
Zuckersteuer 2027: 650 Millionen Euro – und keiner weiß, wofür

Die Bundesregierung will zuckerhaltige Getränke ab 2027 besteuern. 650 Millionen Euro soll die Abgabe im ersten Jahr in die Staatskasse spülen. Was genau besteuert wird, ist bis heute offen – fest steht nur: Aus einer zweckgebundenen Abgabe für die Krankenkassen ist eine ganz normale Steuer geworden.
Vom Gesundheitsprojekt zum Haushaltsposten
Ursprünglich klang das Vorhaben nach Prävention. Im Frühjahr 2026 plante die Regierung laut den Eckwerten für den Bundeshaushalt 2027, die das Kabinett am 29. April beschloss, eine „Abgabe auf zuckergesüßte Getränke" ab 2028. Noch im Juni sprach eine Antwort der Bundesregierung auf eine Bundestagsanfrage ausdrücklich von einer Zuckerabgabe.
Die von der damaligen Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Finanzkommission Gesundheit hatte ein gestaffeltes Modell vorgeschlagen: unter fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter steuerfrei, zwischen fünf und acht Gramm 26 Cent je Liter, ab acht Gramm 32 Cent. Die Einnahmen sollten den Gesundheitsfonds entlasten.
Doch das Finanzministerium hat das Konstrukt umgebaut. Aus der Abgabe wurde eine Steuer – und der Start um ein Jahr vorgezogen.
Der feine Unterschied, der alles verändert
Der Unterschied ist kein juristisches Detail, sondern der Kern der Sache. Eine Abgabe ist zweckgebunden. Eine Steuer nicht. Das Bundesfinanzministerium nennt das Gesamtdeckungsprinzip: Steuereinnahmen finanzieren allgemeine Staatsausgaben, ohne Reservierung für spezielle Zwecke.
Aus einer Bundestags-Drucksache geht hervor, wofür der „finanzielle Spielraum" aus der „Lenkungssteuer auf zuckergesüßte Getränke" gedacht ist: Die geplante Absenkung des Bundeszuschusses an den Gesundheitsfonds soll geringer ausfallen. Im Klartext: Es fließt kein zusätzliches Geld zu den Kassen – die geplante Kürzung wird nur etwas kleiner.
Ein Steuerzahler, der die Rechnung bezahlt, und eine Kürzung, die weniger schmerzt – das ist aus Sicht unserer Redaktion weniger Gesundheitspolitik als geschickte Haushaltsarchitektur.
Wer zahlt am Ende wirklich?
Offiziell setzt die Steuer beim Hersteller an, damit dieser Rezepturen ändert. Ob die Belastung dort bleibt, ist eine andere Frage. Ein Blick nach Großbritannien ist ernüchternd: Nach Einführung der dortigen Limonaden-Abgabe verteuerten sich stark gezuckerte Getränke am Stichtag im Schnitt um 4,9 Pence je 100 Milliliter – rund 5,7 Cent. Die Abgabe selbst kostete die Hersteller nur 2,4 Pence. Eine Weitergabequote von 204 Prozent.
Zugleich sank in Großbritannien der durchschnittliche Zuckergehalt von Erfrischungsgetränken spürbar. Der Lenkungseffekt existiert also – bezahlt wird er trotzdem an der Supermarktkasse.
Haferdrink, Fertigkaffee, Biermischgetränk?
Ein im August bekannt gewordenes Arbeitspapier des Finanzministeriums ging weit über Limonade hinaus: Nektare, Smoothies, Haferdrinks, Fertigkaffees und Biermischgetränke wurden genannt, ausgenommen sein sollten reine Milch und 100-prozentiger Fruchtsaft. Besonders umstritten: die Idee, auch zuckerfreie Getränke mit Süßungsmitteln zu erfassen.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ruderte zurück. Eine Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke werde es nicht geben, das Papier sei ein interner Arbeitsstand und politisch nicht geeint.
Prognose mit eingebautem Schwund
Ab 2028 rechnet der Bund nur noch mit rund 450 Millionen Euro jährlich – weil die Hersteller weniger Zucker einsetzen dürften. Eine Steuer, deren Erfolg ihre eigene Einnahmebasis zerstört. In über 100 Ländern gibt es bereits ähnliche Modelle, darunter Frankreich, Ungarn und Südafrika.
Für die Bürger bleibt die nüchterne Bilanz: noch eine Abgabe, noch ein Stück Kaufkraft weniger. Wer sein Vermögen gegen die schleichende Erosion durch Steuern und Geldentwertung absichern will, setzt traditionell auch auf physische Edelmetalle als Beimischung.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt weder eine Steuer- noch eine Rechts- oder Anlageberatung dar. Für individuelle Entscheidungen wenden Sie sich bitte an fachkundige Berater; jeder Leser ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich.
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