
Chaos im Kanzleramt: CDU-Politiker werfen Merz "feudale Willkür" vor
Es sind Worte, die im politischen Berlin selten fallen – und wenn sie fallen, dann meist aus der Opposition, nicht aus den eigenen Reihen. Doch nun sieht sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) massiver Kritik aus dem Herzen seiner eigenen Partei ausgesetzt. Der Vorwurf: Willkür. Der Anlass: die gescheiterte Umbesetzung im Bundesverkehrsministerium und der Umgang mit Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU).
Der Vorwurf: Regierung wie ein "Feudalkönigreich"
Christian Bäumler, Bundesvize der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), fand deutliche Worte. Die Abberufung Schnieders erwecke den Eindruck von Willkür, erklärte er gegenüber dem Handelsblatt. Eine Bundesregierung dürfe nicht wie ein Feudalkönigreich geführt werden – ein solches Vorgehen beschädige das Vertrauen der Menschen in die Demokratie.
Mit der Metapher vom "Feudalkönigreich" zielte Bäumler auf einen aus seiner Sicht autoritären Führungsstil ab: Entscheidungen, die nach persönlichem Ermessen und nicht nach transparenten, demokratischen Verfahren getroffen würden.
Eine SMS zum Abschied – und dann kam alles anders
Der Hintergrund der Auseinandersetzung liest sich wie eine Farce. Schnieder hatte sich bereits per SMS von einzelnen Bundestagsabgeordneten verabschiedet, nachdem ihm Merz seine Entlassung mitgeteilt haben soll. Doch zu dieser Entlassung kam es nie. Der Grund: Der als Nachfolger vorgesehene Kandidat habe dem Kanzler am Donnerstagabend zunächst zu-, dann aber wieder abgesagt. Ein personalpolitisches Manöver, das im Nichts endete – und einen Minister zurückließ, der sich bereits verabschiedet hatte.
"Aufsichtsratschef statt CEO"
Auch aus dem CDU-Bundesvorstand kam scharfe Kritik. Ein Mitglied, das nicht namentlich genannt werden wollte, warf Merz vor, die Kabinettsumbildung sei "stilbildend" für seinen Führungsstil. Der Kanzler agiere wie ein Aufsichtsratschef, der den Daumen senke, wenn ihm die Performance nicht gefalle.
"Der Bundeskanzler übersieht zudem noch: Er ist nicht der Aufsichtsrat der Deutschland AG, sondern der CEO."
Menschliche Aspekte und politisches Fingerspitzengefühl spielten dabei keine Rolle, so das Vorstandsmitglied weiter. Und es folgte eine Abrechnung, die es in sich hatte: Die "Kopflosigkeit und handwerkliche Unfähigkeit" von Friedrich Merz seien zu einer Bedrohung für die Regierung und das Ansehen der CDU geworden. Die Wahlkämpfer könnten einem nur noch leidtun, die Stimmung in der gesamten Partei sei "katastrophal".
Was bedeutet das für die Große Koalition?
Die Vorwürfe treffen einen Kanzler, der seit Mai 2025 an der Spitze einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD steht. Ob es sich bei der gescheiterten Personalie um einen Einzelfall handelt oder um ein strukturelles Problem im Führungsstil des Kanzlers, dürfte in den kommenden Wochen für weiteren Zündstoff sorgen. Fest steht: Wenn Kritik dieser Schärfe aus den eigenen Reihen kommt, ist das für jede Regierung ein Alarmsignal.
Wie sich der Konflikt weiter entwickeln wird und ob Schnieder tatsächlich im Amt bleibt, bleibt vorerst offen. Klar ist jedoch, dass die interne Unruhe in der Union in einer ohnehin angespannten politischen Gesamtlage kaum zur rechten Zeit kommt.
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