
Trumps Kulturkampf gegen Harvard: Pentagon kappt alle Verbindungen zur Elite-Uni
Was sich seit Monaten wie ein schwelender Konflikt zwischen der US-Regierung und einer der renommiertesten Universitäten der Welt anfühlte, hat nun eine neue Eskalationsstufe erreicht. Das amerikanische Verteidigungsministerium bricht sämtliche akademischen Beziehungen zur Harvard University ab. Verteidigungsminister Pete Hegseth verkündete am 6. Februar, die Eliteuniversität entspreche schlicht „nicht mehr den Anforderungen des Verteidigungsministeriums und der Streitkräfte". Ein Paukenschlag – und doch nur konsequent.
Schluss mit der Kaderschmiede für „globalistische Ideologien"
Ab dem akademischen Jahr 2026/27 sollen keine neuen Militärangehörigen mehr für Graduiertenprogramme, Stipendien oder Zertifikatskurse an der Ivy-League-Universität eingeschrieben werden. Bereits immatrikulierte Soldaten dürften ihre Programme zwar noch regulär abschließen, doch die Botschaft ist unmissverständlich: Harvard hat in den Augen der Trump-Administration als Ausbildungsstätte für militärische Führungskräfte ausgedient.
Hegseths Begründung liest sich wie eine Generalabrechnung mit dem akademischen Zeitgeist. Man habe zu lange die besten Offiziere nach Harvard geschickt, in der Hoffnung, die Universität würde Amerikas Krieger besser verstehen und wertschätzen. Stattdessen seien zu viele Offiziere mit Denkweisen zurückgekehrt, die von „globalistischen und radikalen Ideologien" durchdrungen gewesen seien und den Anforderungen der Kampftruppen nicht gerecht würden. Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt: Hier geht es um weit mehr als Lehrpläne und Curricula. Es geht um einen fundamentalen Richtungsstreit darüber, welche Werte eine Armee tragen sollen.
Milliardenforderung als politisches Druckmittel
Doch damit nicht genug. Präsident Donald Trump selbst erhöhte den Druck und forderte von Harvard eine Entschädigungszahlung in Höhe von einer Milliarde Dollar. Der Vorwurf: „massiver Antisemitismus" auf dem Campus. Die Universität verhalte sich „seit Langem schlecht", so Trump auf seiner Plattform Truth Social. Ein Konzept zur Berufsausbildung, das Harvard habe umsetzen wollen, sei „völlig unzureichend" gewesen und hätte nach Einschätzung der Regierung ohnehin nicht funktioniert.
Die Vorgeschichte dieses Konflikts reicht bis ins Jahr 2025 zurück. Damals hatte die Trump-Administration nach einer Untersuchung von Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionsprogrammen – den berüchtigten DEI-Initiativen – sowie wegen Antisemitismus-Vorwürfen versucht, Bundesmittel in Milliardenhöhe für Harvard einzufrieren. Das Weiße Haus argumentierte, die Universität habe es versäumt, ihre Studierenden vor Belästigung und Gewalt zu schützen.
Harvard schlägt juristisch zurück
Harvard-Präsident Alan Garber ließ sich das freilich nicht gefallen und reichte Klage ein. Er forderte die Freigabe zurückgehaltener Zuschüsse in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar sowie die Weiterführung bereits abgeschlossener Verträge. Ein Bundesrichter gab der Universität zunächst recht und urteilte, die Regierung habe mit ihrem Vorgehen gegen den Ersten Verfassungszusatz verstoßen – jene heilige Säule amerikanischer Freiheitsrechte, die Rede- und Wissenschaftsfreiheit garantiert. Das Justizministerium legte im Dezember Berufung ein. Der juristische Kampf ist also längst nicht entschieden.
Ein Kulturkampf mit Signalwirkung – auch für Europa
Was in den Vereinigten Staaten geschieht, sollte auch diesseits des Atlantiks aufmerksam verfolgt werden. Denn der Konflikt zwischen der Trump-Regierung und Harvard ist im Kern ein Stellvertreterkrieg um die Deutungshoheit an westlichen Universitäten. Die Frage, ob akademische Institutionen zu Brutstätten ideologischer Indoktrination verkommen sind oder ob sie als Horte freier Forschung verteidigt werden müssen, stellt sich auch in Deutschland mit zunehmender Dringlichkeit.
Hegseth kündigte bereits an, in den kommenden Wochen ähnliche Beziehungen zu anderen Ivy-League-Universitäten und zivilen Hochschulen auf den Prüfstand zu stellen. Das Ziel sei festzustellen, ob diese Einrichtungen im Vergleich zu öffentlichen Universitäten und militärischen Graduiertenprogrammen eine „kosteneffiziente strategische Ausbildung für zukünftige Führungskräfte" böten. Man darf gespannt sein, welche Hochschulen als nächstes ins Fadenkreuz geraten.
Eines muss man Trump und seinem Verteidigungsminister lassen: Sie scheuen den Konflikt nicht. Während in Deutschland Universitäten ungestört Gender-Lehrstühle einrichten und Aktivismus mit Wissenschaft verwechseln dürfen, ohne dass die Politik auch nur mit der Wimper zuckt, zieht Washington klare rote Linien. Ob man die Methoden gutheißt oder nicht – die Bereitschaft, ideologische Verwerfungen im Bildungssystem offen zu benennen und Konsequenzen zu ziehen, verdient zumindest Respekt. Denn eine Armee, deren Offiziere mehr über intersektionale Privilegientheorie als über Strategie und Taktik nachdenken, wird im Ernstfall kaum bestehen können.
Der Fall Harvard zeigt exemplarisch, wohin es führt, wenn sich Eliteinstitutionen von den Werten entfernen, die sie einst groß gemacht haben. Es bleibt abzuwarten, ob diese Lektion auch in Europa verstanden wird – oder ob man hier weiterhin lieber wegschaut.

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