
Brüsseler Bürokratie am Grenzzaun: EU verschiebt digitales Reisesystem schon wieder
Es gibt Dinge, auf die man sich in Brüssel offenbar felsenfest verlassen kann. Verzögerungen gehören zweifelsohne dazu. Wie die Financial Times berichtet, wird die Europäische Union die Einführung ihres elektronischen Reisegenehmigungssystems Etias abermals nach hinten schieben – voraussichtlich auf das kommende Jahr. Die zuständige EU-Agentur EU-Lisa habe dies nach Beratungen ihres Verwaltungsrats indirekt bestätigt. Der ursprünglich für Ende 2026 anvisierte Start gelte nach Auskunft mehrerer eingeweihter Personen schlicht nicht mehr als realistisch.
Ein System nach amerikanischem Vorbild – nur eben ohne Funktionsfähigkeit
Etias soll künftig für rund 1,4 Milliarden visumbefreite Reisende gelten. Bürger aus Grossbritannien, den USA und weiteren Drittstaaten müssten vor der Einreise in den Schengen-Raum online eine Genehmigung beantragen, Sicherheitsangaben machen und eine Gebühr von 20 Euro entrichten. Das Konzept orientiert sich am amerikanischen Esta-Verfahren und verspricht Sicherheitskontrollen bereits vor Reiseantritt. Ein grundsätzlich vernünftiger Gedanke – wenn denn die technische Umsetzung nicht dem gewohnten Muster folgen würde.
Denn schon das dazugehörige Einreise-/Ausreisesystem EES, das Fingerabdrücke und Gesichtsbilder von Drittstaatsangehörigen erfasst, sorgt seit seiner Einführung an mehreren EU-Aussengrenzen für lange Warteschlangen und technische Pannen. Vertreter der Luftfahrtbranche hätten zuletzt vor erheblichen Beeinträchtigungen im Reiseverkehr während der Sommermonate gewarnt. Man plant also den nächsten digitalen Grossbau, obwohl das Fundament bereits bröckelt.
Erst stabilisieren, dann stapeln – späte Einsicht in Brüssel
Mehrere an den Gesprächen Beteiligte plädierten deshalb dafür, zunächst das EES zum Laufen zu bringen, bevor ein weiteres digitales Grenzsystem in Betrieb genommen werde. Eine bemerkenswerte Erkenntnis, die man in jedem mittelständischen Betrieb selbstverständlich voraussetzen würde. Der Verwaltungsrat von EU-Lisa wolle sich im September erneut mit einem überarbeiteten Zeitplan befassen. Über den finalen Starttermin entscheide letztlich die Europäische Kommission – vorausgesetzt, EU-Lisa schliesse sämtliche Tests erfolgreich ab.
Bereits das Einreise-/Ausreisesystem hätte ursprünglich 2022 starten sollen. Beschaffungsprobleme, technische Schwierigkeiten und Verzögerungen in mehreren Mitgliedstaaten warfen den Zeitplan mehrfach über den Haufen.
Der Widerspruch, den niemand erklären kann
Ein Kommissionssprecher erklärte, die Vorbereitungen liefen weiter, der Zeitpunkt der Einführung hänge von zahlreichen technischen und operativen Faktoren ab. Man kennt diese Formulierungen. Sie sind das bürokratische Äquivalent zu einem Schulterzucken. Und sie werfen eine unbequeme Frage auf: Wie kann ein Apparat, der über 1,4 Milliarden Reisende digital erfassen will, seit Jahren an der eigenen Software scheitern – während man gleichzeitig verkündet, ganze Grenzabschnitte mit Sensoren, Drohnen und künstlicher Intelligenz überwachen zu wollen?
Die eigentliche Aufgabe, nämlich der wirksame Schutz der europäischen Aussengrenzen gegen unkontrollierte, illegale Migration, bleibt derweil ungelöst. Man leistet sich einen digitalen Grenzverwaltungsapparat für jene, die ohnehin geordnet und ehrlich einreisen wollen, während an anderer Stelle die Kontrolle seit Jahren verweigert wird. Diese Prioritätensetzung dürfte vielen Bürgern schwer im Magen liegen – und das nicht nur der Meinung unserer Redaktion nach, sondern der eines Grossteils der Menschen in Europa.
Was bleibt, ist das Vertrauen in Beständiges
Wer sich fragt, worauf in unsicheren Zeiten noch Verlass ist, findet die Antwort nicht in Brüsseler Servern und immer neuen Zeitplänen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber benötigen keine Software-Updates, keine Testphasen und keine Verwaltungsräte, die im September erneut tagen. Sie funktionieren seit Jahrtausenden – zuverlässig und unabhängig von der Effizienz staatlicher Behörden. Als solide Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen bewahren sie ihren Wert dort, wo digitale Systeme längst ins Stocken geraten sind.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt ausschliesslich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist angehalten, eigenständig zu recherchieren und bei Bedarf einen fachkundigen Berater hinzuzuziehen. Für Anlageentscheidungen trägt jeder selbst die Verantwortung.

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