
Zuckerbergs Geheimplan: KI sollte ganze Teams um 60 Prozent schrumpfen

Ein internes Großprojekt des Facebook-Konzerns Meta sorgt für Aufsehen: Einem Reuters-Bericht zufolge prüfte das Unternehmen Szenarien, einzelne Teams um bis zu 60 Prozent zu verkleinern – angetrieben von der Vision einer „KI-nativen“ Organisation. Der radikale Umbau wurde am Ende gestoppt. Doch das Misstrauen in der Belegschaft blieb.
„Project OT“: Der Plan, der Stunden vor der Verkündung kippte
Laut dem Bericht, der sich auf interne Dokumente und anonyme Insider stützt, lief das Vorhaben intern unter dem Namen „Project OT“. Vorbild seien Start-ups gewesen, die ihre gesamte Betriebsstruktur um künstliche Intelligenz herum gebaut hätten. Die Idee: Kleine, hochbezahlte Elite-Teams steuern, was zuvor Tausende Menschen erledigten.
Zwei Entlassungswellen im Mai und November seien geplant gewesen. Wenige Stunden vor der Verkündung habe Konzernchef Mark Zuckerberg die große Variante gestoppt. Stattdessen habe Meta die Entlassung von 8.000 der rund 75.000 Beschäftigten bekanntgegeben, weitere 7.000 seien auf neue KI-Aufgaben versetzt worden.
Wenn die Maus jeden Klick verrät
Parallel sei eine Tracking-Software eingeführt worden, die Mausbewegungen, Klicks und Tastenanschläge erfasse – offenbar, um damit KI-Modelle zu trainieren. Man muss kein Psychologe sein, um zu ahnen, was das mit einer Belegschaft macht, die ohnehin Gerüchte über ihre Ersetzbarkeit hört.
Die Zahlen sprechen für sich: Die Mitarbeiterzufriedenheit sei in der internen Halbjahresumfrage von 74 auf 55 Prozent eingebrochen. Auch die Bemühungen um gewerkschaftliche Organisation hätten zugenommen.
Die KI lieferte Code – aber keine Produktivität
Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Technologie, die die Menschen ersetzen sollte, hielt dem Praxistest nur bedingt stand. Internen Postings zufolge stiegen Code-Änderungen an Plattformen und Infrastruktur um 220 Prozent gegenüber dem Vorjahr – Änderungen, die bei den Nutzern tatsächlich als neue oder bessere Funktionen ankamen, jedoch nur um 36 Prozent.
Noch unangenehmer: Schwerwiegende technische und sicherheitsrelevante Vorfälle wie Ausfälle und Datenlecks hätten um 40 Prozent zugelegt, der Zeitaufwand zur Fehlerbehebung sogar um 70 Prozent. Ein Eintrag vom April habe vor unkontrollierten KI-Agenten gewarnt, die großflächige, störende Aktionen ausführten.
Kehrtwende und Charmeoffensive
Die zweite Umbauwelle im November sei gestrichen worden. In einem internen Memo habe Zuckerberg erklärt, er rechne in diesem Jahr nicht mit weiteren unternehmensweiten Entlassungen, und mehr „Stabilität“ versprochen. Das Maus-Tracking wurde dem Bericht zufolge pausiert, Sozialleistungen angehoben, eine Kampagne startete – Meta als menschenzentriertes Unternehmen.
Meta bestätigte Reuters die Existenz des Projekts: Es sei um Kosteneinsparung und neue Teamstrukturen gegangen, drastische Szenarien hätten Einsparungen von bis zu 60 Prozent in manchen Teams vorgesehen – niemals aber bei 60 Prozent der Gesamtbelegschaft.
Die eigentliche Lehre fĂĽr Europas Wirtschaft
Eine kalifornische Mediatorin warnt in einem Gastbeitrag, nicht die KI sei die größte Gefahr für die Arbeitswelt, sondern Misstrauen. Wer Feedback einhole und ignoriere, ernte Frust und Fluktuation – auch das Meinungsforschungsinstitut Gallup warne vor sinkendem Engagement.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall vor allem eines: Technologie ersetzt keine Führung. Und wer Beschäftigte als Kostenposten behandelt, verliert genau das Wissen, das ihn wettbewerbsfähig macht. Für deutsche Unternehmen, die ohnehin unter Energiekosten und Bürokratie ächzen, ist das eine teure Lektion – kostenlos zu haben.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für eigene Entscheidungen selbst verantwortlich.
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