
800.000 Dollar pro Tag: Der Tanker-Schock trifft bald Ihren Tank

Die Frachtraten für Supertanker auf der Referenzroute vom Nahen Osten nach China sind auf 800.000 Dollar pro Tag explodiert. Das meldet die Baltic Exchange, die Londoner Preisbörse der Schifffahrt. Auslöser ist die massive Eskalation am Persischen Golf: US-Streitkräfte haben nach den vorliegenden Informationen fünf Tanker mit Verbindungen zum Iran zerstört, Teheran droht mit weiterer Vergeltung.
Das Öl fließt – nur der Transport wird zum Luxusgut
Die entscheidende Botschaft dieser Zahlen: Rohöl und Produkte verlassen den Golf weiterhin. Aber jede einzelne Fahrt kostet inzwischen ein Vermögen. Der Engpass liegt nicht im Bohrloch, sondern auf dem Wasser.
Laut einem Bericht von Bloomberg kostet eine Fahrt eines Very Large Crude Carriers vom US-Golf nach Asien im Schnitt rund 29,5 Millionen Dollar – umgerechnet etwa 15 Dollar je Barrel, noch bevor Kriegsrisikozuschläge oder unerwartete Verzögerungen eingerechnet sind.
Ein Vertreter des indischen Raffineriebetreibers HPCL-Mittal Energy brachte es gegenüber Bloomberg auf den Punkt:
"crude volume is there. What's hampering it is the transit; what's hampering it is the shipping."
Analysten rechnen mit Monaten auf hohem Niveau
Der Datendienst Kpler erwartet Medienberichten zufolge, dass die Tagesverdienste von VLCC-Tankern bis ins kommende Frühjahr über 100.000 Dollar bleiben – historisch lagen sie eher jenseits der 45.000-Dollar-Marke. Analysten von Morgan Stanley halten laut demselben Bericht bei zweijährigen Charterverträgen einen weiteren Aufschlag von 20 bis 30 Prozent für möglich.
Noch drastischer liest sich die neue Benchmark für die Route Golf von Oman nach Ostasien: Sie ist seit ihrer Einführung um 85 Prozent gestiegen und erreichte zuletzt fast 386.000 Dollar pro Tag.
Dass überhaupt noch Mengen durchkommen, liegt an einer improvisierten Logistik: Im Golf von Oman werden Ladungen von Schiff zu Schiff umgepumpt. Der Chef des Rohstoffhändlers Vitol schätzte zuletzt, dass rund zehn Millionen Barrel pro Tag die Meerenge von Hormus passieren, Analysten von Goldman Sachs kamen auf etwa 15 Millionen.
Warum das in Deutschland ankommt – mit Verzögerung
Frachtkosten sind die unsichtbare Steuer der Weltwirtschaft. Was am Golf aufgeschlagen wird, landet über Diesel, Benzin, Spedition und Verpackung irgendwann im Supermarktregal. Deutsche Medien berichten bereits von einem Ölpreis, der die Marke von 100 Dollar je Barrel überschritten hat.
Für die Notenbanken ist das ein Albtraum. Eine Inflation, die aus Angebots- und Transportengpässen entsteht, lässt sich mit Zinsschritten kaum bekämpfen – man kann keine Tanker drucken.
Eine teure Lektion in Energie-Realismus
Und Deutschland? Eine Industrie, die nach dem Aus für russisches Pipeline-Gas und dem Abschalten der Kernkraftwerke an teuren Importen hängt, ist gegen solche Schocks kaum abgeschirmt. Aus Sicht unserer Redaktion rächt sich hier eine Energiepolitik, die Versorgungssicherheit jahrelang nachrangig behandelt hat.
Wer die Muster kennt, kennt auch die Reaktion der Märkte: In Phasen geopolitischer Schocks und importierter Inflation suchen Anleger traditionell Schutz in physischen Sachwerten. Gold und Silber haben in solchen Zeiten über Jahrhunderte ihre Rolle als krisenfeste Vermögensreserve behauptet – als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben weder Kauf- noch Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
- Themen:
- #Energie
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik





















