
Berner Wappenbär soll kastriert werden – im Namen der Gleichberechtigung
Man könnte meinen, es handele sich um einen verspäteten Aprilscherz. Doch nein, im Schweizer Kanton Bern wird tatsächlich darüber diskutiert, dem traditionsreichen Bären auf dem Kantonswappen sein Geschlechtsteil zu entfernen. Der Grund? Gleichberechtigung. Wer sich jetzt verwundert die Augen reibt, dem sei versichert: Sie haben richtig gelesen.
Ein Wappentier unter dem Messer der politischen Korrektheit
Der Grossrat Thomas Brönnimann hat einen Antrag eingebracht, der den seit Jahrhunderten stolz dargestellten Berner Bären seiner männlichen Attribute berauben soll. Seine Argumentation klingt wie aus einem Lehrbuch für postmoderne Identitätspolitik: Mehr Bewohner des Kantons könnten sich mit einem geschlechtslosen Bären identifizieren als mit einem männlichen. Das Wappen sei schlicht nicht mehr zeitgemäß.
Seit dem 12. Jahrhundert – wohlgemerkt – zeigt das Berner Wappen seinen Bären naturgetreu, inklusive aller anatomischen Details. Generationen von Bernern haben sich mit diesem Symbol identifiziert, haben unter diesem Zeichen gelebt, gearbeitet und ihre Heimat verteidigt. Doch nun soll ausgerechnet ein Wappentier zum Opfer jenes Kulturkampfes werden, der sich wie ein schleichendes Gift durch die westlichen Gesellschaften frisst.
Nicht nur kastriert, sondern auch umgedreht
Damit nicht genug. Brönnimann fordert zusätzlich, dass die Laufrichtung des Bären geändert werde. Statt wie bisher von oben links nach unten rechts solle das Tier künftig von unten links nach oben rechts schreiten – um, so die Begründung, „die Fortschrittlichkeit eines zukunftsgerichteten Kantons besser abzubilden". Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein heraldisches Symbol, das über achthundert Jahre Bestand hatte, soll umgedreht werden, weil ein Politiker der Meinung ist, die bisherige Darstellung wirke „rückwärtsgewandt".
Immerhin räumt Brönnimann selbst ein, dass sein Antrag nur „halbernst" gemeint sei. Er wolle die Politik „etwas auf die Schippe nehmen" und „zum Schmunzeln anregen". Doch gleichzeitig betont er, dass die Forderung durchaus eine Grundsatzdiskussion über Gleichberechtigung anstoßen solle. Ein rhetorischer Spagat, der symptomatisch ist für eine politische Klasse, die sich in ideologischen Nebenschauplätzen verliert, während die wirklichen Probleme ungelöst bleiben.
Deutliche Worte aus der Opposition
Erfreulich klar positioniert sich Thomas Fuchs von der Schweizer Volkspartei. Der Antrag sei „einmal mehr ein ärgerlicher Vorstoß, welcher die Politik lächerlich macht". Für seinen Kollegen findet er unmissverständliche Worte: „Offenbar ist Grossrat Brönnimann unterbeschäftigt." Eine Einschätzung, der man sich nur schwer entziehen kann.
Selbst aus dem linken Lager kommt Widerspruch. Die Sozialdemokratin Edith Siegenthaler lehnt den Antrag ebenfalls ab. Ihr sei nicht bekannt, dass die Gestaltung des Stadtwappens in der Bevölkerung nennenswerte Diskussionen auslöse. Im Grossen Rat gebe es „bedeutendere Geschäfte zu besprechen". Wenn sogar Sozialdemokraten einen Gender-Vorstoß als überflüssig erachten, dann sollte das dem Antragsteller eigentlich zu denken geben.
Symptom einer tiefgreifenden Kulturkrise
Was in Bern geschieht, ist freilich kein isoliertes Phänomen. Es reiht sich nahtlos ein in eine Kette absurder Versuche, gewachsene Traditionen und historische Symbole dem Diktat einer vermeintlich progressiven Weltanschauung zu unterwerfen. Ob es die Umbenennung von Straßen ist, die Tilgung vermeintlich anstößiger Begriffe aus Kinderbüchern oder eben die Kastration eines Wappentieres – das Muster ist stets dasselbe: Was Jahrhunderte überdauert hat, wird auf dem Altar der politischen Korrektheit geopfert.
Dabei offenbart gerade dieser Fall die ganze Absurdität der Debatte. Wer sich ernsthaft nicht mit einem Kantonswappen identifizieren kann, weil das darauf abgebildete Tier ein erkennbares Geschlecht besitzt, der hat möglicherweise ganz andere Probleme als die Heraldik. Die Frage, ob ein Bär auf einem mittelalterlichen Wappen männliche Attribute trägt, dürfte für die überwältigende Mehrheit der Berner Bevölkerung ungefähr so relevant sein wie die Frage, ob der Mond aus Käse besteht.
Und doch ist dieser Vorgang mehr als nur eine Anekdote zum Kopfschütteln. Er zeigt, wohin die Reise geht, wenn sich Politiker nicht mehr um die realen Sorgen der Bürger kümmern, sondern sich in ideologischen Phantomdebatten ergehen. Europa hat wahrlich drängendere Probleme – von der Energiekrise über die unkontrollierte Migration bis hin zur schleichenden Deindustrialisierung. Doch statt sich diesen Herausforderungen zu stellen, beschäftigen sich gewählte Volksvertreter mit den Genitalien eines Wappentieres.
Man kann nur hoffen, dass der gesunde Menschenverstand in Bern obsiegt und der Bär seine Würde – und seine Anatomie – behält. Denn Tradition ist kein Ballast, den man über Bord wirft, sobald der Wind des Zeitgeistes dreht. Tradition ist das Fundament, auf dem Gesellschaften stehen. Wer dieses Fundament Stück für Stück abreißt, der darf sich nicht wundern, wenn am Ende das ganze Gebäude ins Wanken gerät.
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