
Zins-Schock aus Amerika: Gold gibt nach, Silber hält stand

Die Edelmetalle bekamen am Montag Gegenwind aus Washington. Ein festerer US-Dollar und Rendite-Rekorde bei US-Staatsanleihen drückten den Goldpreis im späten New Yorker Handel auf rund 4.137,80 US-Dollar je Unze, ein Minus von 26,30 Dollar oder 0,63 Prozent. Silber zeigte sich robuster und legte leicht auf etwa 56,93 Dollar zu.
Ein Einbruch ist das nicht, eher ein kurzes Durchatmen. Die Gründe dafür sind trotzdem aufschlussreich.
Die Inflation ist zurück, und zwar mit Wucht
In den USA zieht die Teuerung wieder an. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 0,6 Prozent zum Vormonat und um 3,7 Prozent auf Jahressicht. Noch deutlicher fallen die Erzeugerpreise aus: plus 1,3 Prozent im Monat und 6,3 Prozent im Jahresvergleich. Das ist ein Warnsignal, denn was heute in den Fabriken teurer wird, landet morgen an der Supermarktkasse.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf rund 5,135 Prozent. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, bedeutet das Gegenwind. An den Terminmärkten gilt eine Zinspause der Federal Reserve bei der Sitzung am 27. und 28. Oktober als wahrscheinlich. Für Dezember preisen Händler eine weitere Straffung dagegen mit fast 90 Prozent Wahrscheinlichkeit ein.
Dazu kommt ein Detail mit Ironie: Weil sich die Tech-Aktien von ihrem jüngsten Ausverkauf erholten, griffen weniger Anleger zum sicheren Hafen. Der Nasdaq gewann 1,1 Prozent. Die Sorgen um die Milliardenkosten der KI-Infrastruktur sind damit allerdings nicht vom Tisch.
Europa wankt, und der DAX bekommt es zu spüren
Für deutsche Anleger war der Tag ungemütlich. Der DAX verlor 1,18 Prozent auf 25.319,77 Punkte. Nach Protesten in Frankreich und Italien am Wochenende ging an den Börsen wieder die Angst vor zerrütteten Staatsfinanzen um. Der italienische FTSE MIB fiel um 1,55 Prozent, der französische CAC 40 um 1,11 Prozent, und auch der Stoxx Europe 600 gab um 0,80 Prozent nach.
Besonders heikel ist die Lage in Frankreich. Anleger verlangten deutlich höhere Risikoaufschläge auf französische Staatsanleihen. Das zeigt, wie schnell in der Eurozone aus Schuldenpolitik eine Vertrauenskrise werden kann. Und Deutschland? Mit dem 500-Milliarden-Sondervermögen der Großen Koalition sollte sich auch Berlin fragen, wie lange die Märkte bei steigenden Schuldenbergen gelassen bleiben. Der schwache Euro stützte zugleich den Dollar und belastete damit indirekt den Goldpreis in Dollar.
Pulverfass Hormus: Warum der Ausverkauf nicht weiterging
Einen tieferen Absturz verhinderte vor allem die Lage am Persischen Golf. Rund um die Straße von Hormus werden iranische Kräfte Berichten zufolge mit neuen Angriffen auf Handelsschiffe in Verbindung gebracht. Die Huthi-Miliz im Jemen reklamierte zudem Attacken auf saudische Energie- und Militäranlagen für sich. Unabhängig bestätigt waren diese Angaben zunächst nicht.
Durch die Meerenge fließt noch immer weniger Öl als vor dem Krieg. Brent kostete zuletzt 109,55 Dollar je Barrel, WTI 98,54 Dollar. Auch die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, einige Sanktionen und Zölle auf russische Energieexporte auszusetzen, entspannte die Lage nur leicht. Solange kein belastbares Abkommen zwischen den USA und dem Iran steht, bleibt die geopolitische Risikoprämie im Markt, und davon profitiert Gold als Krisenwährung.
Die entscheidenden Marken für Gold
Charttechnisch müssten die Goldbullen den Widerstandsbereich zwischen 4.170,55 und 4.193,95 Dollar zurückerobern. Auf der Unterseite liegen wichtige Unterstützungen bei 4.132, 4.111 und 4.070 Dollar. Beim Silber gilt die Zone um 57,28 bis 57,67 Dollar als nächste Hürde.
In den kommenden Tagen stehen Daten zum US-Immobilienmarkt, die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen und die Einkaufsmanagerindizes an. Schwächere Zahlen könnten die Renditen drücken und Gold stützen.
Unterm Strich bleibt das Bild intakt: Hartnäckige Inflation, wackelige Staatsfinanzen in Europa und ein Brandherd am Golf sprechen für physische Edelmetalle als Baustein der Vermögenssicherung. Medienberichten zufolge sind die Bestände der Gold-ETFs zuletzt sogar auf ein Jahreshoch gestiegen. Viele Anleger scheinen den Tagesschwankungen also wenig Bedeutung beizumessen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Edelmetallen oder anderen Finanzinstrumenten dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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