
Übergewinnsteuer 2.0: Brüssel kassiert, der Bürger zahlt weiter!

Die EU-Kommission prüft eine neue Sonderabgabe auf die Gewinne von Öl- und Gaskonzernen. Treiber sind sechs Mitgliedstaaten, Deutschland vorneweg. Steuerkommissar Wopke Hoekstra hat eine Arbeitsgruppe angekündigt. An der Tankstelle und bei der Gasrechnung dürfte davon aber vorerst nichts ankommen.
Sechs Hauptstädte, ein Ziel: frisches Geld
Neben Deutschland fordern Spanien, Italien, Polen, Österreich und Portugal eine gemeinsame Besteuerung der außergewöhnlichen Gewinne. Medienberichten zufolge ging der Anstoß im August von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) aus. Er wandte sich gemeinsam mit fünf Amtskollegen schriftlich an die EU-Ratspräsidentschaft. Bei der Union stieß der Vorstoß Berichten zufolge auf wenig Begeisterung.
Polen hat schon Tatsachen geschaffen: Präsident Karol Nawrocki unterschrieb vor Kurzem ein nationales Gesetz für eine Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne. Die Arbeitsgruppe in Brüssel soll nun klären, was rechtlich und wirtschaftlich überhaupt möglich ist. Eine verbindliche Zusage, wie viel Geld am Ende bei den Bürgern landet, gibt es nicht.
Der Denkfehler hinter der Sonderabgabe
Politisch klingt das nach Gerechtigkeit. Ökonomisch passiert etwas anderes. Eine Steuer auf Konzerngewinne macht kein einziges Barrel Öl billiger und keine Kilowattstunde Gas günstiger. Zuerst füllen sich die Staatskassen.
Ob die Haushalte jemals etwas davon sehen, hängt von weiteren politischen Entscheidungen ab: Zuschüsse, Steuersenkungen, Rückzahlungen. Wer die deutsche Haushaltspolitik der vergangenen Jahre kennt, darf skeptisch sein. Gerade bei den Spritpreisen verdient der Fiskus über Energiesteuer, CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer kräftig mit.
Die Krise tobt weiter
Der Iran-Krieg treibt die Preise unterdessen nach oben. Der europäische Gaspreis lag am 13. Oktober zeitweise über 87 Euro je Megawattstunde. Die Gasspeicher sind nur zu etwa 73 bis 74 Prozent gefüllt, und der Winter kommt erst noch. Wegen der Störungen im Persischen Golf wird zudem weltweit härter um Flüssigerdgas gekämpft.
Beim Öl sieht es nicht besser aus. Die Nordseesorte Brent kostete zeitweise fast 120 Dollar je Barrel, über 70 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Eine Steuer bringt aber weder neue Förderung noch freie Seewege. Sie lindert Symptome auf dem Papier, an den Ursachen ändert sie nichts.
Die Bilanz von 2022
Neu ist das Instrument nicht. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine führte die EU 2022 einen „Solidaritätsbeitrag“ ein. Betroffene Unternehmen mussten mindestens 33 Prozent ihrer Übergewinne abgeben. Laut dem Abschlussbericht der Kommission vom Mai 2025 kamen rund 26,15 Milliarden Euro zusammen. Rechnet man die noch erwarteten Einnahmen mit, waren es knapp 28,7 Milliarden.
Viele Staaten bezahlten damit Hilfsprogramme. Die Marktpreise sanken durch die Steuer selbst aber nicht. Auch die juristischen Streitigkeiten um die damalige Abgabe sind bis heute nicht vollständig erledigt.
Gift für die Versorgungssicherheit?
Den größten Preis könnte Europa langfristig zahlen. Der Kontinent braucht zusätzliche Förderkapazitäten, LNG-Terminals und eine robustere Infrastruktur. Wenn hohe Gewinne immer wieder nachträglich abgeschöpft werden, sinkt die Rendite solcher Projekte. Investoren rechnen dieses politische Risiko ein. Ob sie Projekte tatsächlich streichen, hängt allerdings von Steuersatz, Laufzeit und Ausnahmen ab.
Brüssel will unabhängiger von Importen werden und schreckt gleichzeitig die Unternehmen ab, die genau dafür investieren sollen. Aus Sicht von Kritikern passt das nicht zusammen. Wirklich entlasten würde die Bürger etwas ganz anderes: niedrigere Energiesteuern und Netzentgelte, und zwar sofort auf der Rechnung.
Fazit: Der Staat gewinnt immer
Die Abhängigkeit von Importen, knappe Gasreserven und gestörte Lieferketten bleiben, egal wie die Steuer am Ende aussieht. Für viele Sparer zeigt diese Krise erneut, wie schnell Inflation, Energiepreise und politische Eingriffe das eigene Vermögen angreifen. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio helfen, sich gegen solche Risiken abzusichern, ganz ohne Gegenparteirisiko.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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