
87 Jahre nach Gleiwitz: Die Lüge war immer die erste Kriegswaffe

Am 1. September jährt sich der Beginn des Zweiten Weltkriegs zum 87. Mal. Der Überfall auf Polen 1939 begann nicht mit einem Schuss, sondern mit einer Inszenierung. Und genau darin liegt die unbequeme Lehre des Weltfriedenstags – gerade heute.
Der Sender, der nie überfallen wurde
In der Nacht zum 31. August 1939 stürmten als polnische Soldaten verkleidete SS-Männer den deutschen Sender Gleiwitz. Die Behauptung, Polen habe angegriffen, lieferte den Vorwand für den Einmarsch. Am nächsten Morgen brüllte Hitler vor dem Reichstag den berüchtigten Satz, seit 5.45 Uhr werde „zurückgeschossen“.
Zurückgeschossen wurde nicht. Angegriffen wurde. Der Krieg begann mit einer Fälschung – und endete mit über 60 Millionen Toten und einem zerstörten Kontinent.
Von Tonkin bis Bagdad: Das Muster wiederholt sich
Wer die Geschichte des 20. Jahrhunderts durchblättert, findet dieses Muster erschreckend oft. Der Tonkin-Zwischenfall von 1964 diente den USA als Begründung für die massive Eskalation in Vietnam – Jahrzehnte später räumten amerikanische Stellen ein, dass der zweite gemeldete Angriff so nie stattgefunden hatte.
1990 rührte die sogenannte Brutkastenlüge einer angeblichen kuwaitischen Krankenschwester die Weltöffentlichkeit auf; später stellte sich heraus, dass es sich um die Tochter des kuwaitischen Botschafters handelte. 2003 präsentierte US-Außenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat Beweise für irakische Massenvernichtungswaffen. Gefunden wurde nie etwas. Powell selbst bezeichnete den Auftritt später als Schandfleck seiner Laufbahn.
Was das mit dem Deutschland von heute zu tun hat
Der Krieg in der Ukraine dauert an, der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass. Und Deutschland rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz ist in Kraft, die Bundeswehr soll um Zehntausende Soldaten wachsen, Milliarden fließen in Beschaffung und Infrastruktur.
Die Gewerkschaften stellen den diesjährigen Antikriegstag unter das Motto „Friedensfähig statt kriegstüchtig“ – Aufrüstung allein sichere keinen Frieden, während Mittel für Bildung und Soziales schrumpften, heißt es in ihren Aufrufen.
Aus Sicht unserer Redaktion geht es dabei nicht um naiven Pazifismus. Ein Land muss sich verteidigen können. Aber wer Milliarden verschiebt, Wehrpflicht-Strukturen aufbaut und die Bürger auf Ernstfälle einstimmt, schuldet ihnen belastbare Fakten – keine Stimmungsmache.
Die wichtigste Bürgertugend: Zweifeln
Die Lehre aus Gleiwitz lautet nicht, jeder Regierung alles zu unterstellen. Sie lautet: An allem ist zu zweifeln. Erst recht, wenn eine Erzählung verdächtig glatt zum politisch gewünschten Ergebnis passt und wenn Nachfragen als unpatriotisch abgekanzelt werden.
Wer prüft, wer widerspricht, wer Belege einfordert, betreibt keine Vaterlandsverachtung – er betreibt Staatsbürgerschaft. Das gilt für Kriegsgründe genauso wie für Haushaltszahlen und Sondervermögen.
Und die Kasse der Bürger?
Historisch gilt: Kriege und Krisen wurden am Ende stets über die Notenpresse und über die Ersparnisse der Bevölkerung finanziert – über Inflation, Abgaben und Währungsschnitte. Physisches Gold und Silber haben in solchen Phasen ihren Ruf als krisenfester Sachwert bewiesen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie ein sinnvoller Anker sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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