
Wenn der Anstoßpfiff zum Klima-Drama wird: Hirschhausen will die Bundesliga ins Wanken bringen
Es gibt Tage, da fragt man sich, ob es nicht ein deutsches Naturgesetz gibt, nach dem jede Hitzewelle pünktlich einen prominenten Mahner gebiert. An diesem Dienstagmorgen erfüllte sich das Gesetz aufs Neue. In der WM-Frühsendung „Breakfast Club“ auf MagentaTV trat Eckart von Hirschhausen vors Publikum – und lieferte mit beachtlicher Ernsthaftigkeit die These, dass die heiligste aller deutschen Wochenend-Institutionen in Gefahr sei: der Bundesliga-Anstoß am Samstag um 15:30 Uhr.
Die Hitze, der Klimawandel und ein vager Zusammenhang
Thema der Runde war die anhaltende Sommerhitze in den Gastgeberländern der Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA. Nun ist es kein Geheimnis, dass es in den südlichen Bundesstaaten der USA im Sommer warm wird – das war es schon, als Klimaaktivismus noch kein Geschäftsmodell war. Doch Hirschhausen, von Apollo News als „Arzt und Wissenschaftsjournalist“ vorgestellt, bemühte sich redlich, einen Bogen zur Klimakrise zu schlagen, mochte der Faden auch noch so dünn sein.
Weil die Hitze bei der WM bereits in Form fest eingeführter Trinkpausen ins Spielgeschehen eingreift, sieht der Fernseharzt drastische Veränderungen auf den Fußball zukommen. Und dann kam der Satz, der die Kommentarspalten zum Glühen brachte:
„Am Samstag um 15:30 Uhr anzustoßen. Das wird in Deutschland nach vorne heraus infrage gestellt werden müssen.“
„Alle unsere Rituale rund um Fußball sind in Gefahr“
Wenn die Politik der Reduktion von Treibhausgasen nicht oberste Priorität einräume, so Hirschhausen, drohe eine völlige Veränderung der Fußballkultur. „Alle unsere Rituale rund um Fußball sind in Gefahr“, spitzte er zu und krönte sein Plädoyer mit dem aktivistentauglichen Bonmot: „Guten Fußball gibt es nur auf einem gesunden Erdball.“ Ein Spruch, der sich hervorragend auf ein Transparent klatschen ließe – nur fragt sich der nüchterne Beobachter, was er mit der Realität zu tun hat.
Denn ein kurzer Blick in den Spielplan genügt: Die Bundesliga rollt in der Regel von Mitte August bis Mitte Mai. Die heißesten Wochen des Jahres liegen also fast vollständig außerhalb der Saison. Wer um den Erhalt des 15:30-Uhr-Anstoßes fürchtet, kämpft gegen ein Gespenst, das er sich selbst herbeigeredet hat.
Wenn der Stinkefinger plötzlich wissenschaftlich wird
Es kam noch besser. Die Hitze, dozierte Hirschhausen, belaste die Spieler nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Wissenschaftlich erwiesen sei, dass der Mensch bei höheren Temperaturen reizbarer und aggressiver werde. Als Beleg zog er die legendäre Stinkefinger-Geste heran, mit der Stefan Effenberg während der WM 1994 die Fans bedachte – angeblich erklärbar durch die damalige Hitze am Spielort.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Jahrzehnte alte Geste eines aufbrausenden Kapitäns wird im Jahr 2026 zum klimawissenschaftlichen Indizienbeweis umgedeutet. Und es geht weiter:
„Es gibt Statistiken, Du schreibst zum Beispiel auch mehr Hassmails bei Hitze. Du drehst durch.“
Hassmails als Funktion der Außentemperatur – wer hätte gedacht, dass sich menschliches Verhalten, Moral und Affekt so bequem auf ein Thermometer reduzieren ließen? Gerade deshalb sei die aktuelle WM mit ihren langen Reisewegen besonders problematisch. Es handle sich, so Hirschhausen, um „die klimaschädlichste WM, die es jemals gegeben hat“. 14 der 16 Stadien seien überdies „hitzegefährdet“.
Der ewige Mahner und der Mechanismus dahinter
Was hier vorgeführt wird, folgt einem altbekannten Muster. Sobald das Wetter sommerlich wird, treten jene auf den Plan, die aus jeder Schweißperle eine Katastrophe und aus jeder Hitzewelle einen Handlungsappell destillieren. Wetter wird zu Klima erklärt, Anekdoten werden zu Statistiken, und am Ende soll der Bürger ein schlechtes Gewissen mit nach Hause tragen – idealerweise verbunden mit der Bereitschaft, liebgewonnene Gewohnheiten aufzugeben.
Die Frage ist nur: Warum sollte sich ein Land, das mit explodierenden Energiepreisen, einer kriselnden Industrie und einer Rekord-Verschuldung durch das 500-Milliarden-Sondervermögen kämpft, ausgerechnet darüber Sorgen machen, ob am Samstagnachmittag der Ball rollt? Die Sorgen der Menschen sind handfester. Sie betreffen die Stromrechnung, die Inflation und die Frage, ob am Monatsende noch genug für die Kinder bleibt.
Ein bisschen gesunder Menschenverstand, bitte
Vielleicht wäre es an der Zeit, dem Fußball seine Rituale zu lassen und stattdessen die Energie auf die echten Probleme dieses Landes zu richten. Wer den Samstagnachmittag im Stadion oder vor dem Fernseher für gefährdet erklärt, während die deutsche Wirtschaft schwächelt und der Bürger jeden Cent zweimal umdreht, hat die Verhältnisse gründlich verkehrt herum betrachtet.
Wahre Sicherheit findet sich ohnehin nicht in moralisierenden Appellen, sondern in handfesten Werten – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Wer sein Vermögen gegen die Stürme der Zeit absichern will, gegen Inflation, gegen politische Experimente und gegen die ewige Mahnkultur, der setzt seit Jahrhunderten auf physische Edelmetalle wie Gold und Silber. Sie kennen weder Hitzepausen noch Anstoßzeiten – sie bewahren ihren Wert, ganz gleich, wie warm es draußen wird.
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