
140 Milliarden für die Truppe: Jeder fünfte Euro geht 2027 ans Militär

Berlin, 10. September 2026: Der Bundestag hat erstmals über den Verteidigungsetat 2027 debattiert – und die Zahlen sprengen jeden Rahmen der Nachkriegszeit. 109,7 Milliarden Euro im Kernhaushalt, dazu rund 30 Milliarden aus dem auslaufenden Sondervermögen. Macht 140 Milliarden Euro für die Bundeswehr. Der größte Wehretat seit dem Ende des Kalten Krieges.
Zum Vergleich: Im laufenden Jahr 2026 stehen laut Bundestagsangaben 82,7 Milliarden Euro im regulären Etat plus 25,5 Milliarden aus dem Sondervermögen bereit. Der Sprung im Kernhaushalt beträgt damit fast 33 Prozent. Jeder fünfte Euro des Bundes fließt künftig in die Verteidigung.
Pistorius: „Sehr, sehr viel Geld"
Selbst der Ressortchef wirkt von der eigenen Zahl beeindruckt. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) räumte im Plenum ein, 140 Milliarden Euro seien „sehr, sehr viel Geld" – die Ausgaben müssten deshalb gut begründet werden. Im ARD-Morgenmagazin verwies er auf Lücken, die in den vergangenen 30 Jahren entstanden seien, und auf eine Bedrohung, der man begegnen müsse.
Genau hier liegt die politische Pointe: Jahrzehntelang wurde die Truppe von wechselnden Bundesregierungen kaputtgespart. Jetzt soll der Rückstand im Eiltempo mit Schulden weggekauft werden. Ob Hektik ein guter Ratgeber beim Beschaffungswesen ist, darf bezweifelt werden.
Panzer oder Drohnen – Streit um die Strategie
Der Ökonom Moritz Schularick vom Kiel Institut für Weltwirtschaft kritisierte in der Tagesschau, es fließe zu viel Geld in „Altmetall", also in Panzer und Fregatten statt in Drohnen und Künstliche Intelligenz. Pistorius hält dagegen: Drohnen könnten ein Gefecht gewinnen, aber keinen Krieg entscheiden – schweres Gerät bleibe nötig. Rund die Hälfte der Mittel gehe nach seiner Rechnung in neue Technologien.
Warnung vor Preisaufschlägen der Rüstungsindustrie
Haushaltspolitiker und der Bundesrechnungshof warnen vor überhöhten Preisen. SPD-Berichterstatter Andreas Schwarz stellte bereits im Juni fest, es würden andere Preise aufgerufen, wenn der Auftraggeber Bundeswehr heiße. Im Bundestag mahnte er mehr Wirtschaftlichkeit, Wettbewerb und parlamentarische Kontrolle an. CDU-Haushälter Andreas Mattfeldt forderte, jeder Euro müsse schneller und zielgerichteter investiert werden.
Die Kehrseite: Rotstift bei Familien
Weil die Verteidigung dank Ausnahme von der Schuldenbremse praktisch unbegrenzt finanziert werden kann, wird anderswo gestrichen – unter anderem beim Elterngeld, in der Entwicklungshilfe und bei Mitteln für Demokratiebildung. Linken-Politiker Dietmar Bartsch warf Pistorius vor, er gefährde den inneren Frieden. AfD-Fraktionschef Tino Chrupalla forderte stattdessen Investitionen in Energieinfrastruktur, Gesundheit, Bildung und Pflege.
Dass ausgerechnet junge Familien den Preis zahlen sollen, dürfte vielen Bürgern sauer aufstoßen. Pistorius kontert, Bildung und Schulessen seien nichts ohne Sicherheit.
Über 200 Milliarden neue Schulden
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant 2027 mit 555,4 Milliarden Euro Gesamtausgaben nach 524,5 Milliarden im laufenden Jahr. Größter Posten bleibt Arbeit und Soziales mit rund 201,5 Milliarden. Für Verkehr: 26,4 Milliarden. Für die Ukraine-Hilfe: 11,6 Milliarden.
- Nettokreditaufnahme Kernhaushalt: 118,7 Milliarden Euro
- Neuverschuldung inklusive Sondervermögen: gut 200 Milliarden Euro
- Pro Kopf entspricht das rund 2.400 Euro – für jeden Bundesbürger
AfD-Haushälter Michael Espendiller sprach von „verfassungswidrigen Buchungstricks", Bartsch nannte die geplante Billion neuer Schulden „schlicht der Wahnsinn". Verabschiedet werden soll der Etat Ende November. Wer Rekordschulden über Jahre hinweg stapelt, riskiert am Ende, dass die Kaufkraft der eigenen Währung die Rechnung begleicht – ein Argument, das Sparer seit jeher zu Sachwerten wie physischem Gold und Silber greifen lässt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Empfehlungen zu konkreten Anlageentscheidungen. Jeder Leser ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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