
Ukraine-Manöver im November: Bundeswehr probt den Einsatz danach!

Europa übt für den Tag X nach dem Krieg. Im November proben Streitkräfte der sogenannten „Koalition der Willigen“ in Polen, Rumänien und Deutschland, wie sich Truppen in die Ukraine verlegen lassen, falls es zu einem Waffenstillstand mit Russland kommt. Die Bundeswehr macht mit. Moskau lehnt das gesamte Vorhaben ab.
An dem Manöver, das in Medienberichten als „Koalicja 2026“ geführt wird, sollen mindestens 1.500 Soldaten teilnehmen, darunter Briten, Franzosen, Polen und Deutsche. Im Mittelpunkt stehen nach übereinstimmenden Berichten die Verlegung von Truppen und die logistische Unterstützung.
Was Berlin beisteuert und was es verschweigt
Bestätigt hat das Verteidigungsministerium die deutsche Beteiligung erst am Sonntag, dem 25. Oktober. Ein Sprecher nannte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur etwa zehn Stabsoffiziere, also Majore, Oberstleutnante und Oberste, außerdem zwei A400M-Maschinen für die Luftbetankung und nicht näher bezifferte „logistische Unterstützung“.
Wie viele deutsche Soldaten insgesamt beteiligt sind, blieb offen. Bekannt ist nur, dass die Tankflugzeuge von deutschen Luftwaffenstützpunkten starten und von Deutschland aus geführt werden sollen. Hinzu kommt ein Truppentransport quer durch die Bundesrepublik bis ins polnische Übungsgebiet. Wer da fährt und wie viele es sind, hat bislang niemand offiziell gesagt. Für ein Vorhaben dieser Größenordnung ist das erstaunlich wenig Auskunft.
Dabei geht es um viel. Ein echter Einsatz bewaffneter deutscher Soldaten in der Ukraine bräuchte ein Mandat des Bundestags. Die Debatte darüber, ob die ohnehin stark beanspruchte Truppe so etwas überhaupt leisten kann, hat die Bundesregierung bislang kaum öffentlich geführt.
Ein Bündnis neben NATO und EU
Gegründet wurde die Koalition im Februar 2025 auf Betreiben von Frankreich und Großbritannien. Nach Angaben der Bundesregierung gehören ihr inzwischen 35 Staaten und Organisationen an. Das Kanzleramt beschreibt Friedrich Merz als eine der „treibenden Kräfte“ neben Paris und London.
Formal handelt das Bündnis unabhängig von NATO und EU, doch die Verbindungen sind eng. Einer EU-Mitteilung zufolge ist ein zentrales Ziel, nach einer Waffenruhe eine multinationale Truppe unter europäischer Führung aufzustellen, die zur Abschreckung beitragen soll. Die USA haben demnach Unterstützung in Aussicht gestellt. Wie verbindlich diese Zusage aus Washington tatsächlich ist, bleibt allerdings offen.
Polen will Drehkreuz sein, aber keine Soldaten schicken
Polens Premier Donald Tusk hatte die Übung schon im Juli angekündigt. Sie stärke nach seinen Worten die Bereitschaft der Verbündeten, gemeinsam für die Sicherheit der Region einzustehen. Eigene Soldaten in der Ukraine plane Warschau aber nicht, erklärte Ex-Verteidigungsminister Janusz Onyszkiewicz der Agentur Ukrinform. Polen verstehe sich vielmehr als operative Basis und logistischer Knotenpunkt. Die Frage drängt sich auf: Wer stellt am Ende die Soldaten an der Front des Friedens?
Moskau sagt Nein, in Abu Dhabi wird verhandelt
Russland bleibt bei seiner bekannten Haltung. Die Staatsagentur TASS wiederholte, man lehne die Präsenz von NATO-Militärpersonal in der Ukraine ab. Außenminister Sergej Lawrow nannte eine „ausländische militärische Intervention in einem Teil des ukrainischen Territoriums“ inakzeptabel.
Gleichzeitig kommt Bewegung in die Diplomatie. Laut Reuters hat Wolodymyr Selenskyj angekündigt, dass sich Unterhändler der Ukraine, Russlands und der USA in der ersten Novemberhälfte, voraussichtlich am 10. November, in Abu Dhabi „auf technischer Ebene“ treffen wollen. Vorausgegangen waren Gespräche mit Trumps Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff, die am 19. Oktober bei Wladimir Putin in Moskau waren.
Selenskyj besteht auf „starken Sicherheitsgarantien“ in jedem Abkommen. Damit landet die Frage schnell wieder bei der Koalition der Willigen und bei Berlin. Die Bürger dürfen erwarten, dass die Regierung offen sagt, was sie im Ernstfall von der Bundeswehr verlangen will, bevor die Kolonnen rollen.
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