
Burkini statt Bikini: Wie ein Südtiroler Freibad die Geschlechtertrennung zur Tugend erklärt
Es klingt wie eine Satire, ist aber bitterer Ernst: In der beschaulichen Südtiroler Gemeinde Salurn öffnet ein Freibad künftig seine Pforten für eine ganz besondere Klientel. Jeden Montagabend, wenn der reguläre Badebetrieb beendet ist, soll das Becken zwischen 18.30 und 19.30 Uhr ausschließlich muslimischen Frauen zur Verfügung stehen – selbstverständlich in Burkinis, jener Ganzkörperverhüllung, die im Wasser das gleiche Signal aussendet wie an Land: Zeig ja nicht zu viel Haut.
Wenn "Inklusion" zum Deckmantel für Rückschritt wird
Der Pächter des Bades, ein gewisser Luca Lechthaler, verkauft diese Sonderregelung allen Ernstes als Beitrag zu mehr Inklusion. Man reibt sich verwundert die Augen. Seit wann bedeutet Inklusion, dass sich eine Gruppe abschottet, sich vom Rest der badenden Gesellschaft trennt und dabei ein Frauenbild zelebriert, das man in Europa längst überwunden geglaubt hatte? Wer hier von Teilhabe spricht, verdreht die Wörter, bis sie das Gegenteil dessen bedeuten, was sie ursprünglich meinten.
Und tatsächlich: Nicht alle in Südtirol lassen sich von diesem semantischen Taschenspielertrick blenden. Die stellvertretende Lega-Chefin Silvia Sardone nannte die Initiative schlicht "absurd". Was hier gefördert werde, sei keine Integration, sondern Segregation. Die Trennung von Männern und Frauen und die ausdrückliche Erlaubnis des Burkinis, so ihre Kritik, institutionalisierten eine Abgrenzung zwischen den Geschlechtern und Gemeinschaften.
Kritik von den Freiheitlichen: Ein Frauenbild aus der Steinzeit
Auch die Südtiroler Freiheitlichen fanden deutliche Worte. Parteiobmann Roland Stauder erklärte, derartige Regelungen förderten ein Frauenbild, das auf Unterdrückung, Verschleierung und Zwang beruhe. Er sprach von einem weiteren Zeichen gescheiterter Integrationspolitik – und man muss ihm dabei kaum widersprechen.
Wer glaubt, man könne durch immer neue Sonderrechte den gesellschaftlichen Frieden sichern, der irrt gewaltig. Am Ende steht nicht das Miteinander, sondern das Nebeneinander verschiedener Parallelgesellschaften.
Die Volkspartei feiert die Rolle rückwärts
Doch wo Kritik ist, ist der devote Applaus nicht weit. Die Südtiroler Volkspartei, die Schwesterpartei der österreichischen ÖVP, verteidigte die Burkini-Stunde vehement. SVP-Senatorin Julia Unterberger sprach gar von einer "Geste der Sensibilität und sozialen Inklusion". Die Schwimmstunde ermögliche es Frauen, die das Bad sonst wohl nicht besuchen würden, sich sportlich zu betätigen und den öffentlichen Raum zu nutzen.
Man fragt sich unwillkürlich: Warum besuchen diese Frauen das Bad denn "sonst wohl nicht"? Vielleicht, weil ein religiös-patriarchales Weltbild es ihnen verbietet? Und die Antwort einer politischen Partei darauf lautet ernsthaft, man müsse eben diesem Weltbild entgegenkommen, statt es infrage zu stellen? Salurns Bürgermeister Roland Lazzeri wusch derweil seine Hände in Unschuld: Der Pächter könne über solche Zusatzangebote schließlich eigenständig entscheiden.
Ein Symptom, kein Einzelfall
Was sich hier in einem kleinen Südtiroler Freibad abspielt, ist symptomatisch für einen Trend, der ganz Europa erfasst hat. Stück für Stück, Zugeständnis für Zugeständnis, wird der öffentliche Raum umgestaltet – nicht im Sinne einer echten Integration, bei der sich Zuwanderer an die hier gewachsenen Werte anpassen, sondern in Form einer schleichenden Anpassung der Aufnahmegesellschaft an fremde Vorstellungen. Ein Großteil der Bevölkerung, das dürfte kaum überraschen, teilt diese Sorge längst.
Die eigentliche Frage, die sich stellt, ist doch: Wo endet dieser Weg? Wenn heute die Geschlechtertrennung im Schwimmbecken als Fortschritt gefeiert wird, was kommt dann morgen? Es braucht endlich wieder Politiker, die den Mut haben, unsere eigene Kultur, unsere Werte und die mühsam erkämpfte Gleichberechtigung der Frau nicht auf dem Altar einer falsch verstandenen Toleranz zu opfern.
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