
Zoll-Falle Washington: Warum selbst ein Machtwechsel Trump kaum bremst

Die Demokraten haben bei den US-Zwischenwahlen beide Kammern des Kongresses erobert, und schon wittern viele das Ende der Trump-Zölle. Die Hoffnung dürfte allerdings verfrüht sein. Bis die neuen Mehrheiten im Januar ihre Arbeit aufnehmen, kann der Präsident nachlegen, und dafür bereitet seine Regierung offenbar schon den Boden. Für Europa und den Exportweltmeister Deutschland bleibt die Lage brandgefährlich.
Große Worte, wenig Hebel
An Kampfansagen fehlt es nicht. Hakeem Jeffries, Fraktionschef der Demokraten im Repräsentantenhaus, versprach laut Bloomberg, die „dummen Trump-Zölle“ zu stoppen, die die Preise für Amerikaner nach oben trieben. Ron Wyden, der künftige Chef des Finanzausschusses im Senat, will dem Kongress seine handelspolitischen Befugnisse zurückholen. Sogar der Republikaner Ted Cruz räumte ein, Zölle hätten „alles zu teuer gemacht“.
Theoretisch hat der Kongress die Macht dazu, denn die US-Verfassung weist ihm die Hoheit über Zölle zu. In der Praxis haben die Abgeordneten über Jahrzehnte immer mehr davon an das Weiße Haus abgegeben. Gegen ein Veto des Präsidenten bräuchten die Demokraten außerdem Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern. Davon sind sie weit entfernt.
Protektionismus kennt keine Parteifarbe
Das größere Problem ist ein anderes: Abschottung ist in Washington längst Konsens über die Parteigrenzen hinweg. Joe Biden hat viele Trump-Zölle nicht angetastet und die Schranken gegenüber China sogar verschärft. Der Demokrat Sherrod Brown aus Ohio kritisiert zwar einzelne Abgaben, kämpft aber seit Jahren selbst gegen den Freihandel und für die Industriejobs in seinem Bundesstaat.
Blake Harden von der Beratungsgruppe EY bringt das auf den Punkt:
„Wenn Zölle erst einmal eingeführt sind, gibt es immer jemanden, der will, dass sie bestehen bleiben, weil er davon profitiert.“
Zölle wirken also wie ein Sperrklinkenmechanismus: Sie lassen sich leicht anziehen und kaum wieder lösen.
Trumps Endspurt: Neue Zölle vor Januar?
Der Präsident denkt offenbar nicht daran, klein beizugeben. Die US-Handelsbehörde hat Untersuchungen zu industriellen Überkapazitäten in zahlreichen Ländern eingeleitet, darunter China und die Europäische Union. Die frühere Handelsberaterin Kelly Ann Shaw geht davon aus, dass Trump an seinem Kurs festhalte, weil die Zölle zu seinem politischen Vermächtnis gehörten. Das Büro des US-Handelsbeauftragten erklärte am Donnerstag, man wolle Handelsungleichgewichte weiter korrigieren, Produktion in die USA holen und amerikanische Arbeitnehmer schützen.
Wie stark die Zölle schon gestiegen sind, zeigen Zahlen des Penn Wharton Budget Model:
- Durchschnittlicher effektiver US-Zollsatz Anfang 2025: 2,3 Prozent
- Stand August 2026: 7,1 Prozent
- Auf Importe aus China: 24,3 Prozent
Inflationsgift für Verbraucher und Märkte
Bezahlen müssen das am Ende die Verbraucher. Nach einer Studie der Federal Reserve Bank of New York kommen rund 26 Prozent einer Zollerhöhung direkt bei den Verbraucherpreisen an. Hinzu kommen teurere Vorprodukte, die auch heimische Hersteller zu Preiserhöhungen bewegen können. Die US-Inflation lag zuletzt bei 3,7 Prozent. Neue Zölle könnten den Preisdruck weiter verschärfen und die Fed zu weiteren Zinserhöhungen zwingen. Höhere Finanzierungskosten und steigende Anleiherenditen würden die ohnehin nervösen Aktienmärkte zusätzlich belasten.
Deutschland bekommt das ebenfalls zu spüren. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass schon die bestehenden US-Zölle die deutsche Wirtschaftsleistung bis Ende 2027 um 0,2 bis 0,4 Prozent drücken könnten. Für eine Volkswirtschaft, die ohnehin unter hohen Energiepreisen, Bürokratie und Abgaben leidet, ist das ein harter Schlag. Ob die Bundesregierung oder die EU-Kommission in Brüssel darauf eine überzeugende Antwort haben, ist aus Sicht vieler Mittelständler fraglich.
Fazit: Die Unsicherheit bleibt
„Die Zölle werden wahrscheinlich bleiben“, sagt EY-Experte Harden voraus. Am Zollniveau werde auch der Machtwechsel im Kongress wenig ändern. Handelskonflikte, Inflationsrisiken und politische Unberechenbarkeit dürften die Märkte also weiter beschäftigen. In einem solchen Umfeld haben physisches Gold und Silber, die nicht von Zentralbanken oder Handelsdekreten abhängen, ihren Wert als Krisenschutz immer wieder gezeigt. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie helfen, Vermögen abzusichern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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