
Washington gibt Milliarden für Caracas frei – doch der Preis der Kooperation ist hoch
Die geopolitischen Verwerfungen in Lateinamerika nehmen bizarre Züge an. Während die Trump-Administration einerseits eingefrorene venezolanische Vermögenswerte in Milliardenhöhe freigibt, schweben über der neuen Interimspräsidentin Delcy Rodriguez bereits dunkle Wolken des Misstrauens. Die amerikanischen Geheimdienste zweifeln offen an ihrer Loyalität – und Außenminister Marco Rubio droht unverhohlen mit Gewalt.
Vom Feind zum Partner: Ein fragwürdiger Wandel
Rodriguez, die nach der spektakulären Festnahme von Nicolás Maduro durch eine US-Militäroperation am 3. Januar die Führung des ölreichen Landes übernahm, verkündete am 27. Januar im Staatsfernsehen die Freigabe der seit 2019 eingefrorenen Gelder. Maduro selbst hatte diese Summe einst auf rund 30 Milliarden US-Dollar beziffert. Die Mittel sollen nun angeblich in die marode Gesundheitsinfrastruktur fließen – Krankenhausausstattung, die ausgerechnet in den USA beschafft werden soll.
Man könnte meinen, hier bahne sich eine wunderbare Freundschaft an. Doch der Schein trügt gewaltig. Die CIA hegt erhebliche Zweifel daran, ob Rodriguez tatsächlich bereit ist, die Verbindungen zu Iran, China, Russland und Kuba zu kappen. An ihrer Vereidigung nahmen Vertreter genau dieser Länder teil – ein Affront, der in Washington nicht unbemerkt blieb.
Rubios Drohgebärden und die Grenzen der Diplomatie
CIA-Direktor John Ratcliffe reiste bereits Mitte Januar nach Caracas, um die politische Zukunft des Landes zu erörtern. Die Botschaft war unmissverständlich: Washington erwartet vollständige Kooperation. Außenminister Marco Rubio wurde vor dem Senatsausschuss für Außenbeziehungen noch deutlicher. Rodriguez riskiere dasselbe Schicksal wie ihr Vorgänger Maduro, sollte sie Trumps Forderungen nicht erfüllen.
„Wir sind bereit, Gewalt einzusetzen, um maximale Kooperation sicherzustellen."
Diese Worte aus Rubios vorbereiteter Aussage lassen wenig Raum für Interpretation. Die Trump-Administration macht keinen Hehl daraus, dass sie Venezuela als Spielball amerikanischer Interessen betrachtet. Rodriguez hingegen betont, ihr Land stehe nicht unter US-Vormundschaft – eine Aussage, die angesichts der Realitäten fast schon tragikomisch anmutet.
Kleine Gesten, große Erwartungen
Immerhin hat die Interimspräsidentin bereits politische Gefangene freigelassen und den Verkauf von 30 bis 50 Millionen Barrel Öl an die USA genehmigt. Doch reicht das Washington? Die Oppositionsführerin María Corina Machado, einst von vielen als legitime Siegerin der letzten Wahlen angesehen, gilt laut Geheimdienstberichten derzeit nicht als regierungsfähig. Ihr fehlen die Verbindungen zu Sicherheitsdiensten und dem alles entscheidenden Ölsektor. Trump erklärte lediglich, er wolle sie in die Führung „einbinden" – was auch immer das bedeuten mag.
Der blutige Schatten der Karibik-Operationen
Während sich die Diplomaten in Caracas und Washington die Hände reichen, erreichen erschütternde Nachrichten die Öffentlichkeit. Familien zweier bei einem US-Angriff getöteter Männer aus Trinidad und Tobago haben Klage eingereicht. Chad Joseph und Rishi Samaroo starben am 14. Oktober, als ihr Boot vor der venezolanischen Küste beschossen wurde. Ihre Anwälte sprechen von „ungesetzlichen Tötungen".
Die Zahlen sind alarmierend: Seit September haben die USA mindestens 36 Boote in der Karibik angegriffen und dabei über 120 Menschen getötet. Die Regierung bezeichnet diese Aktionen lapidar als Kampf gegen „Narko-Terroristen". Doch wie viele unschuldige Fischer und Händler müssen noch sterben, bevor diese Politik hinterfragt wird?
Ein gefährliches Spiel mit ungewissem Ausgang
Die Situation in Venezuela offenbart einmal mehr die Doppelmoral amerikanischer Außenpolitik. Einerseits werden Milliarden freigegeben und Kooperationsbereitschaft signalisiert, andererseits droht man unverhohlen mit militärischer Gewalt. Rodriguez sitzt zwischen allen Stühlen – gefangen zwischen den Erwartungen Washingtons und den historischen Verbündeten ihres Landes.
Für Deutschland und Europa sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. Die aggressive Außenpolitik der Trump-Administration macht vor niemandem halt. Wer heute Venezuela ist, könnte morgen jedes andere Land sein, das nicht nach Washingtons Pfeife tanzt. In solch unsicheren Zeiten gewinnen stabile Wertanlagen wie physische Edelmetalle zunehmend an Bedeutung – als Absicherung gegen geopolitische Verwerfungen, die sich jederzeit auf die globalen Finanzmärkte auswirken können.

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