
Tumult in Uppsala: Gaza-Aktivisten sprengen Baerbocks Auftritt!

Sie wollte über Weltpolitik dozieren, dann holte die eigene Bilanz sie ein: Bei einer Vorlesung an der schwedischen Universität Uppsala haben propalästinensische Aktivisten am Montag Annalena Baerbock mehrfach unterbrochen. Die frühere Außenministerin verlor dabei offenbar die Geduld. Die zugesagte Diskussion fand laut Medienberichten nie statt.
Multilateralismus als Thema, Zwischenrufe als Antwort
Eigentlich stand ein ruhiges Thema auf dem Programm. Baerbock, von 2021 bis 2025 Chefdiplomatin der Bundesrepublik und danach Präsidentin der Uno-Generalversammlung, sollte über internationale Zusammenarbeit und multilaterale Führung sprechen. Doch aus dem Publikum kamen Zwischenrufe. „Wie können Sie es wagen?“, rief eine Person. Eine andere wollte wissen, wessen Demokratie und wessen Freiheit die Grünen-Politikerin eigentlich verteidige, und ob das nur für Israelis gelte.
Handyvideos von der Szene machen inzwischen in sozialen Netzwerken die Runde. In den Kommentaren bekommen die Störer nach Berichten überwiegend Beifall.
Erst Gesprächsangebot, dann Machtwort
Wie die Junge Welt berichtet, habe Baerbock zuerst angeboten, die Kritik in einer Diskussionsrunde nach dem Vortrag aufzugreifen. Bei einer weiteren Unterbrechung habe sie dann aber geantwortet:
„Jetzt rede ich!“
Zur Debatte sei es danach nicht mehr gekommen. Ausgerechnet bei einem Vortrag über Dialog und Zusammenarbeit fiel der Dialog also aus. Eine Pointe, die man sich kaum besser ausdenken könnte.
Staatsräson, Waffen und ein harter Satz
Die Wut der Aktivisten richtet sich gegen Baerbocks Kurs nach dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023. Vier Tage danach erklärte sie im Bundestag, die Sicherheit Israels sei deutsche Staatsräson. Sie stellte sich hinter Israels Recht auf Selbstverteidigung, bot Hilfe in allen Bereichen an und berief sich dabei auf das Völkerrecht.
Zu dieser Hilfe gehörten auch Waffen. Ein Jahr später verteidigte Baerbock die Rüstungslieferungen im Parlament gegen Vorwürfe aus der Union, die Bundesregierung zögere zu sehr. In derselben Rede sagte sie mit Blick auf Hamas-Kämpfer, die sich in Schulen und hinter Zivilisten verschanzen würden: „Dann können auch zivile Orte ihren Schutzstatus verlieren, weil Terroristen diesen missbrauchen.“ Gleichzeitig betonte sie, das humanitäre Völkerrecht gelte und Hilfsgüter müssten Gaza erreichen.
Schwere Vorwürfe, offene Verfahren
Die Debatte hat längst auch eine juristische Seite. Medienberichten zufolge wurde im September 2025 beim Generalbundesanwalt ein Strafantrag eingereicht, der Baerbock wegen der Waffenlieferungen Beihilfe zum Völkermord vorwirft. Geprüft oder gar entschieden ist damit nichts. Ein Strafantrag ist kein Urteil.
Im selben Monat kam eine Untersuchungskommission des Uno-Menschenrechtsrats zu dem Ergebnis, Israel habe in Gaza vier der fünf in der Völkermordkonvention genannten Handlungen mit Vernichtungsabsicht begangen. Israel weist das entschieden zurück. Vor dem Internationalen Gerichtshof läuft weiter das Verfahren, das Südafrika angestrengt hat. Gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu liegt außerdem ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen vor. Deutschland als Vertragsstaat müsste ihn bei einer Einreise grundsätzlich festnehmen.
Die Bilanz bleibt an ihr hängen
Für Baerbock ist Uppsala mehr als ein unangenehmer Abend. Schon ihr Wechsel an die Spitze der Uno-Generalversammlung war umstritten, weil die Bundesregierung dafür die erfahrene Diplomatin Helga Schmid als Kandidatin zurückzog. Kritiker sprachen damals von Postenversorgung.
Wer Hörsäle lahmlegt, statt zu argumentieren, schadet der eigenen Sache. Das gilt auch für die Aktivisten. Gleichzeitig zeigt der Fall, was von der viel beschworenen „wertegeleiteten Außenpolitik“ übrig bleibt: Sie bringt ihrer Urheberin weltweit Gegenwind, und das auf allen Seiten. Mit einem genervten „Jetzt rede ich!“ ist diese Debatte jedenfalls nicht beendet.
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