
Chinas Wirtschaft taumelt weiter – von einer echten Erholung keine Spur

Während westliche Politiker nicht müde werden, das chinesische Wirtschaftsmodell wahlweise als Bedrohung oder als Vorbild zu beschwören, offenbaren die jüngsten Zahlen aus Peking eine ernüchternde Realität: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt steckt in einer zähen Stagnation fest, die sich mit kosmetischen Maßnahmen nicht übertünchen lässt. Die Daten des Nationalen Statistikamts für Januar zeichnen das Bild einer Wirtschaft, die zwar nicht mehr im freien Fall begriffen ist – aber eben auch meilenweit von einer echten Erholung entfernt bleibt.
Inflation am Boden, Deflationsdruck allgegenwärtig
Die Verbraucherpreise stiegen im Januar im Jahresvergleich um magere 0,2 Prozent – nach immerhin 0,8 Prozent im Dezember. Ein dramatischer Rückgang, der sich zwar teilweise durch den Kalendereffekt des chinesischen Neujahrsfestes erklären lässt, aber dennoch ein Alarmsignal darstellt. Niedrigere Energiepreise und fallende Lebensmittelkosten – insbesondere bei Schweinefleisch, Eiern und Speiseölen – drückten die ohnehin schwache Teuerungsrate weiter nach unten.
Wer genauer hinschaut, findet allerdings einen kleinen Lichtblick: Die Kerninflation, bereinigt um die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise, legte um 0,8 Prozent zu. Im Monatsvergleich ergab sich ein Plus von 0,3 Prozent – das stärkste Tempo seit fast einem halben Jahr. Industrielle Konsumgüter ohne Energie verteuerten sich sogar um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch von einer breiten Belebung der Nachfrage kann man beim besten Willen nicht sprechen.
Produzentenpreise: 40 Monate im Minus
Besonders besorgniserregend bleibt die Lage bei den Erzeugerpreisen. Seit nunmehr rund vierzig Monaten verharrt der Produzentenpreisindex im negativen Bereich – ein historisch beispielloser Deflationszyklus, der die chinesische Industrie wie ein schleichendes Gift durchdringt. Im Januar sank der Index im Jahresvergleich um 1,4 Prozent. Das Minus fiel damit zwar so gering aus wie seit Mitte 2024 nicht mehr, und im Monatsvergleich legte der Index sogar zum vierten Mal in Folge zu. Doch diese vermeintliche Stabilisierung verdankt sich weniger einer organischen Nachfragebelebung als vielmehr externen Faktoren.
Höhere Rohstoffpreise am Weltmarkt, insbesondere bei Buntmetallen, schlugen sich unmittelbar in den Fabrikpreisen nieder. Hinzu kommen staatliche Eingriffe in Branchen mit massiven Überkapazitäten – etwa bei Zement oder Photovoltaik –, wo Peking den ruinösen Preiswettbewerb administrativ einzudämmen versucht. Man könnte auch sagen: Die kommunistische Partei verordnet der Wirtschaft eine Beruhigungspille, während die eigentliche Krankheit unbehandelt bleibt.
Immobilienmarkt: Weniger Absturz ist noch kein Aufschwung
Der chinesische Immobiliensektor, einst Motor des beispiellosen Wirtschaftsbooms, bleibt das Sorgenkind schlechthin. Immerhin: Der Preisverfall verlangsamte sich im Januar leicht. Die Preise für Bestandswohnungen in 70 Großstädten sanken im Monatsvergleich um 0,54 Prozent – etwas weniger als in den Vormonaten. Bei Neubauten ohne staatlich geförderten Wohnraum betrug der Rückgang 0,37 Prozent.
Peking hatte im Dezember weitere Maßnahmen ergriffen: Lockerungen für Käufer aus anderen Regionen, Senkung der Mehrwertsteuer bei schnellem Weiterverkauf, Abbau unverkaufter Bestände durch lokale Behörden. Doch wer glaubt, damit sei die Trendwende eingeleitet, der irrt gewaltig. In vielen Großstädten liegen die Wiederverkaufspreise weiterhin mehr als ein Drittel unter früheren Höchstständen. Das ist keine Stabilisierung – das ist bestenfalls ein langsameres Sinken.
Was Deutschland daraus lernen sollte
Die chinesische Malaise sollte auch hierzulande aufhorchen lassen. Denn die Parallelen sind beunruhigender, als mancher wahrhaben möchte. Auch in Deutschland kämpft die Industrie mit Überkapazitäten, explodierenden Energiekosten und einer Binnennachfrage, die trotz aller politischen Versprechen nicht in Schwung kommt. Das von der neuen Großen Koalition unter Friedrich Merz aufgelegte 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen mag zwar kurzfristig Impulse setzen – doch schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme sind, wie das chinesische Beispiel eindrucksvoll zeigt, kein Ersatz für echte strukturelle Reformen.
China hat in den vergangenen Jahren Billionen in Infrastruktur und Immobilien gepumpt. Das Ergebnis? Eine Gesamtverschuldung von über 300 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und eine Wirtschaft, die trotz aller staatlichen Eingriffe nicht auf die Beine kommt. Wer meint, Deutschland könne mit ähnlichen Rezepten – nur eben in grüner Verpackung – bessere Ergebnisse erzielen, der betreibt gefährliches Wunschdenken.
Das Frühlingsfest als Stimmungsbarometer
In China richtet sich der Blick nun auf das Frühlingsfest, das traditionell als eine Art kollektives Stimmungsbarometer fungiert. Wenn Familien und Freunde zusammenkommen, wird offen über Jobs, Immobilienpreise und die Geschäftslage gesprochen. Aus diesen Gesprächen entsteht ein Bild der wirtschaftlichen Realität, das oft verlässlicher sei als jede offizielle Statistik. Kurz darauf folgen die „Zwei Sitzungen" im Frühjahr, bei denen sich zeigen dürfte, wie weit die Führung bei fiskalischen Impulsen und Maßnahmen für den Immobiliensektor tatsächlich zu gehen bereit ist.
Eines steht fest: Die Zeiten des chinesischen Wirtschaftswunders sind vorbei. Was bleibt, ist eine Volkswirtschaft im Übergangsmodus, die zwischen Deflationsdruck, Immobilienkrise und geopolitischen Spannungen – nicht zuletzt durch die massiven Zollerhöhungen der Trump-Administration von 34 Prozent auf chinesische Importe – navigieren muss. Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Vorsicht. In Zeiten globaler Unsicherheit und wackelnder Wirtschaftsgiganten erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Deflation, keine Überkapazitäten und keine politischen Eingriffe, die ihren inneren Wert schmälern könnten.
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