
Weltklimarat vor der Pleite: Dem IPCC geht das Geld aus!

Der Weltklimarat IPCC steckt in der wohl schwersten Krise seiner Geschichte. Auf der 65. Vollversammlung in Addis Abeba konnten sich die Mitgliedstaaten am 16. Oktober weder auf einen Zeitplan für den nächsten großen Klimabericht noch auf den Haushalt für 2027 einigen. IPCC-Chef Jim Skea unterbrach die Sitzung. Wann es weitergeht, weiß niemand.
Eine Woche Streit, null Ergebnis
Laut offiziellem Verhandlungsbericht waren 334 Teilnehmer angereist, darunter 225 Vertreter aus 115 Staaten. Eine Woche lang wurde verhandelt. Herausgekommen ist nichts. Fachmedien zufolge scheiterte die Einigung auf einen Zeitplan für den siebten Sachstandsbericht damit bereits zum sechsten Mal in Folge.
Immerhin: Die Zahl der diskutierten Szenarien schrumpfte von sieben auf vier. Fortschritt im UN-Tempo eben. Skea selbst soll Berichten zufolge von einer tiefen Enttäuschung und einer der schwierigsten Sitzungen des Gremiums gesprochen haben.
Ölstaaten gegen Inselstaaten
Die Frontlinien sind klar. Saudi-Arabien, Russland, China und Indien drängen auf einen späteren Termin. Auf der anderen Seite stehen viele europäische Länder, kleine Inselstaaten und besonders betroffene Entwicklungsländer. Sie wollen den Bericht rechtzeitig zur globalen Bestandsaufnahme des Pariser Abkommens im Jahr 2028 auf dem Tisch haben.
Offiziell argumentiert das Lager um Riad und Neu-Delhi, ärmere Länder bräuchten mehr Zeit, um Forschungsergebnisse zu prüfen. Das Fachwissen des globalen Südens komme zu kurz. Teile des Berichts sollen deshalb erst 2029 erscheinen, also nach der entscheidenden Bestandsaufnahme. Beobachter sehen darin eine Verzögerung mit erheblicher politischer Sprengkraft.
Ein letzter Rettungsversuch Skeas, wenigstens einen vorläufigen Etat für 2027 durchzubringen, scheiterte am Widerspruch Saudi-Arabiens und Indiens. Russland warnte, man dürfe über den Haushalt keinen noch gar nicht beschlossenen Zeitplan festschreiben.
Ein Loch von 40 Prozent
Dabei brennt es auch in der Kasse. Nach Angaben des IPCC-Sekretariats fließen derzeit jährlich 3,5 Millionen Schweizer Franken an freiwilligen Beiträgen. Nötig wären mindestens 5,8 Millionen. Die Lücke: 2,3 Millionen Franken, rund 40 Prozent. Seit 2024 übersteigen die Ausgaben die Einnahmen. Bleibt es dabei, könnte der Treuhandfonds bis Ende 2028 leer sein.
Der größte Zahler ist längst weg. Laut Berechnungen des Fachportals Carbon Brief haben die USA seit der Gründung des Weltklimarats im Jahr 1988 rund 30 Prozent aller freiwilligen Beiträge gestemmt, insgesamt etwa 67 Millionen Dollar. Unter Donald Trump stellte Washington die Zahlungen ein und kündigte am 7. Januar 2026 den Rückzug aus dem IPCC und zahlreichen weiteren internationalen Organisationen an.
Berlin beklagt „Geiselnahme“
Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Panama und Belize beklagten laut Protokoll, dass sogar bereits vereinbarte Haushaltsposten „als Geiseln genommen wurden“. Konkret droht nun das Treffen der Hauptautoren zu Klimafolgen im Januar 2027 zu wackeln, weil die Reisemittel fehlen. Die amtierende IPCC-Sekretärin Ko Barrett warnte:
„Aus dieser Krise können wir uns nicht einfach heraussparen.“
Wer springt in die Bresche?
Die spannende Frage lautet: Wer stopft das Loch? Ein Land, das die Klimaneutralität bis 2045 im Grundgesetz verankert hat und gleichzeitig ein Schuldenpaket von 500 Milliarden Euro schnürt, dürfte bei vielen ganz oben auf der Wunschliste stehen. Ob der deutsche Steuerzahler gefragt wird, darf bezweifelt werden.
Besonders scharf meldeten sich die Marshallinseln zu Wort. Deren Klimabeauftragte Tina Stege sprach von einem „beschämenden Spiel auf Zeit, obwohl keine Zeit zu verlieren ist“. Kritiker verweisen allerdings auf einen bemerkenswerten Kontrast: Am 3. März 2026 erfolgte in der Hauptstadt Majuro im Beisein von Präsidentin Hilda Heine der Spatenstich für ein neues Inlandsterminal, finanziert von den USA. Japan hat Geld für ein internationales Terminal zugesagt. Auf den Malediven wurden im Mai 2026 rund 21 Hektar Land für eine neue, 2.800 Meter lange Startbahn aufgeschüttet. Wer langfristig in Flughäfen investiert, scheint jedenfalls nicht mit dem baldigen Untergang zu rechnen.
IPCC-Chef Skea gab sich zum Abschluss trotzig: „Der Maschinenraum des IPCC funktioniert, und er ist gesund.“ Mag sein. Nur geht dem Maschinenraum gerade der Treibstoff aus.

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