
Wenn Empörung das Denken ersetzt: Die Medien im Dauermodus der moralischen Entrüstung

Es ist ein Schauspiel, das sich täglich wiederholt, so vorhersehbar wie das Aufgehen der Sonne: Kaum öffnet Donald Trump den Mund, kaum hebt Wladimir Putin eine Augenbraue, schon glühen die Redaktionsstuben. Die Timelines explodieren, der moralische Zeigefinger steht stramm, und die kollektive Empörung wallt auf wie ein Geysir. Erst die Entrüstung, dann – vielleicht, mit viel Glück – ein Gedanke. Meist bleibt es beim ersten Schritt.
Die Empörungsmaschine läuft heiß
Massenmedien sind, das ist keine neue Erkenntnis, Empörungsmaschinen par excellence. Sie leben von der Emotionalisierung, und nichts emotionalisiert so zuverlässig wie moralische Entrüstung. Banalitäten werden zu Skandalen aufgeblasen, Nuancen verschwinden im Nebel der Aufregung. Der geneigte Leser soll sich echauffieren können – das generiert Klicks, das bringt Reichweite, das füllt die Kassen der Werbekunden.
Doch in den letzten Jahren scheint diese Maschinerie völlig frei zu drehen. Die Dauerempörung hat sich verselbstständigt, sie ist zum Selbstzweck geworden. Dabei ist Empörung ein denkbar schlechter Ratgeber. Sie ist laut, schnell und selbstgerecht – aber selten klug. Sie simuliert Haltung, wo eigentlich Analyse gefragt wäre. Wer empört ist, fühlt sich automatisch im Recht und muss nicht mehr genau hinsehen. Das ist bequem. Und es ist gefährlich.
Reflexe statt Reflexion
Trump lässt Maduro entführen und liebäugelt mit Grönland, Putin beansprucht den Donbass und droht mit dauerndem Krieg – reflexartig heulen die Medien auf, statt den Sachverhalt nüchtern zu analysieren. Nicht weil die Kritik grundsätzlich falsch wäre. Trump mag ein Egomane sein, cholerisch und narzisstisch. Putin ist womöglich ein Verbrecher, verantwortlich für Krieg, Tod und Zerstörung. Möglich. Doch bringt es uns keinen Millimeter weiter, wenn diese Feststellungen das Ende des Denkens markieren.
Sich immer wieder neu darüber aufzuregen, ist noch sinnloser. Es vernebelt das Gehirn, es verhindert jede sachliche Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Machtverhältnissen und Interessenlagen. Politik ist kein Moraltheater, in dem man die Rollen klar verteilt und sich dann auf der richtigen Seite wähnt. Sie ist ein Feld von Interessen, Machtverschiebungen, Zwängen und Kalkülen.
Die unbequeme Wahrheit
Wer Politik verstehen will, muss aushalten, dass auch unangenehme Akteure rational handeln können – und dass moralisch fragwürdige Entscheidungen manchmal aus einer nüchternen Logik heraus getroffen werden. Das zu erkennen, heißt nicht, sie gutzuheißen. Es heißt, sie ernst zu nehmen.
„Wer die Medien nicht liest, ist nicht uninformiert, sondern wer sie nutzt, ist falsch informiert."
Dieses dem Schriftsteller Mark Twain zugeschriebene Zitat trifft den Kern des Problems. Die Dauerempörung macht blind für Abstufungen, für Alternativen, für die Grautöne der Wirklichkeit. Und sie gibt Typen wie Trump und Putin einen Resonanzraum, den sie nicht verdienen. Empörung ist die Nahrung solcher Narzissten. Kühle Analyse wäre ihr größter Feind.
Ein Plädoyer für Sachlichkeit
Schon deshalb sollten wir hin und wieder etwas mehr Sachlichkeit walten lassen. Wer Politik nur noch emotional konsumiert, überlässt das Feld denen, die kalt kalkulieren. Die deutschen Medien, die sich so gerne als Hüter der Demokratie inszenieren, täten gut daran, diese Erkenntnis zu beherzigen. Stattdessen betreiben sie – oft im Gleichklang mit der politischen Klasse – eine Berichterstattung, die mehr an Propaganda erinnert als an seriösen Journalismus.
Die Bürger dieses Landes haben ein Recht auf differenzierte Information, auf Analyse statt Agitation, auf Fakten statt Furor. Wer sich ausschließlich in den Gazetten der etablierten Medien informiert, läuft Gefahr, ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit zu erhalten. Alternative Informationsquellen werden dringender denn je gebraucht – auch wenn manche Kräfte sie am liebsten zum Schweigen bringen würden.

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