
Chinas Industrie verliert Tempo: Autobauer bluten, Chip-Firmen jubeln
Der Wachstumsmotor Chinas läuft unrund. Wie die offiziellen Daten vom Montag zeigen, stiegen die Gewinne der chinesischen Industrieunternehmen im August im Vergleich zum Vorjahresmonat nur noch um 4,2 Prozent. So schwach war kein Monat in diesem Jahr. Hinter dieser Zahl verbirgt sich eine Volkswirtschaft, die zunehmend auseinanderfällt.
Vier Monate Talfahrt am Stück
Im April meldete Peking noch ein Gewinnplus von beeindruckenden 24,7 Prozent. Seitdem geht es bergab, und das bereits den vierten Monat in Folge. Schwächer lief es zuletzt im November 2025, als die Gewinne sogar zweistellig einbrachen.
Auch die Bilanz für das laufende Jahr verliert an Glanz. Von Januar bis August legten die Gewinne großer Industriefirmen um 15,7 Prozent zu. Bis Ende Juli hatte das Plus noch bei 17,6 Prozent gelegen. Man darf nicht vergessen, woher China kommt: 2025 wuchsen die Gewinne um magere 0,6 Prozent. Nach drei Verlustjahren in Folge galt schon das als Befreiungsschlag.
Zwei Welten in einer Wirtschaft
Besonders auffällig ist die tiefe Spaltung. Die Hersteller von Computern, Kommunikationstechnik und Elektronik haben ihre Gewinne in den ersten acht Monaten mehr als verdoppelt, und zwar um 110 Prozent. Getrieben wird das vom weltweiten KI-Boom, der die Nachfrage nach Chips, Rechentechnik und Robotik nach oben treibt.
Die Autoindustrie dagegen verzeichnete im gleichen Zeitraum einen Gewinnrückgang um 16 Prozent. Dort tobt ein gnadenloser Preiskampf. Auch Branchen, die vom Konsum leben, etwa Bekleidungs- und Möbelhersteller, schreiben rückläufige Gewinne. Das Bild ist eindeutig: Die Hightech-Fabriken boomen, während der chinesische Verbraucher auf der Bremse steht.
Peking verweist auf den Basiseffekt
Yu Weining, Chefstatistiker des Nationalen Statistikamts, macht vor allem einen hohen Basiseffekt für die Abkühlung verantwortlich. Im August des Vorjahres waren die Gewinne um 20,4 Prozent nach oben geschnellt, weil Peking gegen ruinöse Preiskriege in mehreren Branchen vorging. Zugleich wiederholte Yu das Versprechen der Führung, die Binnennachfrage zu stärken und das Angebot zu „optimieren“. Beobachter kennen solche Formeln seit Jahren. Oft folgt ihnen wenig Greifbares.
Immobilienkrise, schwacher Konsum, teure Energie
Die Probleme reichen tiefer als ein statistischer Effekt. Im zweiten Quartal wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt so langsam wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Die seit Jahren anhaltende Immobilienkrise drückt auf den Konsum und bremst die Investitionen in Bauprojekte und Infrastruktur. Hinzu kommen dauerhaft steigende Energiekosten.
Laut dem offiziellen Einkaufsmanagerindex schrumpfte die Industrieaktivität im Juli und im August. Die Einzelhandelsumsätze legten im August noch langsamer zu, und die Investitionen in den Städten gingen weiter zurück. Lediglich die Industrieproduktion zog an, und das auch nur dank der Exporte.
Was das für Deutschland bedeutet
Für die deutsche Wirtschaft sind das schlechte Nachrichten. Ein China, das zu Hause zu wenig verkauft, drängt umso aggressiver auf die Weltmärkte. Der Preiskampf in der chinesischen Autobranche trifft auch die deutschen Hersteller, die im Reich der Mitte seit Jahren unter Druck stehen. Und in Berlin? Dort fehlt es bislang an einer überzeugenden Antwort auf die Frage, wie der Industriestandort Deutschland diesem Druck standhalten soll.
Ökonomen rechnen jetzt mit neuen Konjunkturspritzen aus Peking. Allan von Mehren, China-Ökonom der Danske Bank, erwartet, dass die Behörden ihre Politik im zweiten Halbjahr entschlossener umsetzen. Investitionen in strategische Bereiche wie Wasser, Stromnetze, Rechenzentren, Kommunikationsnetze, städtische Leitungen und Logistik dürften demnach schneller fließen.
Fazit: Gewinne auf Pump sind keine Stabilität
Wieder einmal soll der Staat mit Geld die Lücken füllen, die der private Konsum hinterlässt. Das kennt man nicht nur aus Peking. Für Anleger heißt das, dass die Unsicherheit in der Weltwirtschaft bleibt. Wer sein Vermögen gegen Konjunkturschocks und neue Schuldenwellen absichern möchte, kann physisches Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen. Beide haben sich über Jahrhunderte als Stabilitätsanker bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Informieren Sie sich vor jeder Anlageentscheidung eigenständig. Für Ihre Anlageentscheidungen sind Sie selbst verantwortlich.

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