
Wasserstoff-Flop in Heidelberg: Öko-Müllwagen fährt bald mit Diesel!

Heidelberg baut seinen Wasserstoff-Müllwagen auf Diesel um, und das nach nur dreieinhalb Jahren. Das Fahrzeug kostete knapp 1,2 Millionen Euro, mehr als 744.000 Euro davon zahlte der Bund. Weil es meistens in der Werkstatt stand, gibt die Stadt jetzt noch einmal 240.000 Euro aus, um ihm einen Antrieb einzubauen, den die Verkehrswende eigentlich abschaffen wollte.
Vom Vorzeigeprojekt zum Dauerpatienten
Im März 2023 stellte die Stadt das Fahrzeug mit viel Stolz vor. Heidelberg sei die erste Kommune im Rhein-Neckar-Kreis, die Müll ohne Emissionen abhole, hieß es damals. Oberbürgermeister Eckart Würzner sagte dazu:
„Die Brennstoffzelle ist die Technik der Zukunft.“
Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne), Bürgermeister für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität, sah die Stadt nach eigenen Worten „als Vorbild“ der Mobilitätswende in der Region. Die Zahlen sehen anders aus. Laut einer Beschlussvorlage der Stadt vom 16. September 2026 war der Wagen 2025 an 179 von 220 erfassten Betriebstagen nicht einsatzbereit. Gefahren ist er an 41 Tagen.
Im Jahr 2026 lief es noch schlechter. Bis zum 7. August stand das Fahrzeug an 125 von 148 Tagen still. Zwischen 2023 und August 2026 lag die Ausfallquote nach Angaben der Stadt im Schnitt bei rund 64 Prozent. In dieser Zeit sammelte meistens ein alter Diesel-Lkw aus der Reserve den Müll ein.
Das Urteil aus dem eigenen Rathaus
Die Verwaltung urteilt selbst sehr deutlich. Nach einer technischen Prüfung heißt es in der Vorlage, das Fahrzeug werde „nie in einen dauerhaften zuverlässigen Betriebszustand versetzt werden können“. Die Umrüstung hat ausgerechnet der Grünen-Bürgermeister Schmidt-Lamontain unterschrieben.
Geplant ist Folgendes:
- Der Müllaufbau kommt auf ein neues Fahrgestell mit Dieselmotor.
- Das Wasserstoff-Fahrgestell wird als Ersatzteillager genutzt.
- Der Umbau kostet 240.000 Euro und dauert etwa ein Jahr.
Die Stadt rechnet vor, dass sie damit 186.200 Euro spare, weil ein neuer Müllwagen 426.200 Euro kosten würde. Insgesamt hat dieser eine Wagen aber rund 1,44 Millionen Euro gekostet. Für das Geld hätte man gut drei herkömmliche Müllwagen kaufen können.
Kein Einzelfall: Die Pannenserie hat System
Laut der Vorlage berichten auch andere kommunale Betreiber von ähnlichen Problemen. Medienberichten zufolge hat Leipzig 17,66 Millionen Euro für 16 Brennstoffzellen-Müllwagen ausgegeben. Diese seien nur an etwa 46 Prozent der Tage einsatzbereit gewesen. Bei Diesel-Müllwagen liegt dieser Wert bei rund 80 Prozent.
In Bielefeld standen sieben Wasserstoff-Müllwagen zeitweise still, weil die nächste Tankstelle 40 Kilometer entfernt lag und dann auch noch geschlossen wurde. Auch in der Rhein-Neckar-Region selbst gab es Probleme: Bei den Bussen der Rhein-Neckar-Verkehr fiel im vergangenen Winter berichten zufolge mehr als die Hälfte der 48 Fahrzeuge mit Brennstoffzelle aus.
Berlin hat nichts gewusst
Die Förderung kündigte im Dezember 2019 der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) an. Insgesamt stellte der Bund 20 Millionen Euro für das regionale Projekt in Aussicht. Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion geht hervor: Seit 2020 flossen rund 95,9 Millionen Euro in Wasserstoff-Müllfahrzeuge und weitere 43,6 Millionen Euro in batterieelektrische Modelle.
Die AfD-Abgeordneten fragten auch, ob die Regierung von den Heidelberger Ausfallzeiten gewusst habe. Die Antwort war ein knappes „Nein“. In einer Untersuchung von 217 geförderten Fahrzeugen meldeten 57 für 2025 Ausfallquoten von mindestens 20 Prozent.
Der Fall zeigt aus unserer Sicht, wie Fördergeld in Deutschland oft eingesetzt wird. Für Technik, die im Alltag noch nicht funktioniert, fließen Millionen. Ob das Geld etwas bringt, prüft offenbar niemand. Am Ende bezahlen Steuerzahler und Gebührenzahler zweimal: einmal für das Prestigeprojekt und einmal dafür, es wieder rückgängig zu machen.
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