
Ukraine in die EU? Nur noch 41 Prozent der Deutschen sind dafür!

Die Stimmung kippt: Nur noch 41 Prozent der Deutschen befürworten einen EU-Beitritt der Ukraine. Das zeigt eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung, die im Juni 2026 erhoben und jetzt veröffentlicht wurde. Im März 2022, wenige Wochen nach dem russischen Überfall, waren es noch 61 Prozent.
Die Zustimmung ist also um 20 Prozentpunkte abgestürzt. Und das ausgerechnet jetzt, wo Brüssel beim Beitrittsprozess aufs Tempo drückt.
Deutschland ist Spitzenreiter bei der Sorge ums Geld
59 Prozent der Deutschen lehnen eine Mitgliedschaft der Ukraine in den kommenden Jahren inzwischen ab. Auch in der übrigen EU überwiegt die Skepsis: 53 Prozent der Befragten sind gegen eine baldige Vollmitgliedschaft, nur 47 Prozent dafür.
Was die Deutschen am meisten umtreibt, ist klar: das Geld. 36 Prozent nennen die finanzielle Belastung als größte Herausforderung eines Beitritts. Laut Stiftung ist Deutschland damit Spitzenreiter. Der EU-Durchschnitt liegt bei 28 Prozent. Nur 37 Prozent der Deutschen wären bereit, kurzfristig zusätzliche Kosten für den Beitrittsprozess zu tragen.
Wer will es ihnen verdenken? Deutschland ist seit Jahrzehnten der größte Nettozahler der EU. Gleichzeitig nimmt die Bundesregierung mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen neue Schulden auf, die künftige Generationen abbezahlen müssen. Und jetzt soll das nächste Milliardenprojekt dazukommen?
500 Milliarden Euro, allein für den Wiederaufbau
Die Summen sind gewaltig. Miriam Kosmehl, Osteuropa-Expertin der Stiftung, schätzt den Bedarf allein für den Wiederaufbau der Ukraine inzwischen auf über 500 Milliarden Euro. Ihre Mahnung:
„Dafür ist entscheidend, die Unterstützung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.“
Genau diese Unterstützung bröckelt. Laut der Erhebung lehnen fast zwei Drittel der EU-Bürger Mehrkosten für den Beitritt ab. Kritiker sehen darin weniger ein Problem der Kommunikation als die Quittung für eine Politik, die große Weichen stellt, ohne die Menschen mitzunehmen, die am Ende zahlen.
Kaum jemand glaubt an den großen Nutzen
Auch die politischen Versprechen kommen offenbar nicht an. Nur 13 Prozent der Deutschen glauben, dass die EU mit der Ukraine international mehr Einfluss hätte. Lediglich 12 Prozent erwarten eine widerstandsfähigere Union. EU-weit liegen die Werte mit 14 und 11 Prozent kaum höher.
In Kiew sieht man das ganz anders. 83 Prozent der Ukrainer wünschen sich die Mitgliedschaft. Rund zwei Drittel wären laut Umfrage sogar bereit, dafür höhere wirtschaftliche Lasten zu tragen. Das ist nachvollziehbar, denn der Beitritt würde den Zugang zum Binnenmarkt und zu den europäischen Fördertöpfen öffnen.
Gute Stimmung im Norden und Süden, Zurückhaltung im Osten
Innerhalb der EU gehen die Meinungen weit auseinander. Am größten ist die Zustimmung in Schweden mit 69 Prozent, in Spanien und Portugal liegt sie bei jeweils 63 Prozent. Frankreich und Polen kommen auf 43 Prozent, Rumänien sogar nur auf 40 Prozent.
Brüssel macht trotzdem weiter
Die Politik lässt sich von den Zahlen bislang kaum bremsen. Am 12. und 13. Oktober hielt die EU Beitrittskonferenzen mit mehreren Kandidatenländern ab, darunter die Ukraine. Mit Kiew wurden Verhandlungen über den Themenblock Binnenmarkt, Wettbewerbsfähigkeit und integratives Wachstum eröffnet. Ungarn hatte sein Veto Medienberichten zufolge kurz zuvor nach einem Kompromiss zum Minderheitenschutz aufgegeben.
Berlin stellt sich dem Prozess nicht in den Weg. So entsteht eine bemerkenswerte Lücke zwischen Regierenden und Regierten. Die Stiftung empfiehlt der Politik, mehr zu erklären und die Bürger zu überzeugen. Offen bleibt aber eine Frage: Wann werden eigentlich die Steuerzahler gefragt, die am Ende die Rechnung begleichen?
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