
Beben in der Union: Wird Merz gestürzt – oder regiert er allein weiter?

Nach dem historischen Wahldebakel in Sachsen-Anhalt wackelt der Kanzler. Medienberichten zufolge beraten CDU-Ministerpräsidenten und Parteistrategen inzwischen offen über Zeitpunkt, Verfahren und mögliche Nachfolger für einen Wechsel an der Spitze der Bundesregierung. Gleichzeitig soll im Kanzleramt ein Szenario geprüft werden, das Friedrich Merz bislang stets kategorisch abgelehnt hatte: eine Minderheitsregierung.
17,2 Prozent – das schlechteste CDU-Ergebnis aller Zeiten
Der Auslöser ist ein Zahlenwerk, das in der Union wie ein Schock wirkt. Bei der Landtagswahl am 6. September 2026 wurde die AfD laut vorläufigem amtlichen Ergebnis mit 43,8 Prozent stärkste Kraft und verfehlte die absolute Mehrheit der Mandate nur knapp.
Die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab – ihr schwächstes Resultat bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt überhaupt. 2021 waren es noch 37,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent, so hoch wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Wer das als reines Ostphänomen abtut, verkennt die Wucht: Mehr als die Hälfte der Wähler ging diesmal zusätzlich an die Urne – und wählte mehrheitlich nicht die Regierungsparteien.
„Operation Kanzlersturz“ – die Ministerpräsidenten gehen auf Distanz
Dem Bericht zufolge hätten sich Landeschefs, die bislang als loyale Stütze des Kanzlers galten, am Wahlabend spürbar zurückgezogen. Zu einem Treffen im Adenauer-Haus sei von den Ministerpräsidenten lediglich Schleswig-Holsteins Regierungschef Daniel Günther erschienen.
In der Partei heiße es inzwischen, die Ministerpräsidenten müssten eine „Operation Kanzlersturz“ vorantreiben, weil von Merz selbst keine Wende mehr zu erwarten sei. Befeuert werde die Stimmung durch Umfragen, die dem Kanzler eine Unzufriedenheitsquote von rund 85 Prozent bescheinigen sollen.
Als aussichtsreichste Nachfolger würden Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst und Hessens Regierungschef Boris Rhein gehandelt. Wüst gilt als anschlussfähig bis ins grüne Lager – gegen ihn spreche jedoch die Landtagswahl in NRW in rund sieben Monaten. Rhein positioniere sich als klassischer Konservativer und Kritiker der sogenannten Brandmauer, was ihm parteiintern scharfe Kritik eintrage.
Das Tabu-Szenario: SPD raus, AfD punktuell rein?
Noch brisanter ist das zweite Planspiel. Diskutiert werde dem Bericht zufolge ein Ablauf, bei dem Merz Arbeitsministerin Bärbel Bas entlässt, die SPD daraufhin die Koalition verlässt – und der Kanzler mit einer Minderheitsregierung weitermacht. Im Zweifel, so heißt es, auch mit punktueller Unterstützung durch die AfD.
Das widerspricht allem, was Merz bisher öffentlich versprochen hat. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart dieses Manöver vor allem eines: Die Machtfrage ist in Berlin längst wichtiger geworden als die Sachfrage.
Was Bürger und Sparer daraus lernen sollten
Für Unternehmen, Arbeitnehmer und Sparer bedeutet ein solcher Schwebezustand vor allem Unsicherheit. Eine Regierung, die um ihr eigenes Überleben kämpft, liefert keine Steuerentlastung, keinen Bürokratieabbau, keine verlässliche Energiepolitik.
Historisch gilt: In Phasen politischer Instabilität und hoher Staatsverschuldung suchen Anleger traditionell Schutz in Sachwerten. Physisches Gold und Silber haben schon manche Regierungskrise überdauert – als Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie eine nüchterne Antwort auf turbulente Zeiten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben ausschließlich unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte sich eigenständig informieren.
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