
Asyl-Anträge aus Russland brechen ein: Nur noch jeder Fünfzehnte erhält Schutz

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während 2023 noch über 9.000 russische Staatsangehörige in Deutschland um Asyl ersuchten, sind es 2025 gerade einmal 3.640 Anträge. Ein dramatischer Rückgang, der von einer noch drastischeren Entwicklung bei den Anerkennungsquoten begleitet wird. Nur noch 6,8 Prozent der Antragsteller erhalten hierzulande Schutz – vor zwei Jahren waren es noch 29 Prozent.
Tschetschenen: Von der Hoffnung zur Ernüchterung
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung bei Asylsuchenden aus Tschetschenien. Die russische Teilrepublik, die unter der eisernen Faust von Ramsan Kadyrow regiert wird, gilt als Hort schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen. Politische Gegner werden verfolgt, Korruption durchzieht sämtliche Gesellschaftsschichten. Dennoch – oder gerade deshalb – hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Schutzquote für Tschetschenen auf magere 3,9 Prozent gedrückt. Zum Vergleich: Zwischen 2021 und 2023 lag diese Quote noch bei 16 bis 21 Prozent.
Rund 60 bis 70 Prozent aller russischen Asylantragsteller stammen aus dieser Region. Man könnte meinen, die deutschen Behörden hätten ihre Einschätzung der Lage vor Ort grundlegend revidiert. Hat sich die Situation unter Kadyrow etwa verbessert? Wohl kaum.
Ethnische Russen: Kriegsflucht ohne Anerkennung
Auch bei russischen Volkszugehörigen zeigt sich ein ähnliches Bild. In den ersten beiden Kriegsjahren 2022 und 2023 flohen jeweils über 1.000 Menschen dieser Gruppe nach Deutschland. 2025 waren es nur noch 357 Personen. Die Anerkennungsquote sank von 50 Prozent im Jahr 2022 auf nunmehr 21,6 Prozent.
Die Linksfraktion im Bundestag kritisiert diese Entwicklung scharf. Clara Bünger, innenpolitische Sprecherin der Fraktion, mahnt:
„Es gibt handfeste Gründe, warum viele Menschen sich zur Flucht aus Russland gezwungen sehen. Bürgerrechte werden dort massiv eingeschränkt, kritische Stimmen unterdrückt, Minderheiten wie LGBTIQ kriminalisiert."
Die Realität der Zahlen
Ende 2025 lebten knapp 286.000 Menschen mit russischer Staatsbürgerschaft in Deutschland. Die Hälfte von ihnen verfügt über ein unbefristetes Aufenthaltsrecht, etwa 92.000 besitzen eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Interessant wird es bei den Ausreisepflichtigen: 11.500 Personen müssten das Land eigentlich verlassen, doch 10.700 von ihnen sind geduldet. Lediglich 111 Personen wurden zwischen Januar und Oktober 2025 tatsächlich nach Russland abgeschoben – über Transitstaaten wie Georgien, Serbien und Marokko.
Ein Paradigmenwechsel in der Asylpolitik?
Die sinkenden Anerkennungsquoten könnten als Zeichen einer restriktiveren Asylpolitik gedeutet werden. Ob dies nun der neuen Großen Koalition unter Friedrich Merz geschuldet ist oder bereits unter der Vorgängerregierung eingeleitet wurde, bleibt offen. Fest steht: Deutschland gewährt russischen Staatsangehörigen deutlich seltener Schutz als noch vor wenigen Jahren. Eine Entwicklung, die angesichts der unverändert angespannten Menschenrechtslage in Russland durchaus Fragen aufwirft – aber auch zeigt, dass die Behörden offenbar genauer hinschauen, wer tatsächlich schutzbedürftig ist.












