
Berlin blockiert UniCredit: Der Kampf um Deutschlands Bankenidentität
Die Commerzbank steht im Zentrum eines erbitterten Machtkampfes, der weit mehr ist als nur eine gewöhnliche Übernahmeschlacht. Es geht um die Frage, ob Deutschland seine Finanzinstitute kampflos an ausländische Investoren verscherbelt oder endlich einmal Rückgrat zeigt. Die italienische UniCredit hat ihre Krallen ausgefahren und will sich die traditionsreiche deutsche Bank einverleiben – doch Berlin stellt sich quer.
Ein Milliardendeal, der verlockend klingt
Der deutsche Staat sitzt noch auf 12,61 Prozent der Commerzbank-Anteile, ein Überbleibsel der Rettungsaktion während der Finanzkrise 2008/2009. Damals pumpte der Bund Milliarden in die angeschlagene Bank, um sie vor dem Kollaps zu bewahren. Heute könnte er diese Beteiligung gewinnbringend abstoßen. Bei einem Aktienkurs von 37,50 Euro würde der Verkauf satte 5,331 Milliarden Euro in die klammen Staatskassen spülen – Geld, das angesichts des gigantischen Haushaltslochs dringend benötigt würde.
Doch was macht die Bundesregierung? Sie lehnt ab. Finanzminister Lars Klingbeil und seine SPD-Genossen sprechen von einem "unabgestimmten und unfreundlichen Vorgehen" der Italiener. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz positioniert sich klar: Die Commerzbank solle stark und eigenständig bleiben. Man könnte meinen, die Politik hätte endlich verstanden, dass nicht alles dem schnellen Euro geopfert werden darf.
UniCredit auf dem Vormarsch
Die Mailänder Großbank hat ihren Anteil an der Commerzbank systematisch ausgebaut. Aus anfänglichen neun Prozent im Jahr 2024 wurden mittlerweile über 26,4 Prozent. Die Europäische Zentralbank hat grünes Licht für bis zu 29,9 Prozent gegeben – ein Freibrief für die schleichende Übernahme? Die UniCredit verwaltet ein Vermögen von mehr als 400 Milliarden Euro und gehört zu den Schwergewichten im europäischen Bankensektor. Ihr Appetit auf die deutsche Traditionsbank scheint unersättlich.
Mehr als nur Zahlenspiele
Hinter den nüchternen Prozentzahlen verbirgt sich eine grundsätzliche Frage: Wie viel ist uns unsere wirtschaftliche Souveränität noch wert? Die Befürchtungen sind berechtigt: Mit einer Übernahme würden vermutlich tausende Arbeitsplätze wegfallen, Entscheidungen würden in Mailand statt in Frankfurt getroffen, und ein weiteres Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte ginge verloren.
Die Commerzbank selbst wehrt sich vehement gegen die Avancen aus Italien. Man sei "hervorragend positioniert" und auf dem besten Weg, sich als führende europäische Bank zu etablieren. Nach 155 Jahren Unternehmensgeschichte will man sich nicht kampflos geschlagen geben.
Ein seltener Moment politischer Einigkeit
Bemerkenswert ist, dass sich in dieser Frage CDU und SPD einig sind. Sowohl Merz als auch Klingbeil stellen sich schützend vor die deutsche Bank. In Zeiten, in denen die Große Koalition oft zerstritten wirkt, sendet diese Geschlossenheit ein wichtiges Signal: Es gibt Grenzen dessen, was Deutschland bereit ist aufzugeben.
Kritiker mögen einwenden, dass der Staat kein guter Unternehmer sei und sich aus der Wirtschaft heraushalten solle. Doch gerade im Bankensektor hat die Vergangenheit gezeigt, dass eine gewisse staatliche Präsenz stabilisierend wirken kann. Die Finanzkrise 2008 sollte uns gelehrt haben, dass nicht alles den Kräften des freien Marktes überlassen werden darf.
Ein Präzedenzfall mit Signalwirkung
Die Entscheidung über die Commerzbank wird Signalwirkung haben. Gibt Deutschland nach, könnte dies weitere ausländische Übernahmeversuche bei deutschen Schlüsselunternehmen nach sich ziehen. Bleibt Berlin standhaft, sendet es das Signal, dass Deutschland seine wirtschaftlichen Kronjuwelen zu verteidigen weiß.
In einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft ohnehin unter Druck steht, wäre es fatal, eine der wenigen verbliebenen Großbanken aufzugeben. Die Commerzbank mag nicht perfekt sein, aber sie ist ein deutsches Unternehmen mit deutscher Verantwortung für deutsche Kunden und Mitarbeiter.
Der Kampf um die Commerzbank ist mehr als eine Übernahmeschlacht – es ist ein Kampf um die Zukunft des deutschen Finanzplatzes. Hoffen wir, dass die Politik diesmal die richtigen Prioritäten setzt und nicht dem schnellen Geld hinterherläuft. Deutschland braucht starke, eigenständige Banken mehr denn je.
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