280.000
Kunden
Sicherer
Versand
03.10.2026
11:30 Uhr
KI-generiert

Brasilien-Krimi: Lula gegen Bolsonaro-Sohn – was Europa jetzt droht

Brasilien-Krimi: Lula gegen Bolsonaro-Sohn – was Europa jetzt droht
Symbolbild: KI-generiert

Am Sonntag, dem 4. Oktober, sind mehr als 158 Millionen Brasilianer aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Der 80-jährige Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT tritt gegen Senator Flávio Bolsonaro von der rechten PL an, den ältesten Sohn von Ex-Präsident Jair Bolsonaro. Die Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, und für Berlin und Brüssel geht es dabei um sehr viel Geld.

Die Umfragen: zu knapp für jede Prognose

Das Institut Datafolha sieht Lula im ersten Wahlgang bei 40 Prozent und Bolsonaro bei 36 Prozent. Dahinter folgen Augusto Cury mit 5, Ronaldo Caiado mit 4, Renan Santos mit 3 und Romeu Zema mit 1 Prozent. Kommt niemand über die Hälfte der gültigen Stimmen, gibt es am 25. Oktober eine Stichwahl.

Und die wird eng. In einem simulierten zweiten Wahlgang liegt Lula bei Datafolha mit 47 zu 45 Prozent vorn, also innerhalb der Fehlermarge. AtlasIntel/Bloomberg misst sogar praktisch Gleichstand.

Deshalb versucht das Bolsonaro-Lager in letzter Minute, die Rechte hinter einem Kandidaten zu sammeln. São Paulos Gouverneur Tarcísio de Freitas wirbt öffentlich für den „voto útil“, die „nützliche Stimme“. Wähler kleinerer rechter Bewerber sollen also taktisch zu Bolsonaro wechseln. Romeu Zema will Medienberichten zufolge aber trotz Druck im Rennen bleiben.

Kein TV-Duell der beiden Favoriten

Dazu kommt ein Novum: Wie berichtet wird, gibt es zum ersten Mal seit 20 Jahren keine Fernsehdebatte zwischen den beiden Spitzenkandidaten. Beide sagten ab, und eine Justizentscheidung brachte den Sender Globo dazu, die letzte geplante Debatte zu streichen. Viele Wähler müssen sich also ohne direkten Vergleich entscheiden.

Mercosur, Rohstoffe, Brics: Darum geht es für Deutschland

Für Europa ist das mehr als eine ferne Wahl. Seit dem 1. Mai 2026 gilt der Handelsteil des EU-Mercosur-Abkommens vorläufig. Zölle auf wichtige EU-Exporte wie Autos, Arzneimittel und Wein sind seitdem weggefallen oder deutlich gesunken. Davon profitiert besonders die deutsche Industrie, die unter hohen Energiepreisen und Bürokratie leidet.

Der Berliner Lateinamerika-Experte Janek Bruno Werner hält die Wahl deshalb für wichtig:

„Brasilien liegt zwar zwölf Flugstunden von Deutschland entfernt, wie sich die politischen Verhältnisse dort entwickeln, hat aber konkrete Auswirkungen auf Deutschland.“

Neben dem Agrarhandel geht es vor allem um kritische Mineralien, ohne die keine Batterie- oder Chipindustrie auskommt. Und Brasilien legt sich politisch nicht fest. Das Land ist Gründungsmitglied der Brics-Gruppe, zu der heute elf Staaten gehören. Werner erinnert daran, dass Lula am 9. Mai 2025 gemeinsam mit Xi Jinping bei Putins Siegesparade in Moskau zu Gast war.

Bolsonaro will näher an Trump rücken

Flávio Bolsonaro kündigt eine „professionelle und pragmatische“ Diplomatie an. Er will engere Beziehungen zu den USA, Argentinien und Israel. In Interviews stellte er die Brics-Mitgliedschaft infrage, kritisierte die Abhängigkeit von China und warb auch bei Rohstoffen für eine Partnerschaft mit Washington. Dabei ist China weiterhin Brasiliens größter Handelspartner.

Werner hält eine Stichwahl für sicher. Gewinne Bolsonaro, werde sich Brasilien nach seiner Einschätzung deutlich an die Trump-Regierung annähern. Brüssel könnte dann bei Rohstoffen Konkurrenz von einem Partner bekommen, der Verträge schneller abschließt.

Ein Land, das in zwei Lager zerfällt

Laut Werner zeigt das knappe Rennen, wie gespalten das Land ist. Im ärmeren Nordosten liegt Lula klar vorn. Bolsonaro ist im wohlhabenderen Süden und im Mittleren Westen stärker, und Minas Gerais gilt als umkämpft.

Laut Werner entscheidet vor allem die innere Sicherheit die Wahl. Die Lage habe sich zuletzt zwar verbessert, viele Bürger empfänden das aber anders. Bolsonaro will härtere Strafen, Hochsicherheitsgefängnisse und eine militärisch ausgerichtete Polizei. Lula setzt dagegen auf Geheimdienstarbeit, Justizreformen und Prävention.

Gute Wirtschaftsdaten, schlechte Stimmung

Die Arbeitslosigkeit lag zuletzt bei 5,3 Prozent, die Inflation im August bei 4,22 Prozent. Trotzdem bewerten laut Datafolha 40 Prozent der Befragten die Regierung als schlecht oder sehr schlecht. Lula wirbt mit Sozialprogrammen und Staatsinvestitionen. Bolsonaro verspricht Ausgabenkürzungen, Steuersenkungen, weniger Bürokratie und Privatisierungen.

Beide Kandidaten belasten Korruptionsvorwürfe. Lulas frühere Verurteilungen aus den Lava-Jato-Verfahren wurden aufgehoben. Gegen Flávio Bolsonaro gibt es Berichten zufolge eine Affäre um Kontakte zum Bankier Daniel Vorcaro und um die Finanzierung eines Films über seinen Vater.

Klar ist nur: Ganz gleich, wer gewinnt, Europa kann sich nicht darauf verlassen, dass Brasilien automatisch an seiner Seite steht. Der Ausgang der Wahl entscheidet mit darüber, wie viel von Brüssels Mercosur-Abkommen tatsächlich bei den Unternehmen ankommt.

Wissenswertes zum Thema

Erhalten Sie kostenlose Tipps um Ihr Vermögen zu schützen und als erster von neuen Produkten zu erfahren

Sie möchten regelmäßig über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert werden? Dann melden Sie sich hier für den kostenfreien Kettner Edelmetalle Newsletter an.

Durch Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Abschicken“ geben Sie die folgende Einwilligungserklärung ab: „Ich bin damit einverstanden, per E-Mail über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert zu werden und willige daher in die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Zwecke der Zusendung des Newsletters ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung bleibt im Falle des Widerrufs unberührt.“