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07.01.2026
13:20 Uhr

Walliser Behördenversagen: Wenn Politiker sich als Opfer inszenieren und 40 Tote zur Nebensache werden

Walliser Behördenversagen: Wenn Politiker sich als Opfer inszenieren und 40 Tote zur Nebensache werden

Was sich derzeit im schweizerischen Crans-Montana abspielt, ist ein Lehrstück darüber, wie politische Verantwortungsträger im Angesicht einer Katastrophe jämmerlich versagen können. Der Gemeindepräsident Nicolas Féraud von der FDP wagte am Dienstag einen sogenannten "Befreiungsschlag" – und landete dabei eine Bruchlandung, die ihresgleichen sucht. Statt Aufklärung gab es Ausflüchte, statt Transparenz ein Dickicht aus Widersprüchen.

Transparenz versprochen, Vertuschung geliefert

Mit großen Worten kündigte Féraud an, er werde "in aller Transparenz" kommunizieren. Ein Versprechen, das er keine Stunde später bereits gebrochen hatte. Denn nach wie vor bleibt im Dunkeln, warum die Behörden im Jahr 2015 den Umbau der Bar "Le Constellation" mit hochgradig brennbarem Schaumstoff an der Decke abgenommen haben. Ein Material, das sich bei dem verheerenden Brand wie Zunder entzündete und maßgeblich zur Katastrophe beitrug.

Noch schwerwiegender wiegt das Eingeständnis, dass zwischen 2020 und 2025 – also sage und schreibe fünf Jahre lang – überhaupt keine Brandschutzkontrollen in der Bar durchgeführt wurden. Dabei hatte Féraud noch wenige Stunden nach dem Inferno behauptet, die Gemeinde führe regelmäßige Kontrollen durch. Eine glatte Lüge, wie sich nun herausstellt.

Die Gemeinde als "Opfer" – ein Affront sondergleichen

Doch der eigentliche Tiefpunkt der Pressekonferenz kam, als Féraud erklärte, warum die Gemeinde als Zivilklägerin auftritt. Man fühle sich "auch als Opfer", ließ der FDP-Politiker verlauten. Zudem beklagte er mögliche Umsatzeinbußen für die Tourismusdestination aufgrund des Imageschadens. Eine Aussage von derart bodenloser Geschmacklosigkeit, dass einem die Worte fehlen.

40 Menschen sind tot. Über hundert weitere kämpfen mit schwersten Verbrennungen um ihr Leben, werden jahrelange Operationen und Rehabilitationen durchleiden müssen. Und der Gemeindepräsident sorgt sich um die Tourismuseinnahmen? Hier offenbart sich eine Kälte und Empathielosigkeit, die erschaudern lässt.

Der Walliser Filz zeigt sein wahres Gesicht

Was in Crans-Montana zutage tritt, ist mehr als nur behördliches Versagen. Es ist das Symptom eines Systems, das von Vetternwirtschaft und Verfilzung durchsetzt zu sein scheint. Die Staatsanwältin, deren Ehemann als Mitbesitzer einer Weinhandlung die lokalen Gastronomiebetriebe beliefert. Die gesamte Walliser Regierung, die gemeinsam Segeltörns nach Korsika unternimmt. Ein Netzwerk aus Beziehungen und gegenseitigen Abhängigkeiten, das jede unabhängige Aufklärung zu torpedieren droht.

Bezeichnend ist auch, dass auf verschiedenen Touristikwebseiten die Bar "Le Constellation" mit einer Kapazität von 400 Personen aufgeführt war – Einträge, die seit dem Unglück systematisch gelöscht werden. Wer gibt diese Löschungen in Auftrag? Läuft hier eine koordinierte Vertuschungsaktion?

Wo bleibt die Staatsanwaltschaft?

Die drängendste Frage lautet: Warum sind die Verantwortlichen noch immer auf freiem Fuß? Warum wurde keine ausserkantonale Untersuchung eingeleitet, um den offensichtlichen Interessenkonflikten zu begegnen? In der Privatwirtschaft wären Verantwortliche bei einem derartigen Versagen längst fristlos entlassen und angeklagt worden. Doch im politischen Betrieb gelten offenbar andere Regeln.

Der Fall Crans-Montana ist ein Weckruf. Er zeigt, wie dünn der Firnis der schweizerischen Ordnung und Korrektheit in Wahrheit ist. Unter der glänzenden Oberfläche einer Vorzeigenation brodelt ein Sumpf aus Korruption, Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit. Die Opfer und ihre Angehörigen haben Besseres verdient als einen Gemeindepräsidenten, der sich selbst zum Opfer stilisiert, während er auf einem sinkenden Schiff steht, das er selbst zum Kentern gebracht hat.

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