder russisches Gas kaufen, ohne dass es nach Kapitulation aussieht. Für die deutsche Industrie, die seit Jahren unter Rekordstrompreisen ächzt, wäre das ein Wendepunkt. Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum hängen historisch eng zusammen. Was haben Berlin und Brüssel eigentlich zu bieten, wenn am Ende Washington und Moskau über Europas Energieversorgung entscheiden?
Nixon rückwärts: Der Kissinger-Trick von 1972
Das Vorbild liegt mehr als 50 Jahre zurück. Richard Nixon und Henry Kissinger nutzten den Streit zwischen Peking und Moskau und öffneten 1972 die Tür nach China. Trump könnte das Spiel jetzt umdrehen und Russland von China weglocken.
Ganz unrealistisch ist das nicht. Russland fühle sich schon lange als Juniorpartner Pekings, heißt es in der Analyse. Die versprochenen Großprojekte seien kaum vorangekommen, und eine zweite Gaspipeline nach China verzögere sich seit über zehn Jahren. Zurück auf einen europäischen Markt mit Hunderten Millionen Kunden? Dieses Angebot könnte der Kreml kaum ausschlagen.
Der Preis: Kiew
Die Gegenleistung wäre ein Ende des Ukraine-Kriegs. Der Analyst rechnet allerdings nur mit kleinen russischen Zugeständnissen am Rand der eroberten Gebiete. Er erwartet heftigen Widerstand von Selenskyj und vermutet, dass Washington die Militär- und Geheimdiensthilfe für Kiew zurückfahren könnte, um Druck aufzubauen.
Wer zahlt die Zeche?
Kurzfristig sind die Kosten dieser Strategie hoch: teure Energie, weltweit steigende Inflation und wachsender Unmut der Bürger. In Europa schlagen die Energierechnungen gleich zweimal zu. Erst fiel das billige russische Gas weg, jetzt kommt die Sperrung von Hormus dazu. Das Vertrauen in Papierwährungen gerät bei solchen Schocks regelmäßig unter Druck.
Wer sein Erspartes gegen Inflation und geopolitisches Chaos absichern will, kann physisches Gold und Silber als bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen. Eines lässt sich heute schon sagen: Die Energiekarte der Welt wird gerade neu gezeichnet, und Europa sitzt dabei nicht am Tisch.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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