
8,2 Millionen Deutsche mit gepackten Koffern: Wenn die eigene Bevölkerung das Land verlässt

Eine neue repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa liefert ein Ergebnis, das jeden Verantwortlichen im Berliner Regierungsviertel alarmieren müsste – und doch wird es dort mit erlernter Gelassenheit weggelächelt: 14 Prozent der erwachsenen Deutschen planen, innerhalb der kommenden fünf Jahre die Bundesrepublik zu verlassen. Auf die rund 59,2 Millionen erwachsenen Deutschen gerechnet sind das über acht Millionen Menschen. Acht Millionen. Das entspricht der Einwohnerzahl Österreichs. Nur eben mit Steuernummer, Rentenanwartschaft und in vielen Fällen mit exakt jener Qualifikation, die dieses Land angeblich so dringend im Ausland anwerben will.
Die Jungen wollen weg – und das ist die eigentliche Katastrophe
Wer die Zahlen aufschlüsselt, erkennt schnell, dass hier kein diffuses Fernwehgefühl älterer Ruheständler gemessen wurde. Bei den über 70-Jährigen liegt der Anteil der Auswanderungswilligen bei mageren vier Prozent. Bei den 18- bis 29-Jährigen dagegen bei 24 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen sogar bei 27 Prozent. Also gerade jene Altersgruppen, die Familien gründen, Firmen aufbauen, Beiträge in ein Rentensystem einzahlen, das ohne sie mathematisch nicht mehr funktioniert.
Man muss diesen Befund einmal in seiner ganzen Wucht stehen lassen: Über ein Viertel der 30- bis 39-Jährigen spielt mit dem Gedanken, dieses Land zu verlassen. Nicht für ein Auslandssemester. Nicht für zwei Jahre Berufserfahrung in Singapur. Sondern weg. Wer in dieser Zahl nichts als Urlaubsromantik erkennen will, hat entweder nicht hingesehen oder will nicht hinsehen.
Ein Land, das seine Leistungsträger vergrätzt
Die Gründe muss niemand erraten. Eine Steuer- und Abgabenlast, die international konkurrenzlos hoch ist. Eine Bürokratie, die aus jedem Handwerksbetrieb ein Aktenlager macht. Energiepreise, die produzierende Industrie systematisch aus dem Land treiben. Ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, das jene Generation abbezahlen darf, die jetzt über Auswanderung nachdenkt – beschlossen von einem Kanzler, der im Wahlkampf noch versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen. Und über allem ein Sicherheitsempfinden, das in vielen Innenstädten längst zur Erinnerung geworden ist.
Wer ein Land baut, in dem sich Arbeit kaum noch lohnt und Sicherheit zum Glücksfall wird, darf sich nicht wundern, wenn die Fleißigen zuerst gehen. Sie haben nämlich Alternativen.
Bemerkenswert ist auch die parteipolitische Aufschlüsselung. Unter FDP-Anhängern wollen nur sieben Prozent das Land verlassen, bei den Grünen-Wählern zehn Prozent. Bei Anhängern von AfD und Linken liegen die Werte mit 19 beziehungsweise 18 Prozent fast doppelt so hoch. Anders formuliert: Wer die politischen Verhältnisse aus grundsätzlich unterschiedlichen Richtungen für gescheitert hält, denkt eher an Abreise. Ein bequemer Befund für alle, die sich in Berlin einreden, es handele sich lediglich um das Gejammer der Unzufriedenen.
Und dann die Frage, die niemand stellen soll
Die Erhebung liefert noch ein zweites Ergebnis, das in den Redaktionsstuben der öffentlich-rechtlichen Anstalten wohl nicht mit Begeisterung aufgenommen wurde: 39 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass in Deutschland zu wenig über Gewalttaten von Ausländern berichtet werde. Lediglich 18 Prozent meinen das Gegenteil. Ein Drittel hält die Berichterstattung für angemessen.
Besonders eindeutig fällt das Urteil bei Anhängern von AfD und FDP aus, wo jeweils absolute Mehrheiten ein Informationsdefizit beklagen. Selbst in der Unionsanhängerschaft, traditionell staatstragend und medienfreundlich, monieren 37 Prozent eine zu geringe Berichterstattung – während eine relative Mehrheit von 44 Prozent das Maß für ausgewogen hält. Bei Grünen und Linken hingegen finden sich jeweils mehr Menschen, die glauben, es werde zu viel über solche Taten berichtet, als solche, die zu wenig Berichterstattung sehen. Die Realität wird eben unterschiedlich sortiert, je nachdem, welche Erzählung man verteidigen muss.
Historisch betrachtet ein Alarmsignal
Deutschland hat in seiner Geschichte immer wieder Auswanderungswellen erlebt – im 19. Jahrhundert aus Armut, nach 1933 aus Verfolgung, aus der DDR aus purer Verzweiflung über ein System, das seine Menschen einmauern musste, um sie zu halten. Auswanderungsbereitschaft in dieser Größenordnung ist historisch nie ein Ausdruck von Zuversicht gewesen, sondern immer ein Misstrauensvotum gegen die Zustände im eigenen Land. Und wer sich fragt, ob es diesmal anders sei, sollte bedenken: Rund 3,6 Millionen Deutsche leben bereits dauerhaft im Ausland. Der Trend ist keine Prognose, er läuft.
Natürlich gilt: Zwischen dem Wunsch, zu gehen, und dem tatsächlichen Schritt liegt eine erhebliche Distanz. Nicht jeder, der in einer Umfrage von Auswanderung spricht, packt am Ende Kisten. Doch schon die Bereitschaft ist ein Frühindikator. Sie beschreibt, wie viel Bindung an Staat, Gesellschaft und Zukunftsperspektive verloren gegangen ist. Und wer glaubt, dieses Vertrauen mit weiteren Rekordschulden, Klimaparagraphen im Grundgesetz und moralisierenden Sonntagsreden zurückgewinnen zu können, hat das Problem nicht verstanden.
Wer bleibt, sichert sich ab
Für alle, die nicht auswandern – aus Alter, Verantwortung, Verwurzelung oder einfach aus Liebe zu diesem Land –, bleibt eine unbequeme Konsequenz: Vertrauen in politische Versprechen ist keine Vermögensstrategie. Wenn Staatsschulden explodieren und die Kaufkraft schleichend erodiert, gewinnt die Frage nach realen, greifbaren Werten an Gewicht. Physisches Gold und Silber haben in der deutschen Geschichte mehrere Währungsschnitte, Inflationen und politische Systemwechsel überdauert – sie kennen keine Staatspleite und lassen sich weder digital abschalten noch politisch umdeklarieren. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sind sie das, was sie immer waren: eine Versicherung gegen die Fehler anderer.
Unsere Redaktion hält fest: Ein Land, dessen produktivste Jahrgänge über den Ausgang nachdenken, braucht keine neuen Kampagnen gegen „Schwarzmalerei“, sondern eine Politik, die endlich für Deutschland arbeitet statt gegen die eigenen Bürger. Diese Auffassung teilt nach allem, was Umfragen seit Jahren zeigen, ein erheblicher Teil des deutschen Volkes.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er spiegelt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wider. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und gegebenenfalls die Konsultation eines qualifizierten Steuer- oder Rechtsberaters. Für Entscheidungen und deren Folgen trägt jeder Leser selbst die Verantwortung.

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