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28.01.2026
09:52 Uhr

Coinbase-Chef lässt sich von künstlicher Intelligenz beraten – Das Ende des klassischen Managements?

Coinbase-Chef lässt sich von künstlicher Intelligenz beraten – Das Ende des klassischen Managements?

Was vor wenigen Jahren noch wie Science-Fiction klang, ist längst Realität geworden: Brian Armstrong, der Vorstandsvorsitzende der Kryptobörse Coinbase, hat enthüllt, dass er mittlerweile ein internes KI-System als strategischen Berater einsetzt. Das System, das er selbst als "Orakel" bezeichnet, durchforstet sämtliche internen Kommunikationskanäle des Unternehmens und liefert dem CEO Erkenntnisse, die ihm sonst verborgen geblieben wären.

Die totale Überwachung als Führungsinstrument

In einem Interview während des Weltwirtschaftsforums in Davos erläuterte Armstrong die Funktionsweise seines digitalen Beraters. Das selbst gehostete KI-Modell sei mit sämtlichen Datenquellen des Unternehmens verbunden – jede Slack-Nachricht, jedes Google-Dokument, alle Salesforce-Daten und Confluence-Einträge fließen in ein zentralisiertes Repository ein. Was einst als simples Produktivitätswerkzeug begann, hat sich zu einem strategischen Instrument entwickelt, das mittlerweile von allen Abteilungen genutzt wird, einschließlich der Rechts- und Finanzabteilung.

Die Implikationen dieser Entwicklung sind weitreichend. Während Medienberichte bislang vor allem vor dem Verlust von Einstiegspositionen und mittleren Managementebenen durch künstliche Intelligenz warnten, zeigt das Beispiel Coinbase, dass selbst die Führungsetage nicht vor der digitalen Transformation gefeit ist.

Vom Memo-Schreiber zum strategischen Mentor

Besonders bemerkenswert ist die Art und Weise, wie Armstrong das System nutzt. Statt die KI lediglich für Routineaufgaben wie das Verfassen von Memos einzusetzen, stellt er ihr nun introspektive Fragen. "Was sollte ich im Unternehmen wissen, das mir möglicherweise nicht bewusst ist?" – so lautet eine seiner typischen Anfragen an das digitale Orakel.

"Es hat mir gesagt: 'Wussten Sie, dass es in diesem Team tatsächlich Meinungsverschiedenheiten über die Strategie gibt?' Und ich dachte: 'Das wusste ich tatsächlich nicht', weil es jede Slack-Nachricht und jedes Google-Dokument lesen kann."

Diese Aussage offenbart eine beunruhigende Dimension der modernen Unternehmensführung. Die totale Transparenz, die das System ermöglicht, bedeutet gleichzeitig eine lückenlose Überwachung aller Mitarbeiter. Jede noch so beiläufige Bemerkung in einem Chat, jeder kritische Kommentar in einem Dokument – alles wird erfasst, analysiert und dem CEO auf dem Silbertablett serviert.

Das Konzept des "Reverse Prompting"

Armstrong führte das Konzept des sogenannten "Reverse Prompting" auf Tobi Lütke zurück, den CEO von Shopify und Mitglied des Coinbase-Vorstands. Anstatt der KI zu sagen, was sie tun soll, fragt man sie, worüber man nachdenken sollte. Die KI wird damit vom Werkzeug zum Mentor, vom Assistenten zum Coach.

Das System analysiert beispielsweise, wie Armstrong seine Zeit verbracht hat, und vergleicht dies mit seinen ursprünglichen Plänen. Es zeigt ihm auf, dass er 32 Prozent seiner Zeit für bestimmte Aufgaben aufwendete, obwohl er nur 20 Prozent eingeplant hatte. Es kann ihm sogar sagen, bei welchen Themen er im vergangenen Jahr am häufigsten seine Meinung geändert hat.

Die Zukunft der Unternehmensführung?

Die Entwicklung wirft fundamentale Fragen auf. Ist dies der Beginn einer neuen Ära der Unternehmensführung, in der menschliche Intuition durch algorithmische Analyse ersetzt wird? Oder handelt es sich um einen gefährlichen Trend, der das Vertrauen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern nachhaltig beschädigen könnte?

Eines steht fest: Die traditionelle Art, ein Unternehmen zu führen, steht vor einem fundamentalen Wandel. Ob dieser Wandel zum Besseren führt, bleibt abzuwarten. Die Vorstellung, dass künftig nicht mehr der Mensch die KI befragt, sondern die KI den Menschen mit Informationen konfrontiert, die er bedenken sollte, hat durchaus dystopische Züge.

Für Anleger, die in Kryptowährungen oder Technologieunternehmen investiert sind, sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. Die Branche bewegt sich mit atemberaubender Geschwindigkeit in eine Zukunft, deren Konturen noch kaum erkennbar sind. In solch unsicheren Zeiten gewinnen bewährte Wertanlagen wie physische Edelmetalle an Bedeutung – sie bieten Stabilität und Werterhalt, unabhängig davon, welche Algorithmen gerade die Geschicke der Technologiekonzerne lenken.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.

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