
CDU-Politikerin fordert mehr Frauen in Parlamenten – doch wo bleibt die inhaltliche Erneuerung?

Während Deutschland vor gewaltigen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Herausforderungen steht, setzt die hessische CDU-Politikerin Ines Claus kurz vor dem Stuttgarter Parteitag einen bemerkenswerten Schwerpunkt: Sie fordert ihre Partei auf, Frauen den Weg in die Parlamente zu ebnen. Ein ehrenwertes Anliegen – doch darf man sich fragen, ob dies wirklich die drängendste Baustelle der Union ist.
Digitale Sitzungen als Allheilmittel?
Claus, die als Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion in Hessen amtiert und sich beim kommenden Parteitag als eine von sechs Stellvertreterinnen des Parteivorsitzenden und Bundeskanzlers Friedrich Merz zur Wahl stellt, erklärte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der wirksamste Weg zu mehr weiblicher Repräsentation führe über „starke Wahlkreiskandidatinnen, die vor Ort überzeugen und direkt gewählt werden". Als konkreten Vorschlag nannte sie die digitale Übertragung abendlicher Parteisitzungen, um Frauen mit Kindern das Engagement zu erleichtern.
Man reibt sich die Augen. Die CDU regiert seit Mai 2025 in einer Großen Koalition, das Land ächzt unter einem 500-Milliarden-Schuldenberg, die Kriminalität erreicht Rekordwerte, die Inflation frisst den Bürgern das Ersparte weg – und die Antwort einer aufstrebenden Spitzenpolitikerin lautet: Videokonferenzen für Ortsvereinsabende? Das ist ungefähr so, als würde man einem Patienten auf der Intensivstation ein neues Kopfkissen empfehlen.
Das „C" in CDU – mehr als eine Floskel?
Immerhin verdient ein anderer Aspekt ihrer Äußerungen Anerkennung. Claus sprach sich dafür aus, die Partei wieder stärker mit den Kirchen zu verzahnen. „Das C steht nicht umsonst in CDU", sagte sie. Ein Satz, der in seiner Schlichtheit fast schon revolutionär wirkt – in einer Zeit, in der christliche Werte, traditionelle Familienbilder und der Bezug zur eigenen kulturellen Identität von weiten Teilen des politischen Establishments geradezu verschämt unter den Teppich gekehrt werden.
Wenn die CDU tatsächlich zu ihren christlich-konservativen Wurzeln zurückfinden würde, wäre das ein Schritt, den Millionen enttäuschter Wähler seit Jahren herbeisehnen. Doch die Erfahrung der vergangenen Legislaturperioden lehrt Skepsis. Zu oft blieben solche Bekenntnisse bloße Lippenbekenntnisse, während in der Praxis grüne Ideologie und identitätspolitische Moden die Agenda bestimmten.
Quoten oder Qualität – eine Scheindebatte?
Bemerkenswert ist, dass Claus sich explizit gegen Listenquoten aussprach. Über Listen erreiche man nicht, dass mehr Frauen für die CDU im Parlament säßen, betonte sie. Stattdessen müssten Kandidatinnen vor Ort überzeugen. Das ist ein vernünftiger Ansatz – denn Quoten haben noch nie Kompetenz ersetzt. Was zählt, ist nicht das Geschlecht eines Abgeordneten, sondern seine Fähigkeit, die Interessen der Bürger zu vertreten. Und genau hier liegt das eigentliche Problem der deutschen Politik: Es mangelt nicht an Frauen oder Männern in den Parlamenten, sondern an Politikern mit Rückgrat, die bereit sind, unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen zu treffen.
Dass es für Claus' Kandidatur als stellvertretende Bundesvorsitzende bislang keine Gegenkandidaten gibt, spricht Bände. Es zeigt einmal mehr, wie wenig innerparteilicher Wettbewerb in der CDU herrscht – ein Zustand, der kaum geeignet ist, die dringend benötigte inhaltliche Erneuerung voranzutreiben. Deutschland braucht keine Partei, die sich in Strukturdebatten verliert, sondern eine, die endlich wieder den Mut aufbringt, die wirklich drängenden Probleme beim Namen zu nennen: unkontrollierte Migration, explodierende Staatsschulden und eine Wirtschaft, die unter der Last ideologiegetriebener Regulierung zusammenbricht.
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