
Wald weg für zwei Windräder: 246 Meter hoch – Gemeinde überstimmt

Am Brombeerkopf bei Stegen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist der Schwarzwald bereits jetzt ein anderer. Aufnahmen vom 26. Juli 2026 zeigen gerodete Hänge, entfernte Wurzelstöcke, freigelegte Böden und breite Schottertrassen. Hier entstehen zwei Windenergieanlagen mit jeweils 246,5 Metern Gesamthöhe – gegen den erklärten Willen des Gemeinderats.
Fast 1,8 Hektar Wald für zwei Anlagen
Die Genehmigung erlaubt die Umwandlung von insgesamt 17.885 Quadratmetern Waldfläche. Davon bleiben 13.454 Quadratmeter dauerhaft für Fundamente, Kranstellflächen, Wege und Nebenflächen versiegelt oder beansprucht.
Weitere 4.431 Quadratmeter sollen nach der Bauphase wieder aufgeforstet werden – mit einem Laubholzanteil von mindestens 40 Prozent. Klingt beruhigend. Nur: Ein junger Setzling ist kein gewachsener Waldboden.
Denn für Schwertransporte und Großkräne reicht es nicht, Bäume zu fällen. Bagger tragen Wurzelwerk und organische Bodenschichten ab, Schotter kommt hinein, die Flächen werden verdichtet. Ein Boden, der zuvor Wasser speicherte und Nährstoffe band, braucht Jahrzehnte, um sich davon zu erholen – wenn überhaupt.
Vier private Quellen im Einflussbereich
Besonders heikel ist die Lage im Ortsteil Hintereschbach. Dort liegen vier private Eigenwasserversorgungen im möglichen Einflussbereich der Anlagenstandorte oder der ausgebauten Zufahrt.
Bei zwei Anwesen hält die Behörde Auswirkungen wegen der Geländesituation für sehr unwahrscheinlich. Bei einem dritten lassen sich Veränderungen während der Bauzeit dagegen nicht vollständig ausschließen. Und bei Hintereschbach 26 berührt der Straßenbau die Wasserversorgung direkt – eine Verlegung der Brunnenstube könnte nötig werden.
Das Landratsamt schreibt deshalb Wassermonitoring, regelmäßige Proben und eine abgestimmte Grundwasserschutzplanung vor. Die Wasserversorgung des betroffenen Anwesens dürfe ausdrücklich nicht beeinträchtigt werden. Die Behörde räumt damit selbst ein, wie sensibel dieser Standort ist – hält die Risiken bei Einhaltung aller Auflagen aber für beherrschbar.
Neun Nein-Stimmen – und trotzdem gebaut
Kommunalpolitisch war das Projekt früh durchgefallen. Am 25. Juni 2024 lehnte der Gemeinderat Stegen das Vorhaben mit neun Gegenstimmen bei vier Ja-Stimmen und einer Enthaltung ab, auch der Ortschaftsrat Eschbach votierte mehrheitlich dagegen. Als Gründe nannten die Gremien unter anderem Quellschutz, Waldverbrauch, Brandschutz und die schwierigen Zufahrtsverhältnisse.
Das Landratsamt hielt die Verweigerung für rechtlich nicht haltbar und ersetzte das gemeindliche Einvernehmen. Für viele Bürger vor Ort dürfte genau das der eigentliche Skandal sein: Die Menschen vor Ort entscheiden – und werden anschließend von der übergeordneten Behörde korrigiert.
Aus zwei Windrädern wurden größere Windräder
Auch die Dimensionen wuchsen im Verfahren. Ursprünglich waren zwei Anlagen mit je 229,5 Metern Höhe und 4,26 Megawatt vorgesehen. Im Februar 2026 genehmigte das Landratsamt den Wechsel auf den Typ Enercon E-160 mit 246,5 Metern und 5,56 Megawatt je Anlage. Laut Projektunterlagen sollen die beiden Windräder rund 21 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr liefern.
Rund 290 Meter westlich einer Anlage beginnt der Bannwald Conventwald, in dem seit Jahrzehnten wissenschaftliche Langzeitmessungen zu Wasser- und Stoffkreisläufen laufen. Eine direkte Beeinträchtigung erwartet die Behörde nicht – Einflüsse auf einzelne Messreihen schließt sie jedoch nicht vollständig aus.
Klimaschutz gegen Naturschutz
Windkraft im Wald ist längst kein Randthema mehr, sondern politischer Kurs: Medienberichten zufolge soll der Ausbau gerade im windschwachen Süden massiv beschleunigt werden. Der Preis dafür ist am Brombeerkopf mit bloßem Auge zu besichtigen – in Kubikmetern Schotter und Quadratmetern verlorenem Waldboden.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar.
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