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31.05.2026
20:22 Uhr

Beaufort gefallen: Israels Armee erobert historische Kreuzritterfestung im Südlibanon

Beaufort gefallen: Israels Armee erobert historische Kreuzritterfestung im Südlibanon

Es ist ein Bild von hoher symbolischer Wucht: Auf den uralten Mauern der Kreuzritterfestung Beaufort weht wieder die israelische Flagge. Erstmals seit 26 Jahren haben israelische Soldaten den strategisch wichtigen Punkt im Südlibanon eingenommen – und damit der pro-iranischen Hisbollah-Miliz einen empfindlichen Schlag versetzt. Israels Verteidigungsminister Israel Katz bestätigte das Hissen der Flagge auf der Plattform X, ein Foto eines dpa-Reporters belegt den Vorgang.

Eine Festung mit jahrhundertealter Kriegsgeschichte

Die Festung Beaufort, errichtet im 12. Jahrhundert auf Geheiß des damaligen Königs von Jerusalem um das Jahr 1137, thront in rund 700 Metern Höhe knapp nördlich des Flusses Litani. Hinter diesen Fluss hätte sich die Hisbollah laut den getroffenen Vereinbarungen eigentlich zurückziehen sollen. Von dem markanten Bergrücken aus lässt sich die gesamte Umgebung militärisch kontrollieren – ein Vorteil, den über die Jahrhunderte zahllose Kriegsparteien zu schätzen wussten.

Bereits zwischen 1982 und 2000 nutzten israelische Truppen Beaufort als Militärbasis, ehe sie nach rund zwei Jahrzehnten Besatzung aus dem Gebiet abzogen. Die UNESCO führt die Anlage als kulturelles Erbe und bezeichnet sie als eine der am besten erhaltenen Festungen aus dem Mittelalter. Ob die Stätte durch die jüngsten Gefechte beschädigt wurde, ist bislang unklar.

Netanjahu spricht von „entscheidender Wendung“

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bewertete die Einnahme als „entscheidende Wendung“ im Kampf gegen die Hisbollah. Ein Armeesprecher bezeichnete die Festung als „Symbol der Arroganz“ der Miliz. Verteidigungsminister Katz formulierte eine unmissverständliche Botschaft an die Gegner Israels: Wer die Bürger des Landes bedrohe, werde seine strategischen Positionen „eine nach der anderen verlieren“.

„Dies ist eine klare Botschaft an unsere Feinde: Wer die Bürger Israels bedroht, wird seine strategischen Positionen eine nach der anderen verlieren.“ – Verteidigungsminister Israel Katz

Laut israelischen Medienberichten kündigte Katz an, die Soldaten würden dauerhaft an dem Ort bleiben. Die Festung sei Teil der sogenannten Sicherheitszone Israels im Libanon – ein Gebiet, das die libanesische Führung wiederum als widerrechtliche Besetzung ihres Bodens betrachtet.

Wadephul äußert „große Sorge“

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) reagierte besorgt auf das weitere Vorrücken der israelischen Armee. Dieses gebe „Anlass zu großer Sorge“, erklärte er am Sonntagabend. Israel habe zwar „legitime Sicherheitsinteressen“, und das Vorgehen sei eine Reaktion auf die anhaltenden Angriffe der Hisbollah auf den Norden Israels. Wenn jedoch Zivilisten „den Preis einer militärischen Eskalation zahlen und Teile des Libanon dauerhaft unbewohnbar werden“, mache dies die Nachbarschaft Israels langfristig nicht sicherer, gab Wadephul zu bedenken.

Zugleich forderte er die Hisbollah unmissverständlich auf, ihre Angriffe einzustellen. Der Schlüssel zu einer Stabilisierung liege in der Stärkung des libanesischen Staates, der sein Gewaltmonopol auf dem gesamten Territorium ausüben müsse. Die für die kommende Woche geplanten direkten Gespräche zwischen Libanon und Israel in Washington bezeichnete Wadephul als „den richtigen Kanal, um Erfolge zu erzielen“.

Anhaltender Beschuss und neue Fluchtbewegungen

Trotz einer seit Mitte April geltenden, von der Hisbollah jedoch nicht anerkannten Waffenruhe, setzt die Miliz ihre Angriffe fort. Allein am Samstag sollen nach Angaben der israelischen Armee mehr als 25 Geschosse aus dem Libanon auf Israel abgefeuert worden sein. Die Stadt Kirjat Schmona wurde mit einer Raketensalve angegriffen, in Safed gab es erstmals seit Beginn der Waffenruhe wieder Raketenalarm. Für Tausende Schüler in mehreren nordisraelischen Orten fällt derzeit wegen der Drohnen- und Raketenangriffe der Unterricht aus.

Auf der anderen Seite meldete das libanesische Gesundheitsministerium, bei einem israelischen Luftangriff nahe eines Krankenhauses in Tyrus seien 13 Klinikmitarbeiter verletzt worden. Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam warf Israel vor, den südlichen Libanon weitreichend zu zerstören und unternehme den „Versuch, die Geschichte auszuradieren“. Ein israelischer Militärsprecher forderte unterdessen einen Großteil der Einwohner im Südlibanon auf, sich in das Gebiet nördlich des Sahrani-Flusses zu begeben.

Ein Staat, der die Kontrolle verloren hat

Die im April geschlossene und seither zweimal verlängerte Waffenruhe sieht eigentlich die Entwaffnung der Hisbollah durch den libanesischen Staat vor. Doch diese Verpflichtung wird nicht erfüllt: Beirut kann die Miliz nicht kontrollieren, die wie ein „Staat im Staate“ agiert. Solange dieser Zustand andauert, dürfte ein dauerhafter Frieden in weiter Ferne bleiben – und die historische Festung Beaufort wird einmal mehr zum stummen Zeugen eines Konflikts, der die Region seit Jahrhunderten heimsucht.

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