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Kettner Edelmetalle
28.07.2026
21:50 Uhr

Chip-Crash in Asien, Rekorde bei Old Economy: Wenn die KI-Blase erste Luft verliert

Chip-Crash in Asien, Rekorde bei Old Economy: Wenn die KI-Blase erste Luft verliert

Es war einer dieser Handelstage, an denen die Fassade des großen KI-Booms hörbar knirschte. Während der Dow Jones Industrial Average am Dienstag um 537,24 Punkte oder 1,03 Prozent auf 52.747,32 Zähler kletterte und damit den dritten Gewinntag in Folge einfuhr, brannte an anderer Stelle der Halbleitersektor lichterloh. Der VanEck Semiconductor ETF verlor mehr als drei Prozent, der Monatsverlust summiert sich auf über 19 Prozent. Das wäre der schlechteste Monat seit 2008. Man lasse sich diese Jahreszahl kurz auf der Zunge zergehen.

Seoul zieht die Notbremse – zweimal

Noch dramatischer verlief die Sitzung in Asien. Der südkoreanische Kospi stürzte um 10,84 Prozent auf 6.023,66 Punkte ab. Die Korea Exchange musste den Handel per Circuit Breaker für 20 Minuten komplett aussetzen, nachdem der Index acht Prozent eingebüßt hatte – zuvor hatte schon ein Sidecar den Programmhandel gestoppt. Samsung Electronics verlor 13,4 Prozent, SK Hynix über 14,7 Prozent. In Japan gab der Nikkei 225 um 3,95 Prozent nach, Advantest brach über zehn Prozent ein, Kioxia sogar über 17 Prozent. Chinas CSI 300 schloss 2,83 Prozent tiefer, der Technologiesektor dort verlor 6,28 Prozent.

Wer in den vergangenen Monaten geglaubt hat, die Speicherchip-Euphorie sei ein Naturgesetz, erhielt eine bittere Lektion. Sandisk etwa, der beste Wert im S&P 500 mit einem Jahresplus von über 360 Prozent, notiert nun 53 Prozent unter seinem Junihoch. Vom Höchststand bei 2.335 Dollar auf rund 1.090 Dollar – in gut einem Monat. Solche Bewegungen nennt man an der Börne gern "Konsolidierung". Der Sparer nennt sie Vermögensvernichtung.

"Dieser Momentum-Abbau läuft seit sechs bis acht Wochen und hat viel mehr mit der Markttechnik zu tun als mit fundamentalen Veränderungen", zitierte CNBC den Investmentstrategen Ross Mayfield von Baird.

Flucht in die alte Wirtschaft

Bemerkenswert ist, wohin das Geld wandert. Gesundheits- und Finanzwerte markierten Rekordhochs, angetrieben von Versicherern. Der Technologiesektor fiel auf den tiefsten Stand seit dem 7. Mai. Sherwin-Williams legte nach starken Quartalszahlen acht Prozent zu, Coca-Cola sprang fünf Prozent nach oben und hob die Jahresprognose an. Anstrichfarbe und Zuckerwasser schlagen also künstliche Intelligenz. Man muss diese Ironie nicht extra betonen, sie trägt sich selbst.

Gleichzeitig fiel der Ölpreis deutlich: WTI verbilligte sich um rund vier Prozent auf 79,26 Dollar, Brent um 4,8 Prozent auf 84,09 Dollar – Iran sprach mit Saudi-Arabien und Oman über die Straße von Hormus, Präsident Trump lobte "gute Gespräche". Mayfield warnte allerdings, die Rotation in zyklische Sektoren funktioniere nur, solange Öl nicht in Richtung 100 Dollar marschiere und die Zinsen nicht über die gesamte Kurve stiegen.

Der starke Dollar und ein kurzer Rücksetzer beim Gold

Der Dollar-Index erreichte mit 101,64 den höchsten Stand seit dem 25. Juni, Gold-Futures für August gaben um über ein Prozent auf ein Tagestief von 4.016,5 Dollar nach. Kein Wunder vor einer Fed-Entscheidung – der Markt preist laut CME FedWatch Tool inzwischen sogar eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt im September ein. Solche Tagesbewegungen sind bei einem Goldpreis oberhalb von 4.000 Dollar reines Rauschen. Wer die vergangenen Jahre verfolgt hat, weiß: Während Halbleiteraktien binnen Wochen die Hälfte ihres Wertes einbüßen können, hat das gelbe Metall seine Kaufkraft über Jahrtausende bewahrt. Die zehnjährige US-Rendite lag bei 4,628 Prozent, die dreißigjährige bei 5,121 Prozent – Zahlen, die den Schuldenstaaten des Westens den Schweiß auf die Stirn treiben dürften.

Apple bei fünf Billionen – und Bitcoin auf halbem Weg nach unten

Apple berührte erstmals eine Marktkapitalisierung von fünf Billionen Dollar und überholte Nvidia als wertvollsten börsennotierten Konzern. Interessant dabei: Während Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft Hunderte Milliarden in KI-Infrastruktur pumpen, hält Apple die Investitionen niedrig und nutzt schlicht Googles Technik. Bitcoin dagegen dümpelt bei rund 60.000 Dollar, etwa 50 Prozent unter dem Oktoberrekord von rund 126.000 Dollar. Chartanalysten sehen Anzeichen einer Bodenbildung – dieselben Analysten, die zuvor Kursziele nach oben gemalt hatten.

Deutsche Industrie: Mercedes streicht die Prognose

Und Deutschland? Mercedes-Benz senkte die Jahresprognose. Der Absatz sank um acht Prozent, in China brachen die Verkäufe um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ein. "Intensiver Wettbewerb und gedämpfte Konsumstimmung", heißt es diplomatisch. Konzernchef Ola Källenius will die "Kostenposition" verbessern. Übersetzt: Der deutsche Premiumhersteller verliert dort Marktanteile, wo eine Politik der ideologischen Elektro-Vorgaben und exorbitanter Energiepreise die Wettbewerbsfähigkeit über Jahre systematisch untergraben hat. Berlin verankert Klimaneutralität im Grundgesetz und legt 500 Milliarden Euro Sondervermögen auf – die Rechnung zahlen Generationen über Steuern und Abgaben. Wer glaubt, dass Mercedes in Peking mit Sondervermögen konkurriert, glaubt auch an Zinsen auf dem Sparbuch.

Bei Boeing schlug ein Verlust von 280 Millionen Dollar für das ewig verspätete Air-Force-One-Programm ins Kontor, Johnson & Johnson zahlt 5,5 Milliarden Dollar zur Beilegung von 76.000 Talkum-Klagen, Visa streicht 2.600 Stellen oder rund sieben Prozent der Belegschaft, Buzzfeed entlässt 35 Prozent – und der Aktienkurs sprang darauf um 13,3 Prozent. Willkommen in einer Wirtschaft, in der Massenentlassungen als Kaufsignal gelten.

Was der Anleger daraus mitnehmen sollte

Das Verbraucher­vertrauen in den USA sank im Juli auf 90,8 Punkte, unter der Erwartung von 92,0. Inflationssorgen und Skepsis am Arbeitsmarkt drücken die Stimmung. Die Botschaft dieses Handelstages ist so simpel wie unbequem: Papierwerte können innerhalb von Wochen die Hälfte ihres Wertes verlieren, Notenbanken bleiben unberechenbar, Handelskonflikte und geopolitische Spannungen bleiben Dauerbegleiter. Physische Edelmetalle in eigenem Besitz kennen keine Circuit Breaker, keine Gewinnwarnung und keinen Vorstand, der eine Prognose kassiert. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben Gold und Silber das, was sie immer waren – die Versicherung gegen die Torheiten der Politik.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar und enthält keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Alle Angaben beruhen auf den uns vorliegenden Informationen und spiegeln die Einschätzung unserer Redaktion wider. Kurse und Marktdaten können sich jederzeit ändern; vergangene Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse. Jeder Leser ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für steuerliche und rechtliche Fragen sollte ein qualifizierter Steuer- oder Rechtsberater konsultiert werden. Eine Haftung für Vermögensschäden wird ausdrücklich ausgeschlossen.

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