
Chinas Lager-Offensive: Polen hängt Deutschland gnadenlos ab!

Chinesische Konzerne kaufen sich in Europas Logistik ein, und zwar in einem Tempo, das selbst Branchenkenner überrascht. Seit Anfang 2024 haben Firmen aus der Volksrepublik allein in Polen rund 695.000 Quadratmeter moderne Lagerfläche angemietet. Das ist der Spitzenwert in der gesamten EU. Deutschland kommt im Vergleich kaum vor.
Warschau vorn, Berlin weit abgeschlagen
Die Zahlen stammen aus dem Report „Future Flows“ des Immobiliendienstleisters Cushman & Wakefield, der den Zeitraum von 2024 bis zum ersten Halbjahr 2026 auswertet. Europaweit haben chinesische Unternehmen demnach mehr als 2,5 Millionen Quadratmeter Industrie- und Logistikfläche gesichert. Mehr als Polen meldet nur Großbritannien mit 757.000 Quadratmetern.
Und Deutschland? Die größte Volkswirtschaft des Kontinents kommt auf magere 163.000 Quadratmeter, also knapp ein Viertel des polnischen Werts. Die Niederlande (157.000) und Frankreich (153.000) liegen ähnlich. In Mittelosteuropa folgt Ungarn mit 180.000 Quadratmetern auf Platz zwei.
Das ist bitter. Laut der Analyse beliefert Polen von seinen Hallen aus nicht nur den heimischen Markt, sondern ausdrücklich auch deutsche Kunden. Die Pakete landen also weiter bei uns, die Investitionen, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen aber anderswo. Als Gründe nennt der Bericht vor allem niedrigere Lohn- und Betriebskosten im Osten.
Brüssel schließt die Lücke, China baut einfach um
Den wichtigsten Anstoß lieferte ausgerechnet die EU. Seit dem 1. Juli 2026 gilt die Zollfreigrenze von 150 Euro für Sendungen aus Drittstaaten nicht mehr. Nach Angaben des deutschen Zolls wird jetzt ein Pauschalzoll von 3 Euro je Warenkategorie fällig. Ab dem 1. November soll nach derzeitigem Stand eine Abfertigungspauschale von 2 Euro dazukommen.
Das Ziel war klar: Die Paketflut von Temu, Shein und Co. sollte eingedämmt werden. Die Plattformen reagieren aber mit einer anderen Strategie. Sie schicken die Ware künftig nicht mehr einzeln um die halbe Welt, sondern lagern sie gleich in Europa ein. Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht.
Dazu kommt Druck aus China selbst. Die Binnennachfrage dort schwächelt, und der Preiskampf ist so ruinös, dass Fachleute von „Involution“ sprechen. Das treibt die Unternehmen nach Westen. Neben dem Onlinehandel drängen vor allem Hersteller von Elektroautos, Batterien und grüner Technik auf den Kontinent.
Wer genau mietet?
- Logistikfirmen: 50 Prozent der Fläche (1,3 Millionen Quadratmeter)
- E-Commerce: 32 Prozent (820.000 Quadratmeter)
- Produzenten: 17 Prozent (422.000 Quadratmeter), davon 95 Prozent in Mittelosteuropa
Strom, Grundstücke, Personal: Der Boom stößt an Grenzen
Der Ansturm hinterlässt Spuren. Experten von Cushman & Wakefield zufolge entfiel zuletzt fast ein Fünftel der gesamten Logistiknachfrage in Polen auf asiatische Akteure. Nach der Umfrage des Unternehmens wollen 48 Prozent der chinesischen Firmen weniger als ein Jahr nach der Investitionsentscheidung in Betrieb gehen, fast jede fünfte sogar innerhalb von sechs Monaten.
Das Tempo zehrt am Bestand. Große, erschlossene Grundstücke werden knapp, Hallen mit 10.000 bis 25.000 Quadratmetern sind besonders gefragt. Dazu fehlen Netzanschlüsse, denn automatisierte Lager brauchen sehr viel Strom. Auch Arbeitskräfte sind nicht unbegrenzt verfügbar.
Pikant ist eine weitere Zahl: 71 Prozent der befragten chinesischen Unternehmen sehen die europäischen Vorschriften als größte Hürde. Brüssel selbst will mit dem Net-Zero Industry Act gegensteuern. Bis 2030 sollen mindestens 40 Prozent der Netto-Null-Technologien in der EU produziert werden.
Ein Weckruf für den Standort Deutschland
Am Ende steht eine unbequeme Frage. Wenn selbst Investoren, die ohnehin für den deutschen Markt produzieren und liefern, lieber nach Polen gehen, was sagt das über Energiepreise, Genehmigungsverfahren und Regulierung hierzulande? Die Regierung Merz verspricht seit Monaten eine Wende für die Wirtschaft. Die Lagerhallen zwischen Posen und Lodz zeigen bisher, dass die Konkurrenz im Osten schneller handelt.
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