
Blindflug durch Hormus: Tanker fahren ohne Licht durch die Todeszone

Kein Licht, kein Handy, nur ein Radar und Sandsäcke an Deck: So bringen Tanker-Crews das Öl der Golfstaaten derzeit durch die Straße von Hormus. Washington verkündet Rekordzahlen beim Transit. An Bord der Schiffe sieht die Lage Berichten zufolge allerdings ganz anders aus.
Washington feiert, die Crews zittern
Die US-Regierung lobt sich für die Ölmengen, die trotz des Krieges durch die Meerenge fließen. Nach Angaben des US-Zentralkommandos CENTCOM hätten amerikanische Streitkräfte in den vergangenen Monaten Tausende Schiffe mit koordiniertem Geleitschutz durch die Straße von Hormus gebracht.
Die Wirklichkeit auf See sieht weniger glänzend aus. Medienberichten zufolge wurden allein in den vergangenen acht Tagen mindestens ein Dutzend internationaler Schiffe von Drohnen angegriffen. Am Mittwoch, dem 7. Oktober, sei ein Tanker rund 51 Seemeilen nördlich von Katar von „mehreren Projektilen“ getroffen worden. Weil die Verhandlungen seit Langem feststecken, wird darüber kaum noch berichtet.
Navigation wie vor hundert Jahren
Ein Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg gibt Einblick in den Alltag der Crews. Ein Kapitän von den Philippinen schildert dort, wie vor ihm eine Explosion ein anderes Schiff traf. Er habe seinen 300 Meter langen Tanker um das brennende Schiff herumgelenkt und die US Navy alarmiert.
Die Schiffe pendeln oft nachts, ohne Positionslichter und mit abgeschaltetem Ortungssystem AIS. Der Kapitän orientiere sich deshalb an der Küstenlinie und an den Leuchttürmen auf der omanischen Seite. Er habe Glück, dass er die klassische Navigation noch beherrsche, sagte er sinngemäß. In der Hightech-Schifffahrt des 21. Jahrhunderts hängt die Energieversorgung der Welt also plötzlich an Seemannswissen von früher.
Dauer-Alarm an Bord
Die Crews behandeln die gesamte Durchfahrt wie eine Notfallübung, die nicht endet:
- Die Pumpen laufen, Löschschläuche liegen bereit.
- Besonders verwundbare Bereiche sind mit Sandsäcken geschützt.
- Alle 30 Minuten melden sich die Schiffe bei der US Navy.
- Gefahren wird auf vorgegebenen Routen, oft dicht an der Küste.
Auf der Brücke herrscht Funkstille. Zu hören sei nur das Gemurmel der zusätzlichen Wachleute, die nach Angriffen Ausschau halten. Einmal habe der Kapitän einen Jet und einen Hubschrauber über seinem Schiff gesehen. Für das Risiko gibt es viel Geld: Crews erhalten laut dem Bericht ein Vielfaches ihres normalen Lohns, teils bis zu sechs zusätzliche Monatsgehälter.
Propagandakrieg um die Meerenge
Auch die Deutung der Lage ist umkämpft. Ein General der iranischen Revolutionsgarden erklärte Medienberichten zufolge, die Meerenge sei geschlossen und unter vollständiger Kontrolle Teherans. CENTCOM nannte das „FALSCH“. Der Verkehr fließe, darunter 20 Millionen Barrel Rohöl, und die USA sowie ihre regionalen Partner kontrollierten die Straße.
Ein großer Teil des Volumens hängt von heiklen Umladungen von Schiff zu Schiff ab. „Shuttle“-Tanker fahren ohne Ortungssignal durch die Meerenge und pumpen das Öl in offenen Gewässern auf größere Tanker um, die es dann nach Asien bringen. Der Energieexperte Amir Handjani gab zu bedenken, dass dies nur mit enormem Aufwand der US Navy gelinge. Ob das auf Dauer tragbar sei, wisse er nicht.
Was das für Europa bedeutet
Vor dem Iran-Krieg passierten Medienberichten zufolge täglich rund 40 große Rohöltanker die Meerenge. Zeitweise lief rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs durch dieses Nadelöhr. Die Frachtraten für Tanker sind inzwischen stark gestiegen, und der Ölpreis lag in den vergangenen Wochen zeitweise über 100 Dollar pro Barrel.
Für Deutschland mit seinen ohnehin hohen Energiepreisen ist das eine gefährliche Mischung. Die Versorgung hängt an Nachtfahrten, Sandsäcken und dem Mut einzelner Kapitäne. In solchen Zeiten setzen viele Sparer auf physisches Gold und Silber als krisenfeste Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
- Themen:
- #Energie

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











