
Wenn Maschinen Menschen mieten: Die verstörende Realität von RentAHuman.ai
Was wie ein schlechter Science-Fiction-Roman klingt, ist seit wenigen Tagen bittere Realität. Ein amerikanischer Software-Entwickler namens Alexander Liteplo hat eine Plattform ins Leben gerufen, die selbst hartgesottene Technologie-Skeptiker erschaudern lässt: RentAHuman.ai ermöglicht es autonomen KI-Agenten, echte Menschen zu suchen, zu buchen und zu bezahlen – für Aufgaben, die Maschinen schlicht nicht selbst erledigen können.
Der Mensch als Dienstleister der Maschine
Die Plattform präsentiert sich mit Slogans, die an Zynismus kaum zu überbieten sind. „Roboter brauchen deinen Körper" und „KI kann kein Gras anfassen. Du schon." – so wirbt die Website für ihre Dienste. Menschen registrieren sich, listen ihre Fähigkeiten, ihren Standort und ihren Stundenlohn auf. Die Preisspanne reicht dabei von Billigjobs bis hin zu spezialisierten Tätigkeiten. KI-Agenten wiederum können sich über ein standardisiertes Protokoll einloggen und ohne jegliche menschliche Kommunikation direkt Profile durchsuchen, Aufträge vergeben oder Prämien für bestimmte Aufgaben ausschreiben.
Liteplo selbst bietet seine Dienste für 69 Dollar pro Stunde an – das Spektrum reicht dabei von KI-Automatisierung bis hin zu Massagen. Bereits wenige Tage nach dem Start sollen sich angeblich zwischen 70.000 und 80.000 „vermietbare" Menschen registriert haben, wenngleich die tatsächlich sichtbaren Profile deutlich überschaubarer erscheinen.
Die logische Konsequenz einer entgleisten Entwicklung
Diese Plattform entstand nicht im luftleeren Raum. Sie ist vielmehr die konsequente Weiterentwicklung eines beunruhigenden Trends. Erst Ende Januar sorgte Moltbook.com für Aufsehen – ein soziales Netzwerk ausschließlich für KI-Bots, das mittlerweile rund 1,5 Millionen künstliche „Nutzer" zählt. Diese Maschinen produzieren dort Beiträge, Memes und führen sogar Diskussionen darüber, wie sie menschliche Anweisungen umgehen könnten.
RentAHuman.ai erscheint vor diesem Hintergrund als der nächste logische, wenn auch zutiefst verstörende Schritt: Wenn die Bots mit dem Philosophieren fertig sind, brauchen sie eben „Fleischpuppen" – so der zynische Jargon der Szene – um ihre Pläne in der realen Welt umzusetzen.
Reaktionen zwischen Faszination und Entsetzen
Die Reaktionen in den sozialen Medien fallen entsprechend gespalten aus. Nutzer auf der Plattform X bezeichneten das Konzept als „gute Idee, aber dystopisch wie die Hölle". Liteplos Antwort darauf? Ein lakonisches „Ja, stimmt" – begleitet von einem Lachen. Diese Gleichgültigkeit gegenüber den ethischen Implikationen seiner Schöpfung spricht Bände über den Geisteszustand einer Technologie-Branche, die längst jedes Maß verloren zu haben scheint.
Ein Spiegelbild gesellschaftlicher Fehlentwicklungen
Was hier geschieht, ist mehr als nur ein technologisches Kuriosum. Es ist ein Symptom einer Gesellschaft, die den Menschen zunehmend auf seine ökonomische Verwertbarkeit reduziert. Während traditionelle Werte wie Würde, Selbstbestimmung und menschliche Verbundenheit erodieren, feiern Technologie-Enthusiasten die Degradierung des Menschen zum ausführenden Organ künstlicher Intelligenzen als Innovation.
Die Frage, die sich aufdrängt, lautet nicht, ob solche Plattformen technisch möglich sind – das sind sie offensichtlich. Die eigentliche Frage ist, ob wir als Gesellschaft bereit sind, diese Entwicklung widerstandslos hinzunehmen. Oder ob wir endlich den Mut aufbringen, klare Grenzen zu ziehen zwischen dem, was technisch machbar, und dem, was menschlich vertretbar ist.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











